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16.01.2008

14:23 Uhr

Tief am Kapitalmarkt

Polnische Privatisierungspläne sollen die Aktienkurse beflügeln

VonReinhold Vetter

Börse, Fluglinien, Banken und Zechen: Die Regierung in Warschau plant eine wahre Privatisierungswelle. Damit will sie nicht nur die Háushaltskasse füllen, sondern auch die Stimmung auf dem Kapitalmarkt aufheitern. Und wirklich spricht einiges dafür, dass der Markt bald aus seinem Tief herausfinden könnte.

Will durch Privatisierungen die Börsenkurse treiben: Polens Premier Donald Tusk. Foto: ap ap

Will durch Privatisierungen die Börsenkurse treiben: Polens Premier Donald Tusk. Foto: ap

WARSCHAU. Aufgrund der Privatisierungspläne der neuen polnischen Regierung steht der polnische Kapitalmarkt vor einem interessanten Jahr. So gehört auch die Betreibergesellschaft der Warschauer Börse zu den Unternehmen, die entstaatlicht werden sollen. „Spätestens im zweiten Quartal verkaufen wir etwa 50 Prozent der Anteile“, kündigte Vizefinanzminister Michal Czyczewski an. Bis zu 20 Prozent sollen direkt an der Börse platzieren werden und 30 Prozent an einen strategischen Investor gehen.

Insgesamt 316 staatliche Unternehmen und Gesellschaften stehen auf der Privatisierungsliste von Schatzminister Aleksander Grad für 2008, darunter auch große Finanzinstitute wie die Bank Handlowy oder Chemiebetriebe, Steinkohlezechen, Kokereien und auch die Fluggesellschaft LOT: „Wir erwarten Erlöse von mindestens 2,5 Milliarden Zloty“, sagt er.

Aber der Minister sieht die Verkäufe nicht nur als zusätzliche Einnahmequelle für den Staat, sondern auch als wichtigen Impuls für den polnischen Kapitalmarkt, der in den vergangenen Wochen unter dem Einfluss der globalen Finanzkrise arg gelitten hat.



Angesichts der ökonomischen Probleme in den USA und deren weltweiten Auswirkungen sind die polnischen Anleger vorsichtig geworden,

sagt Analyst Tomasz Karszina vom Finanzdienstleister Credit Suisse Asset Management. Viele seien von Aktien auf Staatspapiere oder Immobilien umgestiegen. Aber auch die internationalen Investmentfonds hätten begonnen, Werte aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten abzustoßen, sagt Karszina. Das alles hat dazu geführt, dass die wichtigsten Indizes der Warschauer Börse seit Jahresbeginn auf den niedrigsten Stand seit März 2007 gefallen sind.

Angesichts dieser Verluste ist es also kein Wunder, wenn sich die Hoffnungen der Anleger und Analysten mittelfristig besonders auf die geplanten Privatisierungen richten. Tatsächlich hatten schon im vergangenen Jahr zahlreiche Börsengänge für Belebung auf dem Kapitalmarkt gesorgt. Mit insgesamt 81 Neuemissionen gehörte die Warschauer Börse zu den Spitzenreitern in ganz Europa; sie wurde nur übertroffen von der Börse in London.

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