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16.01.2012

14:11 Uhr

Top-Bonität in Gefahr

Rettungsschirm in Turbulenzen

VonJan Mallien

Nach der Abstufung Frankreichs ist die Bonität des Rettungsfonds EFSF akut gefährdet. Nun müssen sich die finanzstarken Euro-Länder entscheiden: Entweder sie geben mehr Garantien oder der Fonds verliert die Top-Bonität.

Getty Images

Berlin/DüsseldorfNur wenige Euro-Länder blieben vom Rating-Beben am Freitag verschont. Nach Börsenschluss stufte die Ratingagentur Standard & Poors Frankreich und acht weitere Eurozonen-Länder herunter und sorgte damit für zum Teil wütende Reaktionen aus der Politik. In den nächsten Tagen droht nun ein weiteres Nachbeben: Auch der Rettungsfonds EFSF könnte nun seinen Musterschüler-Status an den Finanzmärkten verlieren.

„Wir müssen jetzt analysieren: Finden Anpassungsmaßnahmen statt, die den Verlust von „AAA“-Garantien kompensieren? Wenn das nicht der Fall ist, ist davon auszugehen, dass das Rating auch entsprechend herabgestuft wird“, sagte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer.

Auch Analyst Jacques Cailloux von der Royal Bank of Scotland (RBS) sieht wenig Hoffnung für den Rettungsfonds: „Die Herabstufungen zementieren die Erwartungen, dass weder der EFSF noch der ESM ihr „AAA'-Rating halten können,“ sagt er. Um dies zu erreichen, müssten die europäischen Staaten ihre finanziellen Zusagen für die Rettungsfonds deutlich ausweiten, oder eine geringere finanzielle Schlagkraft akzeptieren. Cailloux' Berechnungen zufolge könnten der EFSF 169 und der ESM 200 Milliarden Euro weniger für Stützungskäufe ausgeben als bislang geplant, wenn sie ihr „AAA“-Rating ohne zusätzliche Finanzspritzen halten wollen.

Dagegen jedoch regt sich grade in Deutschland heftiger Widerstand. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht keinen Bedarf für eine Aufstockung des deutschen Garantierahmens von derzeit 211 Milliarden Euro. „Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten zu leisten hat, reicht die Garantie bei weitem aus“, sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk.

So bewertet S&P die Euro-Länder

Belgien

Aktuelles Rating: AA

Ausblick: negativ

Deutschland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: stabil

Estland

Aktuelles Rating: AA-

Ausblick: negativ

Finnland

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Frankreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Irland

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Italien

Aktuelles Rating: BBB+

Ausblick: negativ

Luxemburg

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Malta

Aktuelles Rating: A-

Ausblick: negativ

Niederlande

Aktuelles Rating: AAA

Ausblick: negativ

Österreich

Aktuelles Rating: AA+

Ausblick: negativ

Portugal

Aktuelles Rating: BB

Ausblick: negativ

Slowakei

Aktuelles Rating: A

Ausblick: stabil

Slowenien

Aktuelles Rating: A+

Ausblick: negativ

Spanien

Aktuelles Rating: A

Ausblick: negativ

Zypern

Aktuelles Rating: BB+

Ausblick: negativ

Dies jedoch hätte vermutlich zur Folge, dass der Rettungsfonds EFSF seine Top-Bonität verliert. Erst kürzlich hatte sich jedoch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker dafür ausgesprochen, die Bestnote des Rettungsfonds zu erhalten. Den Preis dafür müsste allerdings vor allem Deutschland zahlen. Als letztes großes Euro-Land mit der höchsten Kreditwürdigkeit müsste es über die bisher zugesicherten 211 Milliarden Euro hinaus weitere Garantien übernehmen. Dies erscheint eher unwahrscheinlich. Stattdessen sind die Euro-Länder vermutlich bereit, einen Verlust der Top-Bonität für den Rettungsfonds hinzunehmen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

16.01.2012, 14:45 Uhr

Dieses ganze Euro-Idiotenspiel ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Kommt mir vor als ob Familie Many Herrn Zwegat klarmachen will dass sie ihre 300.000 Euro Schulden in Zukunft dadurch begleichen möchten, in dem sie einer völlig neuen (nach 50 anderen) Idee ihre Zuversicht schenken -> Sparen durch mehr ein als ausamten!

Account gelöscht!

16.01.2012, 14:46 Uhr

Thema verfehlt - wir haben die nächsten zwei Wochen :
"sind Kreuzfahrten lebensgefährlich ?"

denk.mal

16.01.2012, 15:28 Uhr

@Deutelmoser1994:
Wunderbar! Danke für diese heiteren Worte in schwerer Zeit.

Im Sommerloch dürften wir ja dann bei "ist das Leben lebensgefährlich?" angekommen sein...

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