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21.10.2015

10:52 Uhr

Tagesgeld und Sparbuch statt Aktien

Sparer in Schockstarre

VonJessica Schwarzer

Die Zinsen sind mehr oder weniger abgeschafft, doch die Deutschen bleiben Sparbuch und Tagesgeld treu. Glücklich sind sie damit nicht. Handeln wollen sie aber auch nicht. Ziemlich unlogisch, oder? Ein Erklärungsversuch.

Die deutschen Anleger rühren sich bei der Geldanlage nicht vom Fleck, bevorzugen noch immer Tagesgeld und Sparbuch. Imago

Schockstarre

Die deutschen Anleger rühren sich bei der Geldanlage nicht vom Fleck, bevorzugen noch immer Tagesgeld und Sparbuch.

FrankfurtDeutsche Sparer haben es nicht leicht: Sie meiden das Risiko wie der Teufel das Weihwasser, deshalb bleiben sie ihrem heißgeliebten Sparbuch und dem nicht weniger beliebten Tagesgeld treu. Doch glücklich sind die Deutschen mit ihrer Entscheidung nicht. Im Gegenteil. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Goldman Sachs Asset Management (GSAM) in Zusammenarbeit mit TNS Infratest.

Obwohl Tagesgeld und Sparbuch nur noch homöopathisch verzinst sind, horten rund 77 Prozent ihr Geld weiterhin auf diesen Konten. Mehr als die Hälfte sind mit dieser Geldanlage aber eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden (60,4 Prozent). Trotz des Niedrigzins-Schocks reagieren die Sparer nicht – und das obwohl sie überwiegend davon ausgehen, dass das derzeitig historisch niedrige Zinsniveau in Europa weitere drei bis fünf Jahre oder sogar länger anhalten wird (65,4 Prozent).

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„Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass sich die deutschen Anleger zwar des Niedrigzinsumfeldes bewusst sind, jedoch bei ihrer bereits vorhandenen Geldanlage nicht entsprechend reagieren“, sagt Markus Weis, Leiter des Drittvertriebs für Deutschland und Österreich bei GSAM. Auch in den kommenden zwölf Monaten wollen mehr als 75 Prozent der Befragten ihr Geld nicht in eine für sie neue Anlageklasse investieren.

Die Aktie ist für die Befragten scheinbar keine Alternative. Fast 85 Prozent der Befragten, die bisher keine Aktien oder Aktienfonds halten, wollen auch in den kommenden zwölf Monaten nicht in diese Anlageklasse investieren. Goldman und Infratest befragten ausschließlich Menschen, die entweder bereits in einer Anlageform – vom Sparbuch über Immobilien und Aktien bis zu Rohstoffen – investiert sind oder Geldvermögen für Investments verfügbar haben.

Ein klares Ergebnis: Die Aktie bleibt unbeliebt. Nur jeder Vierte ist aktuell Aktionär – über eine Direktanlage oder einen Fonds. Im Gegensatz zu den Sparbuchfans ist allerdings der Großteil der Aktionäre mit den Erträgen sehr zufrieden oder eher zufrieden (69,2 Prozent). Was angesichts der jahrelangen Rally an den Märkten und der rekordhohen Dividendenzahlen allerdings wenig überraschend ist.

Für den Großteil der Befragten ist Sicherheit das wichtigste Kriterium, wenn sie sich für eine Geldanlage entscheiden (61,8 Prozent). Quer durch alle Anlageklassen geben mindestens 60 Prozent an, gar kein oder nur ein geringes Risiko eingehen zu wollen. „Die Deutschen haben weiter ein hohes Sicherheitsbedürfnis hinsichtlich ihrer Geldanlage“, sagt Weis. „So scheuen die Privatanleger weiterhin Aktien und Aktienfonds, obwohl gerade diese Anlageklasse in der aktuellen Zinsphase noch attraktive Renditen bietet.“

Die Deutschen halten die Unternehmensbeteiligungen via Börse für unsicher, riskant und kompliziert. Das bewies zuletzt auch eine Studie des Deutschen Aktieninstituts und der Börse Stuttgart. Außerdem seien Aktien „nur was für Reiche“. Solche Fehleinschätzungen führen dazu, dass die fleißigen Sparer von Aktien lieber die Finger lassen.

Kommentare (48)

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Account gelöscht!

21.10.2015, 11:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Philipp Haas

21.10.2015, 11:21 Uhr

Die Deutschen sind auch selber schuld, kaufen sich lieber alle 3 Jahre neues Auto statt Immobilie und schlechte Finanzprodukte statt Aktien.
Am besten gute Aktien und Immobilien kaufen und liegen lassen und sich auf Handelsblatt oder Blogs wie investresearch.net weiterbilden. Nur die eigentliche Zielgruppe erreicht man damit auch kaum...

Frau hulda ermsberger

21.10.2015, 11:25 Uhr

Was soll man auch tun? Jede halbwegs kalkulierbare/zuverlässige Altersvorsorgemöglichkeit wurde ja durch den Unsinn der uns Vorgesetzten an die Wand gefahren. Immobilien: seit 2008 unerschwinglich oder abzahlbar bis Sanktnimmerleinstag, Börse = Spielcasino ... dann halt doch ein neues Auto

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