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04.09.2015

16:47 Uhr

US-Arbeitsmarktbericht

Noch mehr Zahlen, noch mehr Verwirrung

Die jüngsten Daten zum US-Arbeitsmarkt senden ein gemischtes Signal an die Fed. Die Börsianer sind auch nicht erleichtert, im Gegenteil. Die Märkte rutschen weiter ins Minus.

Tut sie es oder tut sie es nicht? Der jüngste Arbeitsmarktbericht stimmt Börsianer im Hinblick auf die US-Leitzinswende eher düster. dpa

Fed

Tut sie es oder tut sie es nicht? Der jüngste Arbeitsmarktbericht stimmt Börsianer im Hinblick auf die US-Leitzinswende eher düster.

WashingtonWer gehofft hat, dass die Arbeitsmarktdaten für August ein Signal für oder gegen eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) Mitte dieses Monats geben würden, hat sich getäuscht. Im August wurden laut Statistik nur 173.000 neue Stellen geschaffen. Die meisten hatten Experten hatten wenigstens 200.000 erhofft. Zugleich ist aber die Arbeitslosigkeit auf 5,1 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit April 2008. Außerdem ist er etwas niedriger, als zuvor erwartet war

Hinzu kommt: Zugleich mit den neuen Daten wurden die revidierten Werte von Juni und Juli bekanntgegeben. Und diese sind beide um rund 10.000 auf nunmehr jeweils 245.000 neue Stellen angehoben worden.

Die Fed kann sich jetzt aussuchen, auf welche Zahlen sie schauen möchte, um eine Zinsanhebung im September, oder – was wohl etwas wahrscheinlicher ist – eine weitere Verschiebung zu begründen. Sie richtet sich nach eigener Darstellung in ihrer Politik streng nach Daten. Aber die werden ständig revidiert, so wurde etwa das Wachstum des zweiten Quartals letzte Woche deutlich auf annualisiert 3,7 Prozent nach oben korrigiert.

 

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Die Ökonomen sehen nach ersten Reaktionen in dem relativ schwachen Wert für den August kein großes Problem für die Fed. Die Experten der US-Bank BBH glauben, dass die Märkte die Zahl nicht so ernst nehmen, weil der August häufig einen enttäuschenden Wert bringe. Sie verweisen darauf dass 5,1 Prozent Arbeitslosigkeit laut Definition der Fed Vollbeschäftigung ist.

Nariman Behravesh von der Beratungsfirma IHS glaubt, dass die Fed rein von den Daten her im September die Zinsen erhöhen könnte, dass sie aber wegen der Marktturbulenzen möglicherweise doch davor zurückschreckt. Die Experten der NordLB sehen den jüngsten Bericht zum Arbeitsmarkt trotz der gemischten Signale darin als weiteren „Schritt in Richtung baldiger Zinsanhebung“.

 

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Es gibt auf dem Parkett kaum ein anderes Thema. Wann erhöht die US-Notenbank die Zinsen? Und um wieviel Prozent? Kommt es zu Turbulenzen an den Märkten? Alles hängt von den heutigen Arbeitsmarktzahlen ab.

Am US-Arbeitsmarkt sind im August weit weniger Jobs entstanden als erwartet. Die Zahl der neuen Stellen stieg um lediglich 173.000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten mit bis zu 220.000 neuen Jobs gerechnet. Doch wer glaubt, dass Anleger angesichts der schlechten Zahlen erleichtert aufatmen, irrt. Zwar werden sie als ein wichtiger Hinweis auf den Zeitpunkt für die US-Leitzinswende gehandelt. Und anders als etwa die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich die US-Notenbank Fed nicht bloß der Geld- sondern auch der Stabilität am Arbeitsmarkt verpflichtet.

Doch der Mangel an neuen Jobs trübt das Bild einer sich erholenden US-Wirtschaft nur minimal. Die getrennt von den neuen Jobs ermittelte Arbeitslosenquote fiel auf 5,1 Prozent – das ist der niedrigste Stand sei fast siebeneinhalb Jahren. Die US-Notenbank (Fed) will vor der ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren Fortschritte am Jobmarkt sehen. Zuletzt hatten die Börsen-Turbulenzen in China allerdings Zweifel an einer Zinswende noch in diesem Monat geschürt. Am 17. September wir die Fed über den Leitzinssatz in den USA entscheiden. Fed-Chefin Janet Yellen hat vor einigen Monaten angekündigt, die Zinsen noch in diesem Jahr anheben zu wollen.

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