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22.03.2012

15:41 Uhr

Ungedeckte Pensionen

Milliardenverpflichtungen lasten auf Dax-Konzernen

Ungedeckte Pensionsverpflichtungen lasten auf den Dax-Konzernen. Um die Lücke zu stopfen, setzen die Manager der Pensionskassen vermehrt auf Anleihen. Doch die Strategie könnte in den nächsten Jahren nicht mehr aufgehen.

Ein Blick auf das Dax-Logo. Für Aktienanleger sind die Pensionslasten der Dax-30 ein wichtiges Anlagekriterium. Reuters

Ein Blick auf das Dax-Logo. Für Aktienanleger sind die Pensionslasten der Dax-30 ein wichtiges Anlagekriterium.

Die Dax-Konzerne haben dreistellige Milliardenverpflichtungen gegenüber ihren Arbeitnehmern. Im Jahr 2011 sind die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen um drei Prozent auf 258 Milliarden Euro gestiegen. Davon sind noch bei weitem nicht alle Verpflichtungen durch das Kapital in den Pensionskassen gedeckt. Der Durchschnitt bei den Dax-Firmen liegt bei 65 Prozent – damit hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Insgesamt ist die Deckungsquote im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent gesunken.

Die ungedeckten 35 Prozent der Verpflichtungen müssen aus dem freien Kapital gezahlt werden. Dieses schwankt jedoch je nach Firmenstrategie zwischen fünf und 90 Prozent. Brenzlig wird es, wenn „ein Großteil des operativen Cash Flows für Rentenzahlungen“ aufgewendet werden muss, sagt Herwig Kinzler, Leiter Investment Consulting der Unternehmensberatung Mercer.

Die Pensionsverpflichtungen, und die Frage wie viele davon gedeckt sind, sind nicht nur für Arbeitnehmer der Dax-30, sondern auch für Anleger interessant. Anleger behalten die Pensionsverpflichtungen im Auge um abschätzen zu können, wann große Zahlungen auf den Konzern zukommen, die den Aktienkurs belasten könnten.

Wie viel Geld Dax-Konzerne in Betriebsrenten stecken

Thyssen-Krupp

Börsenwert: 8.919 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 7.708 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 86,4

Quelle: Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen, jeweils zuletzt verfügbarer Jahresabschluss, Bloomberg, Flossbach von Storch Research; Stand: Dezember 2012

Deutsche Lufthansa

Börsenwert: 6.143 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 2.165 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 35,2

Deutsche Post

Börsenwert: 19.864 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 4.445 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 22,4

Volkswagen

Börsenwert: 75.945 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 16.787 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 22,1

RWE

Börsenwert: 19.499 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 3.846 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 19,7

Siemens

Börsenwert: 72.154 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 9.926 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 13,8

Bayer

Börsenwert: 59.648 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 7.870 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 13,2

Lanxess

Börsenwert: 5.691 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 679 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 11,9

Deutsche Telekom

Börsenwert: 36.511 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 6.095 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 11,4

HeidelbergCement

Börsenwert: 8.048 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 833 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 10,3

Continental

Börsenwert: 17.075 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.432 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 8,4

Allianz

Börsenwert: 46.963 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 3.754 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 8,0

Daimler

Börsenwert: 41.933 Mio. EUR
Pensionskassendefizit: 3.184 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 7,6

Muenchener Rueck

Börsenwert: 23.996 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.691 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 7,0

Deutsche Bank

Börsenwert: 31.817 Mio. EUR
Pensionsrückstellung: 1.716 Mio. EUR
% vom Börsenwert: 5,4

Für den Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach sind die Pensionen der Dax-Konzerne ein entscheidendes Anlagekriterium. Bei der Bewertung einer Aktie behandelt er ungedeckte Pensionsverbindlichkeiten wie Finanzschulden. „Pensionskassenlöcher, die wie im Falle Thyssen-Krupp, Lufthansa oder Alcoa die Hälfte des Börsenwerts ausmachen, sind ein K.o.-Kriterium“, sagt Flossbach. Das könnte ein Grund dafür sein, warum Thyssen-Krupp und Lufthansa in den vergangenen Jahren zu den schwächsten Aktien im Dax zählten. Die Aktien des Stahlherstellers verloren 40 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, die der Fluglinie mehr als 50 Prozent.

Das Geld in den Pensionskassen wird allerdings nicht einfach inflationär gehortet, sondern in den meisten Fällen aktiv gemanagt. Um die Renten der Angestellten vor der Inflation zu retten, sollen die Pensionskassenmanager möglichst hohe Renditen erzielen. 2011 haben die Manager dies gerade noch geschafft und eine Rendite von drei Prozent erreicht. 2011 lag die Inflationsrate allerdings bei 2,3 Prozent. Dabei setzten die Verwalter vermehrt auf Anleihen.

Kommentare (7)

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Reichensteuer

22.03.2012, 16:05 Uhr

Der gröte Teil der Pensionsverpflichtungen in den Unternehmen entfällt auf ehemalige Vorstände und leitende Mitarbeiter; da werden Pensionen gezahlt, die ein normal sterblicher während seines aktiven Erwerbslebens nie erreichen kann ? Wofür? Wie wird der Unternehmenserfog gemessen, de solche Pensionen rechtfertigen kann? und mit welcher Begründung beziehen die Verwalter der herrenlosen Vermögensmassen während ihrer Ruhephase Bezüge, die das Einkommen der Bundekanzlerin während ihrer Aktivphase um ein Vielfaches übertreffen ? Mein Plädoyer: alle betrieblichen Pensionszusagen die 5000 Euro monatlich überschreiten zu 100 % wegbestuern und den Unternehmen 1:1 zurükgeben. Begründung: Wer sein leben lang gut verdient hat, kann selbst vorsorgen und muss im Alter nicht mehr auf Kosten der Jüngeren gepampert werden. Was könnten das für ein Konjunkturprogramm und für eine Entlastung der Unternehmensbilanzen sein.

josefhirsepp

22.03.2012, 17:19 Uhr

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt!
Nicht selten hat man festgestellt, nach so manchem Manager-Jahr, dass dies der einz’ge Lichtblick war! *
*) Frei nach Eugen Roth.
Die sich selber so darstellenden GROSSEN – KAPAZITAETEN, erzeugen weitaus mehr Blindleistung als angenommen, waehrend ihres DAMAGER-DASEINS, und wollen dann auch noch im Nachgang fuer diese unsaeglichen Taten grossartig entlohnt werden. Das ist hueben, wie drueben bei der Beamten- & Politikerschaft das gleiche traurige scenario! Ein nicht mehr gut zu machendes Vergehen an der Volkswirtschaft, den Staats- und Firmenfinanzen!

Aktienrummel-umverpackt

22.03.2012, 17:49 Uhr

Da spendiert die EZB 1 Billionen Euro zum lachhaften Sub-Inflations-Leihsatz von 1% an die Spielbanken - und dem Dax geht trotzdem die Puste aus.
Da ist es Zeit für die Jahrmarktsschreier, in höchsten Tönen von der angeblichen Alternativlosigkeit von Aktienkäufen zu schwadronieren.
Diese Botschaft wird durchaus verschieden verpackt, allerdings würde ich dies nicht Journalismus nennen, sondern es dem ANZEIGEN-Bereich zuordnen, was Flossbach hier zum Besten gibt.

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