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02.06.2011

11:59 Uhr

Unwissende Deutsche

Keine Ahnung von Zinsen und Prozenten

Mit nur wenigen Dingen beschäftigen sich die Deutschen so ungern wie mit der Geldanlage. Dabei ließe sich mit mehr Vorwissen mehr Rendite erzielen.

Viele Deutsche hassen den Umgang mit Zahlen - und beschäftigen sich nur ungern mit der finanziellen Lebensplanung. Quelle: dpa

Viele Deutsche hassen den Umgang mit Zahlen - und beschäftigen sich nur ungern mit der finanziellen Lebensplanung.

FrankfurtEs geht in beiden Fällen um viel Geld, und trotzdem gehen sie die meisten Deutschen völlig unterschiedlich an: Interessieren sie sich für ein neues Auto, dann wälzen sie wochen- oder gar monatelang Prospekte, machen Probefahrten und Sonntagsausflüge zu Autohäusern. Geht es um Themen wie Altersvorsorge oder die Anlage einer fünfstelligen Summe, dann wird dies häufig als lästige Pflichtaufgabe betrachtet, die möglichst schnell erledigt werden soll. „Natürlich machen die Prospekte von Autos tendenziell mehr Spaß als die von Fonds und Zertifikaten“, sagt Dominik Georgi, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management.

Schon seit längerem beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Frage, warum die breite Masse der Bevölkerung den Umgang mit Finanzprodukten als mühsam und zäh, oft gar als unverständlich empfindet. Das liegt zum einen an der Finanzindustrie mit ihren komplizierten Produkten und einer Sprache, die selbst Menschen vom Fach überfordert. „Es gibt Produkte, die ich nicht verstehe, dabei bin ich lange dabei“, sagt beispielsweise Günter Birnbaum, Abteilungsleiter bei der Finanzaufsicht Bafin.

Es sind aber auch die Kunden selbst mit ihrer geringen Finanzbildung. „Financial Literacy“ ist der Begriff, mit dem die Wissenschaft die Bildung der Bevölkerung in Finanzdingen bezeichnet. Die wird anders als in Ländern wie den USA, Großbritannien, Japan und Australien hierzulande von staatlicher Seite noch immer eher stiefmütterlich behandelt.

Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim und seit Jahren einer der führenden Verfechter für mehr finanzielle Allgemeinbildung, macht das mangelnde Wissen am Beispiel eines gewöhnlichen Fonds fest. Wer ein solches Produkt kauft, der hat einmalige Kosten beim Kauf und laufende Kosten für die Verwaltung. „Die Leute schauen aber nur auf die einmaligen Ausgabeaufschläge und vergessen die laufende Managementgebühr“, sagt er. Ähnlich ist es mit der Angabe der direkten Kosten („absolut“) und deren indirekter Angabe in Prozent („relativ“). „Die Leute brauchen absolute Zahlen, mit relativen können sie nicht umgehen“, sagt Weber.

Dabei ließe sich mit einer entsprechenden Grundausbildung in Finanzdingen durchaus eine lukrative Rendite bei geringeren Kosten erzielen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Andreas Hackethal und Michael Haliassos, beide Professoren an der Frankfurter Goethe-Universität, herausgefunden, dass sich die Depots von Anlegern, die sich bei ihrer Bank beraten ließen, nicht besser entwickelten als die von Anlegern, die sich nicht beraten ließen. Stattdessen haben sich diese Investoren auf ihr eigenes Wissen verlassen. Der relativ einfache Grund für das Ergebnis: Durch falsche Anreize steht bei Beratern nicht der Kundennutzen an oberster Stelle. Stattdessen ist es für sie attraktiver, durch den Verkauf von Produkten an den damit verbundenen Provisionen zu verdienen.

Kommentare (10)

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Zinsknechte

02.06.2011, 12:30 Uhr

Liebes HB, man sollte auch mal erwähnen, wer die Zinsen erwirtschaften muss!
Der eine wird durch Kapitaleinsatz durch Zins- und Zinseszins immer reicher, während der Kapitallose durch mögliche Verschuldung und drückende Zinslast immer mehr verarmt und am Ende mittellos dasteht.

Also bitte auch mal die andere Seite der Zinsabschöpfungen darstellen.
Reden wir auch über die Exponentialfunktion unseres Schuldgeldsystems und den Josefspfennig und was das für die Mehrheit der kapitallosen Menschen auf Dauer bedeutet.

Petra

02.06.2011, 12:33 Uhr

Unsere Banken- und Versicherungslobby ist doch daran interessiert, daß sich das gemeine Volk nicht auskennt und sich Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge, Sparbücher und weiteren Mist verkaufen läßt!
Hätten wir in unseren Schulen das Fach "Finanzmathematik" würden diese Produkte verschwinden und die Provisionseinnahmen der Banken und Versicherungen würden deutlich (!) zurückgehen.
Die Kunden werden bewußt dumm gehalten. Aktuelles Beispiel: ETF's auf den Deutschen Aktienindex, die über komplizierte Finanzinstrumente (SWAPS) japanische Aktien enthalten!

azaziel

02.06.2011, 12:35 Uhr

Viel tragischer ist, dass wir einen Finanzminister und eine Kanzlerin haben, die Zinsen und Prozente nicht verstehen.

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