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13.01.2007

10:00 Uhr

Umstellung auf IFRS

Neue Bilanzregeln verwirren Anleger

VonRalf Drescher

Deutsche Aktien sind nicht so günstig, wie es in den Kommentaren und Ausblicken vieler Banken erscheint. Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum und der Bank Sal. Oppenheim ist ein bedeutender Teil der Ergebnissteigerungen der Unternehmen in den vergangenen Jahren auf die Umstellung der Rechnungslegung auf den internationalen Standard IFRS zurückzuführen.

Grafik: Gewinne steigen schneller als Cash-Flows. Zur Vollansicht bitte anklicken.

Grafik: Gewinne steigen schneller als Cash-Flows. Zur Vollansicht bitte anklicken.

In den geläufigen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kommt das allerdings nicht zum Ausdruck. „Die niedrige KGV-Bewertung ist stark verzerrt und durch Bilanzierungsänderungen optisch unterzeichnet“, sagt Bernhard Pellens, Leiter des Lehrstuhls für internationale Rechnungslegung an der Universität Bochum. Er empfiehlt Anlegern daher eine stärkere Orientierung am Cash-Flow, also dem Kassenüberschuss eines Unternehmens.

Die Bilanzierungsregeln nach dem International Financial Reporting Standard (IFRS) gelten seit Anfang 2005 für alle kapitalmarktorientierte Unternehmen in der Europäischen Union. Eine bessere Vergleichbarkeit der Ergebnisse hat die Umstellung bisher allerdings nicht gebracht. Grund sind die vielfältigen Wahlrechte, die Unternehmen bei der Behandlung von Sachanlagevermögen, Goodwill-Abschreibungen oder Pensionslasten haben. „Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausübung dieser Wahlrechte ist ein Vergleich von Konzernabschlüssen nur begrenzt möglich“, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte für den Versicherungssektor.

Ein Ergebnis, das sich auf andere Branchen übertragen lässt: „Die Firmen haben die einmalige Chance, ihre Geschichte neu zu schreiben“, sagt Pellens. Je nach Bedarf könnten sie das Vermögen auf- oder abwerten und so gezielt auf die Ergebnisse Einfluss nehmen. Vor allem in Aufschwungphasen steigen die Gewinnausweise daher deutlich an. Auf zehn bis 15 Prozent schätzt Wolfgang Sawazki, Leiter des Researchs bei Sal. Oppenheim, den aktuellen Anteil von Bilanzierungseffekten an den Gewinnsteigerungen deutscher Unternehmen. Andererseits erwarten die Experten in Abschwungphasen auch deutlichere Rückgänge.

Insgesamt dürften die Ergebnisse also deutlich stärker schwanken – mit unmittelbaren Folgen für den Aktienmarkt. Empirische Untersuchungen zeigen, dass sich die Kurse stark nach den mitgeteilten Gewinnen richten. „Dadurch fällt die Kursentwicklung im aktuellen Zyklus dynamischer und länger aus, allerdings steigt auch das Rückschlagpotenzial im nächsten Abschwung“, erklärt Sawazki.

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