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29.01.2016

12:32 Uhr

Trotz EZB-Geldflut

Kreditvergabe an Firmen bleibt schwach

Die Kreditvergabe in der Euro-Zone ist trotz der stetig steigenden Geldmenge verhalten geblieben. Sie zog nur um 0,3 Prozent an. Ökonomen finden die Daten enttäuschend.

Die europäischen Banken vergaben im Dezember nur 0,3 Prozent mehr Darlehen an nicht zur Finanzwirtschaft zählende Firmen als vor Jahresfrist. Volkswirte nennen die Daten „enttäuschend”. dpa

Kreditklemme

Die europäischen Banken vergaben im Dezember nur 0,3 Prozent mehr Darlehen an nicht zur Finanzwirtschaft zählende Firmen als vor Jahresfrist. Volkswirte nennen die Daten „enttäuschend”.

FrankfurtTrotz der Geldschwemme der EZB springt die Kreditvergabe der Banken in der Euro-Zone nicht richtig an. Die Institute vergaben im Dezember nur 0,3 Prozent mehr Darlehen an nicht zur Finanzwirtschaft zählende Firmen als vor Jahresfrist, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Für November wurde zudem der Zuwachs auf 0,7 Prozent von zuvor gemeldeten 0,9 Prozent nach unten revidiert. An Privathaushalte im Währungsraum vergaben die Geldhäuser im Dezember 1,4 Prozent mehr Darlehen.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Volkswirte werteten die Daten als enttäuschend. Die schwache Dynamik hole die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Boden der Tatsachen zurück, kommentierte Bayern LB-Volkswirt Johannes Mayr. „Vor allem im Bereich der Unternehmenskredite wurde überraschend die positive Entwicklung der Vormonate relativiert.” Darlehen an Firmen machen Mayr zufolge etwa 40 Prozent der Kredite an die Privatwirtschaft aus. Sie sind ein wichtiger Indikator für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung.

Die Euro-Wächter versuchen bereits seit März 2015 mit dem Kauf von Staatsanleihen die Konjunktur anzuheizen und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation nach oben zu treiben. Monat für Monat pumpen sie so Milliarden in das Finanzsystem. Anleihen sollen als Investment für Banken unattraktiver werden - sie sollen stattdessen mehr Kredite vergeben.

EZB : Mini-Inflation setzt Draghi unter Druck

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Die Inflation im Euroraum ist im Januar um 0,4 Prozent gestiegen. Sie verharrt damit an der Nullgrenze. Eine weitere geldpolitische Lockerung im März ist wahrscheinlich.

Der große Erfolg ist bislang aber ausgeblieben. Die für den Währungsraum wichtige Geldmenge M3 nahm im Dezember um 4,7 Prozent zu. Experten hatten hingegen mit einem Plus von 5,2 Prozent gerechnet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Von

rtr

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