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02.07.2015

14:51 Uhr

Trotz Griechenland-Krise

Schweden senkt Leitzins

Inmitten der Hellas-Krise hat Schweden den Leitzins gesenkt. Damit soll die Binnennachfrage und der Aufschwung gefördert werden. Die schwedische Krone gab nach der Entscheidung im Vergleich zum Euro nach.

Inmitten der Hellas-Krise hat Schweden den Leitzins gesenkt. dpa

Schwedische Ein-Kronen-Münze

Inmitten der Hellas-Krise hat Schweden den Leitzins gesenkt.

StockholmAngesichts der eskalierenden Griechenland-Krise hat Schwedens Notenbank überraschend den Leitzins gesenkt. Die Währungshüter kappten den bereits negativen Schlüsselsatz weiter: auf minus 0,35 von minus 0,25 Prozent. Zugleich will die Stockholmer Riksbank von September an bis zum Jahresende Staatsanleihen im Volumen von 45 Milliarden Kronen (rund 4,8 Milliarden Euro) erwerben. Ein im April beschlossenes Ankaufprogramm läuft im September aus. Die Zentralbank warnte, die Folgen der Krise um das de facto zahlungsunfähige Euro-Land Griechenland seien derzeit schwer abzuschätzen. Sie steht bereit, die Geldpolitik bei Bedarf weiter zu lockern - notfalls auch zwischen den regulären Zinssitzungen.

Die Notenbanker wollen mit dem massiven Drucken von Geld – im Fachjargon Quantitative Easing (QE) genannt – eine Deflation verhindern: In einer solchen Abwärtsspirale geraten die Preise ins Rutschen, Verbraucher schieben Käufe auf, und der Aufschwung wird durch sinkende Löhne und mangelnde Investitionen abgewürgt.

ELA und die griechischen Banken

Was heißt „ELA“?

Ela steht für „Emergency Liquidity Assistance“, also Notfall-Liquditätshilfe.

Wer vergibt die Kredithilfen?

Die Hilfe wird nicht von der EZB direkt, sondern von der jeweiligen nationalen Notenbank vergeben, die auch für mögliche Verluste haftet. Der EZB-Rat muss der Gewährung aber zustimmen.

Welche Regeln gelten?

Streng genommen dürfen Ela-Kredite nur an Banken vergeben werden, die nur einen vorübergehenden finanziellen Engpass haben. Grundsätzlich müssen die Geldhäuser aber solide aufgestellt, also solvent sein. Kritiker bezweifeln, dass dies auf griechische Banken noch zutrifft.

Wie wichtig sind die Hilfen für griechische Banken?

Sollte die EZB die Ela-Hilfen einstellen, müssten die griechischen Banken die bereits gewährten Milliarden relativ schnell zurückzahlen - was sie faktisch nicht können. Seit Monaten hängen die Hellas-Banken am Ela-Tropf: Von der üblichen Versorgung mit frischem Zentralbankgeld sind sie überwiegend abgeschnitten. Denn ein Großteil ihrer Sicherheiten - griechische Staatsanleihen - werden von der EZB zurzeit nicht als Pfand akzeptiert, weil sie zu schlecht bewertet sind.

Nach dem Zinsentscheid weitete die Schwedische Krone ihre Verluste zum Euro aus. „Sie haben das QE recht aggressiv betrieben, und es ist ziemlich klar, dass sie die Krone schwächen wollen“, sagte Währungsexperte Niels Christensen von der Bank Nordea.

Die Senkung des Leitzinses weit unter die Null-Linie verstärkt diesen Effekt noch, da die Krone damit als Anlagewährung unattraktiver wird. Die Notenbank schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Wettbewerbsposition schwedischer Firmen im Ausland wird durch eine schwächere Krone verbessert, und zugleich verteuern sich Importe. Damit wird über den Wechselkurs die Inflation wie von den Währungshütern gewünscht angeheizt. Im Mai waren die Preise nur um 0,1 Prozent gestiegen, womit das Deflationsgespenst noch lange nicht gebannt scheint.

Notenbanken lockern Geldpolitik – Eine Chronik

Fallende Preise, schrumpfende Investitionen

Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Es folgt ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar:

Quelle: Reuters

4. März/15. Januar – Indien

Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

28. Februar/4. Februar – China

Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

24. Februar/20. Januar – Türkei

Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

23. Februar – Israel

Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

18. Februar – Botsuana

Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

17. Februar – Indonesien

Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

12. Februar – Schweden

Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

5. Februar/29. Januar/22. Januar/19. Januar – Dänemark

Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

4. Februar/7. Januar – Rumänien

Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

3. Februar – Australien

Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

30. Januar – Russland

Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

28. Januar – Albanien

Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

28. Januar – Singapur

Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

24. Januar – Pakistan

Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

22. Januar – EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

21. Januar – Kanada

Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

16. Januar – Peru

Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

15. Januar – Ägypten

Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

15. Januar – Schweiz

Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

1. Januar – Usbekistan

Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten. (zusammengestellt von Jamie McGeever, bearbeitet von Frank Siebelt, redigiert von Alexander Ratz.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1312 oder 030-2888 5168)

Wirtschaftlich steht Schweden auf den ersten Blick gut da: Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal um 2,5 Prozent zu. Doch zugleich geht die Sorge vor einer Immobilienblase um. Zudem hat die Verschuldung der Haushalte besorgniserregende Ausmaße angenommen hat.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Herbert Maier

02.07.2015, 15:26 Uhr

Weiß nicht ob ich jetzt gerade dieses Foto von der gefälschten Münze hier abgedruckt hätte, wo der König als ....... (*censored*) bezeichnet wird.

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