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22.12.2015

12:59 Uhr

Terminkalender veröffentlicht

EZB schränkt Investorentreffen ein

Die EZB-Direktoren haben sich vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen mit Bankvertretern getroffen, die dadurch möglicherweise einen Vorteil hatten. Nun verbannt die EZB die brisanten Termine aus ihrem Terminkalender.

Nun soll die "Schweigeperiode" klar eingehalten werden. dapd

Das Euro-Zeichen vor der EZB-Zentrale in Frankurt

Nun soll die "Schweigeperiode" klar eingehalten werden.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) schränkt ihre Treffen mit Banken und Vermögensverwaltern in den Tagen und Stunden vor geldpolitischen Entscheidungen ein. Das zeigt der Terminkalender, den die EZB gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg offenlegte.

Im November räumte die EZB ein, sich kurz vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen mit Bankern und Managern aus der Finanzwirtschaft getroffen zu haben. Die Treffen fanden zum Teil zu einem Zeitpunkt statt, zu dem ihnen öffentliche Diskussionen über geldpolitische Themen untersagt waren. Einzelne Finanzinstitute hatten dadurch möglicherweise einen Vorteil.

Der heute veröffentlichte Terminkalender zeigt, dass die EZB gegen den Eindruck vorgehen will, sie gebe wichtigen Banken einen Zugang zu markrelevanten Informationen. In den letzten Monaten hat die Zentralbank ihre Verhaltens- und Offenlegungsvorschriften verschärft. 

EZB: Drei Risiken für Draghi

EZB

Drei Risiken für Draghi

Das neue Jahr könnte für Mario Draghi ungemütlich werden. Ungemach droht nicht nur aus den Schwellenländern. Der EZB-Chef hat zunächst auf eine neue große Geldspritze verzichtet. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Wie aus den Terminkalendern hervorgeht, hatten EZB-Präsident Mario Draghi, Vizepräsident Vitor Constancio und die Direktoriumsmitglieder Peter Praet, Benoit Coeuré und Yves Mersch in den sieben Tagen vor der Ratssitzung keine Treffen mit Vertretern der Finanzwelt.

Vor ein paar Monaten sah dies noch anders aus: Im Mai hatte es Ärger gegeben, weil EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré bei einer nicht öffentlichen Rede bei einem Dinner vor Hedgefonds-Managern in London über eine Ausweitung der EZB-Anleihekäufe vor den Sommermonaten gesprochen und damit starke Kursbewegungen an den Finanzmärkten ausgelöst hatte. Die anderen Marktteilnehmer erfuhren erst am folgenden Morgen von den Aussagen und konnten damit nur verspätet reagieren.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

4.7.2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

(Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)

7.11.2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“

(Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)

7.11.2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

(Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Die heute veröffentlichten Terminkalendereinträge deuten darauf hin, dass die Direktoriumsmitglieder die Richtlinien einhalten, wonach sie sich sieben Tage vor Entscheidungen nicht zu geldpolitischen Themen äußern sollen.

Laut Kalender habe es zwar keine Treffen mit Fondsmanagern oder Hedgefonds während der so genannten Schweigeperiode gegeben, im September und Oktober hatten aber Direktoriumsmitglieder durchaus Termine mit Fondsgesellschaften. So enthielt zum Beispiel der Kalender von Direktoriumsmitglied Coeuré Treffen mit Moore Europe Capital Management, Paulson & Co und Algebris Investments. Laut EZB hat er bei all diesen Terminen über "Finanzmarkt-Entwicklungen" gesprochen. Sprecher der beteiligten Firmen äußerten sich zunächst nicht.

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