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11.05.2015

12:02 Uhr

Umfrage unter Bankern

Finanzprofis verlangen mehr Geld

Lokführer, Piloten, Erzieher – und jetzt auch die Banker: Eine Umfrage zeigt, dass sich Finanzexperten für unterbezahlt halten. Kreditinstitute zahlen immer geringere Gehälter – aus einem ganz einfachen Grund.

Viele fühlen sich deutlich unterbezahlt. ap

Banker und Händler an der Wall Street:

Viele fühlen sich deutlich unterbezahlt.

New YorkDer einfache Mann auf der Straße wird wohl kaum sagen, dass die Bezahlung der Banker der Wall Street überraschend gering ist. Aber genau das behaupten die Finanzprofis. Auf die Frage, ob sie mehr oder weniger verdienen, als sie zu Beginn ihrer Karriere erwartet hatten, sagten 48 Prozent der Befragten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg: Die Vergütung ist geringer oder sehr viel geringer als erhofft. Lediglich 14 Prozent gaben an, dass die Bezahlung ihre Erwartungen übertroffen habe. Ein Drittel erklärte, der Verdienst sei in etwa so wie erwartet.

Und das ist nicht ihre einzige Sorge. Die Umfrage unter Händlern, Analysten, Fondsmanagern und Top-Managern zeigt die Befürchtungen vieler, dass der Finanzsektor weiter schrumpfen wird. Denn strengere Vorschriften würden auf die Gewinne drücken. Auch haben viele Umfrageteilnehmer wenig Vertrauen, dass die Aufseher den nächsten Finanzkollaps vermeiden können. Die Banken seien immer noch zu groß, als dass sie gebremst werden könnten.

Die größten Banken stehen nach den Rettungsaktionen in den Jahren 2008 und 2009 unter dem Druck, ihre Kosten zu senken. Denn neue Vorschriften zwingen sie, weniger Fremdkapital zu nutzen, weniger Risiken einzugehen und aus einigen Geschäftsaktivitäten auszusteigen. Das bedeutet, dass die Vergütung gekürzt werden muss - ein Thema, das die Führungskräfte jedes Quartal diskutieren. Bei Telefonkonferenzen zu den Quartalszahlen rühmten sich unter anderem der Vorstandsvorsitzende von Morgan Stanley, James Gorman, und die Finanzchefin von JPMorgan Chase, Marianne Lake, sie hätten die Mitarbeitervergütung gemessen am Anteil der Erträge gesenkt.

Der Trend ist eindeutig. Goldman Sachs hatte für die Vergütung im vergangenen Jahr 12,7 Milliarden Dollar oder 36,8 Prozent der Erträge zurückgelegt. Seit dem Börsengang der Bank im Jahr 1999 war die Quote nur einmal niedriger: 2009 mit 36 Prozent. Die durchschnittlichen Zahlen für 2014 liegen bei 373.265 Dollar pro Mitarbeiter, verglichen mit 504.750 Dollar 2007.

„Sie verdienen immer noch anständiges Geld, aber das ist nichts im Vergleich zu 2007”, sagt Jeanne Branthover, Leiterin des Bereichs Finanzdienstleister bei der Personalberatung Boyden Global Executive Search. „Es ist schwieriger, einen großen Bonus zu bekommen, weil mehr Faktoren ins Spiel kommen, unter anderem, wie gut die gesamte Firma abschneidet.” Die Vergütung von Bankern auf der Buy- Side seien hingegen gut, berichtet Branthover. „Bereiche wie die Vermögensverwaltung haben während der Krise nicht stark gelitten, sondern machen sich gut”, sagt sie.

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