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14.01.2009

14:04 Uhr

Untergangspropheten

Biancheri: „Die soziale Stabilität ist gefährdet“

VonIngo Narat

Frank Biancheri ist Gründer des europäischen Think Tanks Leap/E2020 in Cannes. Er glaubt, dass Aktien ein Jahrzehnt brauchen könnten, bis sie wieder das Kursniveau von 2007 erreichen.

Frank Biancheri, Gründer des Think Tanks Leap, E2020 Pressebild

Frank Biancheri, Gründer des Think Tanks Leap, E2020

Wohin steuert die Wirtschaft?

Eine sehr lange Rezession oder gar Depression hat kaum jemand auf dem Radarschirm. Die USA und ihr sehr verbundene Länder wie Kanada, Mexiko oder Großbritannien werden am stärksten unter der Krise leiden, möglicherweise ein Jahrzehnt. Die Wirtschaftsleistung wird in den kommenden drei bis fünf Jahren um 30 Prozent stürzen. Die Euro-Zone trifft es mit einer zwei- bis dreijährigen Rezession weniger heftig. Am besten schneidet Asien mit China und Japan ab. Diese Länder werden sich relativ schnell erholen.

Was passiert an den Kapitalmärkten?

Wenn die Zahlungsfähigkeit der USA auf die Agenda kommt, drehen die Kurse der Staatsanleihen brutal nach unten. Die Gläubiger, also Besitzer von US-Staatsanleihen und Aktien, werden ihre Vermögenswerte um jeden Preis abstoßen wollen, um sich in andere Währungen oder Rohstoffe wie Gold zu retten. Aktien könnten ein Jahrzehnt brauchen, um wieder ihre Top-Stände von 2007 zu erreichen - wenn das überhaupt gelingen sollte. Mein Rat: so viel Cash wie möglich halten, aber nicht in Dollar oder Pfund, sondern in Euro und Yen.

Wie geht es gesellschaftlich und geopolitisch weiter?

Die soziale Stabilität in vielen Ländern ist gefährdet. Das Wirtschaftswachstum kann seine Aufgabe der sozialen Sicherung nicht mehr erfüllen. Die Zahl der Amerikaner ohne Absicherung sehe ich in den nächsten Jahren auf 100 Millionen steigen - rechnet man die Familien der Arbeitslosen ein. In China werden Aufstände an der Tagesordnung sein. Außerdem drohen die kapitalfinanzierten Rentensysteme zusammenzubrechen. Den Regierungen wird keine Wahl bleiben, als die Pensionsfonds zu verstaatlichen. Argentinien hat es vorgemacht.

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