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09.07.2013

13:39 Uhr

Trotz Schrumpfkurs

Deutsche Banken vergeben mehr Kredite

Quelle:Reuters

Weniger Mitarbeiter, kleinere Bilanzen: Europas Banken bleiben einer Umfrage zufolge auf Schrumpfkurs. Die Deutschen Banken stört es nicht, sie ziehen keine Konsequenzen bei ihrer Kreditvergabe.

Die Stimmung bei den Deutschen Banken ist ungetrübt. dpa

Die Stimmung bei den Deutschen Banken ist ungetrübt.

Frankfurt Zwar erwarten rund ein Viertel der von der Unternehmensberatung Ernst & Young befragten Institute eine Aufhellung der Konjunktur innerhalb von sechs Monaten. Doch erwartet gleichzeitig jede dritte Bank immer noch eine zumindest leicht steigende Risikovorsorge, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten halbjährlichen "Bankenbarometer" hervorgeht. Am pessimistischen werden die Kreditausfälle von den Instituten in Spanien und Polen gesehen, wo mehr als die Hälfte von steigenden Rückstellungen ausgehen.

Viele Banken in Europa ziehen daraus Konsequenzen für die Kreditvergabe. Ein Viertel will weniger Darlehen ausreichen, ein Viertel mehr. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Britische, deutsche, aber auch spanische Banken wollen die Kreditvergabe ausweiten, französische und italienische Banken stehen auf der Bremse. Die deutschen Banken setzen ihre Hoffnungen auf den Mittelstand und private Immobilienkredite. Doch auch bei der Hälfte der deutschen Banken soll die Bilanzsumme weiter sinken.

Allen voran Italiener, Schweizer und Spanier erwarten, dass sich die Staatsschuldenkrise im zweiten Halbjahr verschärft. Aber auch in Deutschland überwiegen mit Blick darauf die Pessimisten. Weit zuversichtlicher sind die Skandinavier, die Niederländer und Belgier. Die Lage an den Finanzmärkten und im Bankensektor sei nach wie vor kritisch, fasst Bankenexperte Dirk Müller-Tronnier von Ernst & Young die Ergebnisse zusammen. "Die Eurozonenländer driften wirtschaftlich weiter auseinander, der Schuldenabbau der Staaten kommt kaum voran und die Abwicklung der Bad Banks stellt eine erhebliche Herausforderung dar."

Für die Studie wurden im Juni 252 Banken in Europa befragt, davon 59 aus Deutschland. Eine Konsolidierung unter deutschen Banken ist nach deren eigener Einschätzung aber in weitere Ferne gerückt. 61 Prozent glauben, dass sie noch mindestens drei Jahre auf sich warten lässt - vor einem halben Jahr hatten sie zwei Drittel noch in ein bis drei Jahren erwartet.

Derweil setzt sich der Stellenabbau in den Banken fort: Jedes dritte Institut in Deutschland und mehr als 40 Prozent in Europa wollen bis zum Jahresende Personal abbauen. 17 Prozent in Deutschland und 23 Prozent in Europa wollen dagegen Personal aufbauen. Zu viele Leute seien vor allem in der Verwaltung an Bord, gefolgt vom Privat- und Firmenkundengeschäft.

Im Privatkundengeschäft stehen die Banken nach einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney besonders unter Druck. Die Rendite sei vor allem wegen der steigenden Kreditrisiken 2012 auf 0,6 Prozent der Bilanzsumme gesunken, in den Vorjahren waren es mehr als 0,7 Prozent. "Die Privatkundeneinnahmen werden in den nächsten Jahren im besten Fall stagnieren", sagt Partner Andreas Pratz voraus. Nur auf Grund des Stellenabbaus sei der durchschnittliche Ertrag pro Mitarbeiter auf 196.500 Euro pro Jahr leicht gestiegen. Die Einnahmen pro Kunde sank auf 635 von 673 Euro.

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