Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.04.2014

12:25 Uhr

Ukraine-Krise

Russland erhöht den Leitzins

Der Verfall des Rubel zwingt Russland zu harten Schritten: Die Zentralbank hob den Zins erneut an. Zuvor hatte die Ratingagentur S&P das Land herabgestuft. Die Ukraine-Krise trifft die russische Wirtschaft hart.

Unter Druck: Der russische Rubel. picture-alliance

Unter Druck: Der russische Rubel.

MoskauDie russische Notenbank hat den Leitzins überraschend erhöht. Der Schlüsselzins steigt um einen halben Prozentpunkt auf 7,5 Prozent, wie die Zentralbank am Freitag mitteilte. Die Notenbank begründete den Schritt mit hohen Inflationsrisiken und der Schwäche der Landeswährung Rubel. Mit der geldpolitischen Straffung soll es gelingen, die Inflationsrate bis Ende des Jahres auf sechs Prozent zu drücken. Es gebe daher keine Pläne, die Zinsen in den kommenden Monaten wieder zu senken, betonte die Zentralbank um Gouverneurin Elvira Nabiullina.

Zuvor hatte bereits die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft - um eine Stufe auf „BBB-“. Das ist nur eine Stufe über dem sogenannten „Ramschbereich“ (Non Investment Grade).

Der Ausblick für das Rating ist negativ, was weitere Abstufungen erwarten lässt. Auslöser könnten etwa schärfere Sanktionen des Westens sein, schreibt die Agentur.

Russland in Zahlen

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Gasreserven

2012: 32,9 Billionen Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Erdölreserve

2012: 87,2 Milliarden Barrel.

Ein Barrel sind 119 Liter.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Bruttoinlandsprodukt je Einwohner

Schätzungen zufolge liegt das BIP je Einwohner im Jahr 2014 bei 15.717 US-Dollar.

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Mitte März hatte die Agentur Russland mit einer Abstufung gedroht, als sie den Ausblick für das Rating auf negativ senkte. Den jetzigen Schritt begründen die Bonitätsprüfer vor allem mit dem krisenbedingt gewaltigen Kapitalabfluss aus Russland. In den ersten drei Monaten 2014 hätten Investoren insgesamt 51 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen. „Wir sehen das als Risiko für die Wachstumsaussichten Russlands.“

Die Kapitalabflüsse belasten den russischen Rubel, der gegen den Dollar in diesem Jahr fast zehn Prozent an Wert verloren hat. In den vergangenen Wochen musste Russland außerdem mehrfach Anleiheauktionen absagen, weil das Interesse der Käufer zu gering war.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.04.2014, 13:49 Uhr

Putin kann sich auch gelassen geben.
Der Mann hat null Ahnung von Wirtschaft und Ökonomie.
Dieser Mann und seine Kriegstreiber werden das Land finanziell ruinieren.
Öl und Gas werden dann wieder zur Schulden-Tilgung verbraucht.
Es ist schlimm zu sehen - wie ein so reiches Land vor den Karren eines " Mini-Stalin gespannt wird.
Ich hoffe, das Volk in Russland wird diesem Despoten Einhalt gebieten.

Account gelöscht!

25.04.2014, 14:17 Uhr

Putin wird sich dem Einfluß des Dollars entziehen. Zusammen mit China. Dann ist die Vorherrschaft des FED-Petrodollars beendet. Es ist ein Krieg - so oder so - vielleicht wird auch noch geschossen werden.
Aber: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Der USA wird das Lachen vergehen!

Account gelöscht!

25.04.2014, 14:32 Uhr

Das Ganze (Scheitern der Anleihenemission, Ratingabstufung, Anlegerflucht aus Rußland aufgrund von Kriegsangst und daraus folgend jetzt die Zinserhöhung) geschieht vor dem Hintergrund eines gerade ablaufenden Finanzkrieges um den Dollar.

Die Ukrainekrise ist dabei nur ein Baustein im Finanzkrieg der US-Finanzelite gegen den Rest der Welt (nicht nur China - den Krieg gegen den Euro haben wir ja schon ausgiebig genossen). Es geht für diese um ihr Überleben!

Rußland und China sind gerade dabei, den Dollar als Welttransferwährung anzugreifen, indem sie künftige wechselseitigen Handel miteinander und mit Drittstaaten in Nichtdollar-Währung abwickeln. Das ist, wie verschiedene Regierungen angefangen mit Saddam Hussein mittlerweile erfahren haben, absolut tödlich.

Rußland und China sind aber andere Kaliber und sie haben in vielen Entwicklungsländern (und nicht nur dort) mittlerweile Bündnispartner gefunden. Die Frage (besonders für uns Europäer, die wir zwischen allen Stühlen und im Kreuzfeuer der Kontrahenten sitzen) ist daher, ob die Herren des Dollars (und damit meine ich nicht unbedingt die US-Regierung) bis zum Letzten gehen werden oder nicht.

Eine andere Möglichkeit des Angriffs auf Rußland durch die anglo-amerikanischen Geld- und Ölbarone wäre übrigens (im Einvernehmen mit der Marionetten Saudiarabien) den Ölpreis abstürzen zu lassen. Leider haben sich die US-Kriegstreiber diese elegante Möglichkeit insofern erschwert, als sie damit gleichzeitig ihre Frackingblase abwürgen würden und damit ihre Aufschwungstory / Energieunabhängigkeitsstory untergraben würden. Dabei freuen wir uns doch schon sooooo auf die versprochenen Gaslieferungen aus den USA.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×