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29.08.2012

14:14 Uhr

Turnaround-Aktien

Die Alles-oder-nichts-Strategie

VonJörg Hackhausen

Solarworld, Nokia, Commerzbank - diese Aktien gibt es derzeit zum Ramschpreis. Analysten raten ab. Wer dennoch darauf setzt, kann alles verlieren - oder das große Geschäft machen. Wir stellen die heißesten Aktien vor.

Getty Images

DüsseldorfDer deutsche Aktienmarkt kennt keine Krise. Der Dax liegt bei knapp 7.000 Punkten. Eine gute Nachricht. Das Dumme ist nur: Wer jetzt kaufen will, ist spät dran. Aktien sind nicht mehr ganz billig. Um noch ein Schnäppchen zu erwischen, müssen Anleger mehr riskieren - mit Aktien, die sonst keiner haben will. 

Einer, der diese Strategie seit Jahren verfolgt, ist der Investor Max Otte. Er setzt gezielt auf Unternehmen, die bei den Börsianern in Ungnade gefallen sind, oder die sogar kurz vor der Pleite stehen. Die Papiere sind oft schon für Centbeträge zu haben.  „Wenn Sie heute eine billige Aktie kaufen, dann ist das Risiko aus meiner Sicht überschaubar", sagt Otte.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Aber, Vorsicht! Wenn die Wette schiefgeht, droht der Totalverlust. Denn an der Börse gilt immer noch das Grundgesetz: Schluss ist erst bei null. Doch selbst das muss noch kein Drama sein – wenn man es geschickt anstellt  und starke Nerven hat. Angenommen ein Spekulant  verteilt Geld zu gleichen Anteilen auf fünf verschiedene Pennystocks. Selbst wenn er mit vier davon daneben liegt, kann er immer noch im Plus liegen – wenn eine seiner Aktien die Wende schafft und um das sechs- oder siebenfache zulegt.

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Die Krise in Europa spitzt sich zu. An der Börse spielen die Kurse verrückt. Handelsblatt Online sprach mit Dirk Müller und Max Otte über die Aussichten für Anleger, die Perspektiven des Euro und Verschwörungstheorien.

Ein Beispiel dafür ist Infineon. Der Chiphersteller war in der Finanzkrise fast pleite. Die Aktie stürzte bis auf 39 Cent ab, flog raus aus dem Dax. Analysten schrieben das Unternehmen ab. Doch das Management bekam gerade noch einmal die Kurve. Harte Sparmaßnahmen, der Verkauf von Firmenteilen und eine Kapitalerhöhung retteten das Überleben in letzter Minute. Für die Aktie ging es wieder steil nach oben, zeitweise über acht Euro - vom Tiefpunkt gerechnet entsprach das einem Plus von mehr als 2.000 Prozent.

Nicht wenige Anleger hoffen, dass Nokia eine ähnliche Geschichte schreiben kann. Der finnische Handyhersteller hatte den Einstieg ins Zeitalter der Smartphones verschlafen. Die Marktanteile des einstigen Weltmarktführers schmolzen dahin, noch dramatischer stürzte die Aktie ab. Vor fünf Jahren kostete sie noch fast 30 Euro, vor drei Jahren waren es knapp zehn Euro, in diesem Jahr fiel sie auf 1,33 Euro. Das Unternehmen war an der Börse nur noch wenige Milliarden wert, obwohl allein die Barreserven gut vier Milliarden Euro betrugen.

Inzwischen haben findige Anleger gemerkt, dass das Unternehmen möglicherweise doch gar nicht so schlecht dasteht. In den vergangenen Wochen ist die Aktie bereits auf 2,70 Euro geklettert. Nun hängt viel davon ab, ob Nokia mit seinen neuen Modellen und durch die Kooperation mit Microsoft wieder Fuß fassen kann.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

29.08.2012, 17:55 Uhr

Wenn NOKIA sich jetzt wieder auf ihr Basisgeschäft - Gummistiefel - konzentrieren würde, sehe ich durchaus Wachstumspotential.

MAria

29.08.2012, 20:56 Uhr

DIE BÖRSE GEHört ABGESCHAFFT

SIE IST DIE WURZEL ALLEN ÜBELS

........ stelle es Dir vor : eine Welt ohne ohne Börse....................denk weiter .............


was würde sich ändern .......?

Bendt

29.08.2012, 22:10 Uhr

Hallo,es gibt in den Pennystocklisten haufenweise 5-12 Jahre alte Firmen die mal auf ein oder mehr $ oder auf 1 oder mehr € lagen und nun gerade wieder sehr tief liegen.Das ist nichts neues.

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