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30.01.2014

16:35 Uhr

Türkei, Südafrika, Indien

Anleitung zum Währungscrash

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Die Türkei, Südafrika und Indien kämpfen gegen den Verfall ihrer Währungen. Es droht ein Teufelskreis aus Abwertung, höheren Schulden und Rezession. Die Geschichte zeigt: Währungskrisen geraten schnell außer Kontrolle.

Anschnallen, bitte! Die Währungen der Schwellenländer befinden sich im Sturzflug. Getty Images

Anschnallen, bitte! Die Währungen der Schwellenländer befinden sich im Sturzflug.

DüsseldorfDie Währungen der Schwellenländer stürzen ab – und mit ihnen ganze Volkswirtschaften. Nach Jahren des Booms stehen Ländern wie der Türkei, Südafrika oder Indien harte Zeiten bevor. Sie geraten in einen Abwärtsstrudel aus Währungsverfall, Rezession und Finanzkrise.

„Die Risiken sind unglaublich hoch in einer neuen und alarmierenden Phase, in der es mehr und mehr nach einer sich auswachsenden Schwellenländer-Krise aussieht“, sagte John Cairns von der südafrikanischen Rand Merchant Bank. Die Kapitalflucht aus diesen Staaten könne die gesamte Weltwirtschaft nach unten ziehen, warnt der Experte.

Auch am Donnerstag standen die Schwellenländer-Währungen unter Druck. Die türkische Lira fiel zeitweise um mehr als ein Prozent auf 2,30 Dollar – in den vergangenen zwölf Monaten hat sie 30 Prozent an Wert verloren. Selbst eine drastische Erhöhung der Zinsen konnte die Talfahrt bislang nicht stoppen. Nach einer Krisensitzung hatte die türkische Zentralbank am Dienstagabend den Leitzins von 4,5 auf 10,0 Prozent angehoben.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Dramatisch ist die Lage auch in Südafrika. Der südafrikanische Rand ist auf Sicht von zwölf Monaten um 24 Prozent gefallen. Die Notenbank reagierte jüngst mit einer Zinserhöhung. In Indien ist die Rupie gegen den Dollar im selben Zeitraum um 18 Prozent gefallen. Auch hier versucht die Zentralbank mit höheren Zinsen gegenzusteuern. Russlands Zentralbank kündigte am Donnerstag an, den Rubel notfalls mit massiven Eingriffen am Devisenmarkt stützen zu wollen. Dazu würden „unbegrenzte Mittel“ zur Stabilisierung eingesetzt, um den Rubel im angestrebten Zielkorridor zu halten.

Doch die verzweifelten Maßnahmen könnten zu spät kommen. In den Jahren des Booms, als Investoren ihr Geld in die Schwellenländer brachten, wäre Zeit gewesen, Vorkehrungen zu treffen. Doch nun haben sich die Kapitalströme umgekehrt. Die Währungskrise lässt sich kaum noch aufhalten. „Besorgniserregend ist, dass wichtige Zentralbanken in den Schwellenländern ihre geldpolitischen Zügel angezogen haben, um ihre Währungen zu verteidigen und ziemlich kläglich gescheitert sind“, sagte RBS-Marktstratege Abbas Ameli-Renani.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie verheerend solche Währungskrisen ablaufen können. Ein Drama in fünf Akten.

 

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

30.01.2014, 16:44 Uhr

Welcher Professor redet immer davon das andere EU-Länder nicht
abwerten und das dass so schlimm wäre?

Ach ja richtig der Herr Lucke.

Irgendwie ist das doch scheinbar Mist wenn das Geld abwertet und
irgendwann nahezu wertlos wird.

wissensmanufaktur_net

30.01.2014, 16:53 Uhr

Nach dem Crash kommt eine neue Währung!

Was ist die wahre Ursache einer neuen Währung?

Kreditgeld kommt und geht - Gold und Silber bleiben.

Jede Währung ( Euro, Dollar, etc. ) die auf Kredit basiert und verzinst wird hat ein Verfallsdatum!

Warum?

Weil am Ende keiner mehr die Zinsen an die int. Bankster zahlen kann!

Das 1x1 des Kreditgeldsystem:

Geld entsteht nur über Kredit!

Geld = Schuld

Bsp. Sie gehen zu einem Bankster und bekommen einen Kredit über 1000 Euro/Dollar/Yen.
Somit wurden eben 1000 Euro/Dollar/Yen aus dem NICHTS geschaffen.

Jeder Euro/Dollar/Yen der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss + Zinsen an die int. Bankster zurückgezahlt werden!

Problem Zins bzw. Zinseszins:

Bsp.

Die Gesamtgeldmenge X wird im Durchschnitt im Jahr mit 5% verzinst.
Am Ende des Jahres ist die Geldmenge um +5% gewachsen.
Wie sie oben erfahren haben entsteht Geld aber nur über Kredit, was bedeutet das für die jährlich anfallenden Zinsen?

Das die int. Bankster jedes Jahr neue Schuldner finden müssen, die sich verschulden um die Zinsen ( Neues Geld ) zu schaffen!

Bankster verleien ihr aus der Luft geschaffenes Kreditgeld nur gegen "Sicherheiten"!
Wenn wir nicht mehr produzieren, gibt es für die int. Bankster keine neuen Pfandobjekte und damit kein neues Geld!

Verstehen Sie jetzt warum alle Nationen unter wirtschaftlichem Wachstumszwang stehen?

Achtung: Kriege schaffen Wachstum! ( Absatz von Rüstungsgütern )
Das wissen auch die int. Bankster und ihre Marionettenregierungen weltweit!

Sollten wir uns nicht lieber fragen, ob es nicht an der Zeit ist, ein neues Geldsystem einzuführen?

Ein Geldsystem ohne Zwang zu immer mehr Wachstum?

Oder die Erdlinge können sich bald ein neues Zuhause suchen, nachdem sie ihren eigenen Planeten zerstört haben!

Jeder der das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem" bzw. "Das Zwangsgeldsystem Mario Fleischmann" oder "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" suchen.

Shorty

30.01.2014, 17:07 Uhr

Doch der weise Mann nutzt jedes Phase der Bewegung. Egal, ob es hoch oder nach unten geht. Short / Long. Man drehe sein Mäntelchen nach dem Winde und lasse die "Experten" hinter sich.

Ich glaube aber, ENDLICH ist eine Korrektur am Laufen und unten warte ich dann und kaufe ein, wenn das Blut bis zu den Knien steht.

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