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23.06.2014

12:45 Uhr

Umfrage HSBC

Notenbanken investieren stärker in Aktien

Rund 12 Billionen Dollar Reserven lagern bei den Notenbanken weltweit. Doch wohin mit dem Geld in Zeiten, in denen klassische Anleihen kaum mehr Rendite bringen? Umfragen zeigen: Eine Anlageklasse ist besonders populär.

Auch europäische Zentralbanken legen nach Angaben eines Reports des Londoner Think Tanks OMFIF mehr Geld in Aktien an. dpa

Auch europäische Zentralbanken legen nach Angaben eines Reports des Londoner Think Tanks OMFIF mehr Geld in Aktien an.

LondonNotenbanken kaufen mehr und mehr Aktien. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt gleich zwei unterschiedliche Studien, die eine beauftragt von der Großbank HSBC, die andere durchgeführt vom Londoner Think Tank OMFIF (Official Monetary and Financial Institutions Forum) und unterstützt von der DZ Bank sowie dem Schweizer Vermögensverwalter Quantum Global Group.

Bei der Umfrage im Auftrag der HSBC gaben mehr als ein Drittel aller befragten Notenbanken an, in Aktien anzulegen oder dies zu planen. Ähnlich viele gehen derzeit in ETFs oder wollen dies noch tun. 19 Zentralbanken gaben zu Protokoll, bereits Aktien zu besitzen oder dies innerhalb von fünf Jahren zu planen, nachdem es im Vorjahr nur 14 gewesen waren. Lediglich elf schlossen dies aus, da es ihnen entweder untersagt ist oder sie die Volatilität als zu hoch einschätzen.

„Angesichts des herausfordernden Umfeldes weltweit beleuchtet die Umfrage eine Reihe auffallender Trends wie die anhaltende Diversifikation von Anlagen und Währungen”, sagte Christian Deseglise, Leiter weltweit des Bereichs Zentralbanken und Reserven bei HSBC. Vor dem Hintergrund der weltweiten Reserven von fast 12 Billionen Dollar steigt der Druck, über den traditionellen Korb an Währungen hinaus zu investieren, um auf diese Weise eine verstärkte Diversifikation zu erzielen.

Fakten zum Dax

Fakt 1

Der Dax führt den Index der „Börsen-Zeitung“ fort. Basis der Indexberechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten. Die historische Zeitreihe reicht bis 1959 zurück.

Fakt 2

Dem Dax gehören die Aktien der 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse an.

Fakt 3

Der Dax wird als Performance-Index berechnet und unterscheidet sich so wesentlich vom Dow-Jones-Index für die US-Standardwerte, in dem die Aktien nicht gewichtet sind.

Fakt 4

Das Gewicht einer Aktie bemisst sich nach dem Anteil an der gesamten Kapitalisierung der im Index enthaltenen Werte.

Fakt 5

Wichtigstes Kriterium für die Dax-Aufnahme sind der Wert des Unternehmens an der Börse (Marktkapitalisierung) und der Börsenumsatz. Jeweils zu Monatsbeginn erstellt die Börse eine Rangliste für Börsenumsatz und Marktkapitalisierung. Diese dient auch dem Arbeitskreis Aktienindizes als Entscheidungsgrundlage bei der Überprüfung des Index. Daneben werden unter anderem auch der Streubesitz oder die Sektorenzugehörigkeit berücksichtigt.

Fakt 6

Bei Dividenden- oder Bonuszahlungen wird die Indexberechnung um den Betrag der Barausschüttung korrigiert. Ähnliches gilt bei Kapitalmaßnahmen.

Fakt 7

Zur Dax-Familie zählen für die Nebenwerte der MDax und für die Kleinwerte der SDax, denen je 50 Werte angehören. Zudem gibt es den TecDax mit 30 Technologieaktien.

Fakt 8

Die Zusammensetzung des Dax wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt vier Mal im Jahr: im März, Juni, September, Dezember. Dabei überprüft er vor allem die Zusammensetzung der übrigen Indizes.

Fakt 9

Der Dax wird auf Basis der Xetra-Kurse von 9.00 bis 17.30 Uhr sekündlich berechnet. Danach gibt es einen L-Dax, der die Kursentwicklung an der bis 20.00 Uhr offenen Parkettbörse abbildet.

In ihrem Bericht zu den weltweiten Investitionen öffentlicher Institutionen (Global Public Investor Bericht), der die Anlagen von 157 Zentralbanken, 156 Pensionsfonds und 87 Staatsfonds genauer betrachtet, gelangt der Think Tank OMFIF zu ähnlichen Erkenntnissen: „Notenbanken auf der ganzen Welt, inklusive der europäischen Notenbanken, kaufen mehr und mehr Aktien als Teil einer Diversifikationsstrategie“, heißt es da. Die Zentralbanken seien damit zur treibenden Kraft an den internationalen Kapitalmärkten geworden.

