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09.06.2017

16:14 Uhr

Target 2

Bundesbank-Forderungen auf Rekordhöhe

VonJan Mallien

Die Forderungen der Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank haben im Mai einen neuen Rekordwert erreicht. Mittlerweile liegen sie bei 857 Milliarden Euro. Das hat vor allem einen Grund.

Die Forderungen der Bundesbank im internen Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken erreichten im Mai einen neuen Rekord. dpa

Deutsche Bundesbank

Die Forderungen der Bundesbank im internen Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken erreichten im Mai einen neuen Rekord.

FrankfurtDie Forderungen der Bundesbank im internen Zahlungssystem der Notenbanken des Eurosystems (Target 2) haben im Mai mit 857 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreicht. Im April notierten sie noch bei 843 Milliarden Euro. Umgekehrt stiegen auch die Target-Verbindlichkeiten Italiens mit 421Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert. Über das Target-System verrechnen die Notenbanken des Eurosystems grenzüberschreitende Zahlungen.

Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise 2010 bis 2012 zogen Investoren massenhaft Kapital aus den Krisenländern ab und brachten es vor allem nach Deutschland, wodurch sich riesige Ungleichgewichte auftaten. Deshalb galten die Target-Salden damals als eine Art Fieberthermometer der Euro-Krise. Erst durch das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, alles zu tun, um den Euro zu retten, konnte die Kapitalflucht ab Mitte 2012 vorerst gestoppt werden – und die Salden gingen zurück.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Den derzeitigen Anstieg führen Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) nicht primär auf Kapitalflucht zurück, sondern auf die Anleihekäufe der Euro-Notenbanken. Seit März 2015 kaufen die Bundesbank und die anderen Notenbanken des Eurosystems im Auftrag der EZB in großem Umfang Staatsanleihen. Oft erwerben sie diese Papiere von ausländischen Banken oder Investoren, die ihr Konto meist in Ländern mit der besten Bonität wie Deutschland haben. Kauft etwa die italienische Notenbank einem US-Investor italienische Staatspapiere ab, der sein Konto bei der Bundesbank hat, so steigt der deutsche Target-Saldo.

Bereits seit Beginn der Anleihekäufe 2015 ist der Target-Saldo der Bundesbank wieder gestiegen. Einige Politiker sehen das mit Sorge. Zu einem Problem könnten die die Target-Salden werden, wenn ein Land aus dem Euro ausscheiden sollte. Ob ein Land wie Italien oder Griechenland dann seine Target-Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem begleichen würde, ist fraglich. In einem solchen Fall blieben im Eurosystem unbezahlte Rechnungen zurück, für die in Deutschland möglicherweise die Steuerzahler mit dem Verzicht auf Bundesbankgewinne aufkommen müssten.

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