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02.04.2013

10:34 Uhr

Turnaround-Aktien

Nicht nur für Zocker

VonJörg Hackhausen

Die Aktienmärkte haben eine lange Rally hinter sich. Wer jetzt noch günstig kaufen will, kann auf „hässliche“ Aktien setzen, die kaum einer haben will. Dabei sind die Aussichten auf Gewinne groß - aber auch die Gefahren.

DüsseldorfMan sagt Kleinanlegern nach, sie hätten ein besonderes Talent: Sie schaffen es, auf dem Höhepunkt zu kaufen und dem Tiefpunkt zu verkaufen. Das ist natürlich etwas gemein, aber ganz leugnen lässt es sich nicht. Erst wenn die Börsen schon ordentlich gelaufen sind, beginnt sich die Masse für Aktien zu interessieren. So ist es diesmal wieder.

Seitdem es der Dax kurzzeitig über 8.000 Punkte geschafft hat, scheinen Aktien in Deutschland wieder salonfähig zu werden. Experten raten zum Einstieg. Nur leider sind die Aktien, die jeder haben will, schon weit gelaufen. Wer meint, dass er einen Weltmarktführer mit starker Marke und tollen Produkten zum Schnäppchenpreis bekommt, ist spät dran, ungefähr zwei, drei Jahre zu spät. Wer jetzt günstig kaufen will, muss Mut zum Risiko beweisen – mit Aktien, die kaum einer haben will.

„Wir reiten weiter auf der Welle mit“, sagt Alan Lancz, Präsident des Anlageberaters Alan B. Lancz & Associates. „Aber wir nehmen Gewinne mit bei den Überfliegern, die sich wirklich gut entwickelt haben, und kaufen in Bereichen, die in diesem Jahr nachgegeben und neue Tiefstände erreicht haben“, sagt er. „Wir finden immer noch günstige Einstiegsgelegenheiten.“

Natürlich sollten Anleger nicht alles auf vermeintliche Schnäppchen setzen. Zu groß ist die Gefahr von Verlusten, schließlich gibt es Rendite nie ohne Risiko. Auch bringt es nichts, wahllos Aktien zu kaufen, die stark gefallen sind. Das wäre nichts als Zockerei.

Ottes Turnaround-Wetten

Value Investor

Max Otte, Wirtschaftsprofessor und Investor, ist immer auf der Suche nach unterbewerteten Aktien. Neben Qualitätswerten setzt er auch auf Firmen, die vom Markt abgestraft wurden. Otte hofft darauf, dass diese Unternehmen die Wende schaffen, was wiederum den Aktienkurs antreiben würde. Auf diese Turnaround-Kandidaten setzt Otte aktuell.

Stand: April 2013

Südeuropa

„Nach wie vor sind Südeuropa und Frankreich sehr billig. Standardtitel wurden massiv abgestraft. Energiekonzerne wie Total, Eni oder Enel haben ohne weiteres ein Potenzial von 50 Prozent. Dasselbe gilt für Versicherungen der Südländer wie Generali oder Axa.“

Telekom

„Telekom-Aktien wurden in den letzten Jahren insgesamt stark abgestraft. Das steigende Datenvolumen macht allerdings auch hier den Netzbetrieb, der eher als langweiliges Geschäft galt, zunehmend attraktiver. Interessant sind KPN, Telecom Italia oder France Telecom.“

Versorger

„Die deutschen Versorger Eon und RWE notieren bei je ungefähr einem Viertel ihres Höchststandes. Beide haben mit massiven Problemen zu kämpfen, aber beide betreiben ein legitimes Geschäft. Kursentwicklungen von 50 bis 80 Prozent sind allemal drin, können sich aber über einige Jahre hinziehen.“

Metro

„Die Metro kämpft mit Problemen. Das Kerngeschäft läuft aber weiter, den fairen Wert sehe ich 30 Prozent über dem aktuellen Niveau.“

Japan

„Japan hat aufgrund der sehr lockeren Geldpolitik der japanischen Notenbank  bereits eine rasante Kursentwicklung hinter sich. Im ganz langfristigen Vergleich ist der Nikkei aber immer noch massiv unterbewertet. Hier lohnt sich ein Indexpapier. Ich setze zudem auf den Small Cap Funai Electric, weil hier ein Net-Net-Investment nach Benjamin Graham vorliegt: der Marktwert des Unternehmens ist kleiner als der Kassenbestand abzüglich sämtlicher Verbindlichkeiten.“

Der Wirtschaftsprofessor und Investor Max Otte sucht für seinen PI Global Value Fonds gezielt „hässliche“ Aktien, also solche Papiere, für die sich kaum ein Anleger interessiert, oder die sogar kurz vor der Pleite stehen – in der Hoffnung, dass sie den Turnaround schaffen und dann umso stärker zulegen. „Diese Aktien werden immer billiger – und irgendwann werden sie zu einem Schnäppchen“, sagt Otte. Dass diese Strategie hochriskant ist, schreckt ihn nicht. „Nur die wenigsten Unternehmen gehen wirklich unter“, sagt er, schränkt allerdings ein, dass er sich nur mit etablierten Firmen befasst: „Ein Turnaround-Unternehmen sollte normalerweise schon 30 Jahre und mehr am Markt sein, bevor wir es uns anschauen.“

„Nach wie vor sind Südeuropa und Frankreich sehr billig. Standardtitel wurden massiv abgestraft. Energiekonzerne wie Total, Eni oder Enel haben ohne weiteres ein Potenzial von 50 Prozent“, sagt Otte. Den deutschen Versorgern Eon und RWE traut er sogar noch mehr zu. Allerdings könne es bei denen Jahre dauern, bis sie sich erholten. Die beiden Energieriesen hatten sich zu sehr auf Atomstrom verlassen. Als die Politik die Energiewende beschloss, hin zu mehr alternativen Energien, ging den Konzernen über Nacht das Geschäftsmodell verloren.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

02.04.2013, 12:03 Uhr

Den ganzen Börsenmüll den die Profis linksliegen gelassen haben, versuchen sie uns über die Medien schönzureden, und wir Kleinanleger fallen immer wieder drauf rein.

vandale

02.04.2013, 12:21 Uhr

Nawro...Viele der erwähnten Unternehmen wird es irgendwann nicht mehr geben, oder nur als Schatten ihrer selbst. Manche werden irgendwann wie ein Phoenix auferstehen.

Allerdings ist es sehr schwierig herauszufinden welche Aktien wann wieder auferstehen.

Die D Versorger leiden unter der Oekoreligion. Obwohl staatliche Körperschaften massgeblich beteiligt sind hat man diese um die Kernkraftwerke enteignet. "Eneuerbarer Strom" hat Vorrang, so dass auch die meisten fossilen Kraftwerke nicht ihr Vollkosten erwirtschaften. Das Risiko besteht darin, dass die Politik die Versorger schlachtet. Falls das Desaster der "Energiewende" beizeiten erkannt wird, können die Versorger wieder sehr profitabel werden. Die Abschätzung erfordert politischen Weitblick...

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Vandale

Account gelöscht!

02.04.2013, 13:21 Uhr

Die Ökoreligion hat wieder einen Sieg eingefahren.In "heute" hieß es gerade:Deutschland hat trotz der Abschaltung von 8 Atomkraftwerken im vergangenen Jahr 22,8 Terra Watt an Strom exportiert.Ein Wert von ca. 1,4 Milliarden €.Die Uhr wird sich wohl doch nicht mehr zurückdrehen lassen.Ein Strompreissenkung ist nur eine Frage weniger Jahre.

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