Dabei ist das Interesse an Aktien nicht Ausdruck einer erhöhten Risikobereitschaft. Im Gegenteil: Aus der Umfrage geht hervor, dass die Verantwortlichen der Notenbanken die meisten Anlageklassen kurzfristig mit wachsender Skepsis betrachten, da sie einem Ende der Stimuli durch die US-Notenbank entgegen sehen. 60 Prozent der befragten Notenbanken in der Umfrage der HSBC rechnen mit Auswirkungen der Verringerung der US-Anleihekäufe auf die Verwaltung ihrer Reserven.

Dabei werden Verluste bei Anleihen durch steigende Renditen bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer als größte Gefahr in diesem Jahr angesehen. Mit der Bestnote „AAA” eingestufte Staatsanleihen gelten denn auch als weniger attraktiv als noch vor einem Jahr. Ähnlich zurückhaltend sehen 77 Prozent die Situation bei Rohstoffen und 56 Prozent die Lage bei Aktien an.

79 Prozent schätzen unterdessen den US-Dollar als aussichtsreicher als ein Jahr zuvor ein. Die Mehrheit ist zudem zuversichtlich gestimmt, was kanadischen und australischen Dollar, Yuan und Won angeht. Dagegen betrachten 62 Prozent den Euro nun als weniger aussichtsreich und über 80 Prozent hegen Zweifel an Schweizer Franken und Yen. Als aussichtsreich schätzen die Notenbanken auch die Schwellenländer ein. Weniger als ein Viertel will dort aber die Investitionen erhöhen.


Kommentare (4)

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Account gelöscht!

23.06.2014, 14:52 Uhr

Wie Ernst müssen wir Anleger eine derartige Meldung nehmen?

Die Zinsen werden von der EZB und anderen Notenbanken einfach festgesetzt. Am Devisenmarkt intervenieren sie. Bestimmen Devisenkurse wie die wollen. Schalten die Marktkräfte aus. Bei Verlusten belasten sie die Bürger.

Verhalten sich Geschäftsbanken gleichermaßen, werden sie mit Strafen in Mrd. € belegt. Ihren Händlern drohen langjährige Haftstrafen.

Was dürfen wir also von Notenbanken erwarten, wenn sie sich auch im Aktienmarkt betätigen?

Ich beantworte die Frage: Nichts Gutes!

Account gelöscht!

23.06.2014, 15:11 Uhr

@Mazi

Warum so besorgt? Die Notenbanken haben bereits die Bondinvestoren beglückt, indem sie deren Kurse in den Himmel getrieben haben (und dort oben halten).

Jetzt sind wir Aktieninvestoren an der Reihe. Freu Dich, Mazi, und for allem: KAUFEN - KAUFEN - KAUFEN!!! Wer die Bondrally verpasst hat, kommt mit Aktien jetzt auf seine Kosten.

Die offizielle Parole lautet: Die Notenbanken müssen (jetzt plötzlich) diversifizieren.

Papperlapap. Die Wahrheit ist, dass die Notenbanken die Geldschwemme nicht mehr über die Bondmärkte unters Volk drücken können. Nach Zinsnull kommt ja nun einmal Anschlag.

Die Aktien dagegen: Nicht einmal die Exosphäre ist die Grenze. Aktienkurse können viel höher steigen als Bondkurse, weil Bondkurse ja leider nicht mehr steigen dürfen, als die zugehörigen Zinsen fallen können.

Jeder jammert ständig wegen der Geldschwemme.

Macht doch euren Reibach stattdessen! Wen stört schon die Geldschwemme, so lange sie auf dem eigenen Konto stattfindet??

Ihr sorgt Euch ständig wegen der finanziellen Stabilität. Das ist Käse von gestern. Die Finanzstabilität kommt so oder so nicht mehr zurück.

Seit 25 Jahren wird ausschliesslich von jenen Kasse gemacht, die das Mantra unseres Zeitalters begriffen haben: NACH MIR DIE SINTFLUT!!

Wer nicht mitmacht, bleibt halt aussen vor. Und sitzt noch mit seinem Sparbuch auf dem Trockenen, wenn die Realzinsen bei minus 15% liegen und die Erderwärmung den Harz zur Nordseeinsel gemacht hat.

Denkt angelsächsich anstatt deutsch, dann findet sich der Rest von ganz alleine.



Account gelöscht!

24.06.2014, 14:59 Uhr

"Warum so besorgt? Die Notenbanken haben bereits die Bondinvestoren beglückt, indem sie deren Kurse in den Himmel getrieben haben (und dort oben halten). "

Das habe ich ja verstanden. Aber weshalb hat man diese so entstandenen Bewertungsgewinne den Investoren, wenn diese Lebensversicherungsnehmer waren, denn wieder per Gesetz weggenommen und den Vorständen der Versicherungen zur weiteren Boniverteilung übertragen?

Können Sie mir dies auch erklären?

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