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04.12.2015

17:01 Uhr

US-Arbeitsmarktdaten und Fed

Eindeutiges Signal für die Zinserhöhung

VonFrank Wiebe

Die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt sehen genau so aus, wie die Notenbank sie haben will. Vieles spricht dafür, dass Fed-Chefin Janet Yellen Mitte Dezember die Zinsen erhöht. Doch wie geht es danach weiter?

Wir die Fed-Chefin am 16.12. die Zinserhöhung verkünden? Was kommt dann? AFP

Janet Yellen

Wir die Fed-Chefin am 16.12. die Zinserhöhung verkünden? Was kommt dann?

New YorkIm November ist die Zahl der Jobs in den USA noch einmal um 211.000 gestiegen – und damit etwas stärker als von vielen Experten erwartet. Damit ist die US-Notenbank (Fed) nun wirklich startklar für die erste Zinserhöhung nach acht Jahren Mitte Dezember. Denn diese Zahl, die am Freitag veröffentlicht wurde, ist die letzte ganz wichtige vor dem Treffen der Notenbanker. Und Fed-Chefin Janet Yellen hatte ohnehin im Laufe der zwei Wochen zweimal recht deutlich gemacht, dass sie bereit ist zum Start. Allgemein erwartet wird ein erster Zinsschritt von nahe Null auf 0,25 Prozent.

Die Diskussion wird sich jetzt auf die Frage verlagern, wie es im kommenden Jahr weiter geht. Yellen und andere US-Geldpolitiker haben immer wieder betont, die weitere Erhöhung werde sehr vorsichtig erfolgen. Bill Dudley, Chef der Fed New York, hat vor kurzem eine interessante Rede zu dem Thema gehalten und die Hintergründe genauer erläutert. Nach seiner Ansicht liegt der so genannte Gleichgewichtszins in den USA zurzeit bei Null, nachdem er in früheren Jahren eher ein Niveau von zwei Prozent hatte.

Damit ist der reale – also nach Abzug der Inflation kalkulierte – Zinssatz gemeint, bei dem die US-Wirtschaft unter vollem Dampf laufen kann, ohne dass die Inflation höher als die von der Fed gewünschten zwei Prozent steigt. Dudley's Logik: So lange die Fed-Zinsen real unter diesem Gleichgewichtszins bleiben, unterstützt die Geldpolitik die Wirtschaft. Steigen sie dagegen über diesen Wert, dann bremsen sie die Wirtschaft.

Die realen Fed-Zinsen liegen bei rund minus 1,0 Prozent, das ergibt sich aus dem nominalen Fed-Zins von Null Prozent minus der Kern-Inflation von einem Prozent. So gerechnet liegt der reale Fed-Zins heute nur ein Prozentpunkt unterhalb des Gleichgewichtszinses – aber auch nicht mehr. Die Fed-Politik ist also jetzt schon weniger expansiv, als viele Leute glauben, und der Spielraum für Zinserhöhungen sehr begrenzt.

Dass der Gleichgewichtszins, der immer nur geschätzt werden kann, so niedrig liegt, hat mehrere Ursachen. Einmal sind die Amerikaner immer noch verunsichert durch die Finanzkrise und investieren daher wahrscheinlich weniger, als sie sonst tun würden. Hinzu kommt, dass wegen der Überalterung der Gesellschaft auch in den USA das Angebot an Arbeitskräften tendenziell schmilzt. Ganz wichtig auch: Die Produktivität in den USA steigt kaum, die Gründe dafür sind umstritten.

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Mario Draghi hat viel versprochen und nur wenig geliefert. Die kalt geduschten Anleger blieben auch am Freitag dem Parkett fern. Dass der Dax nicht völlig abrutschte, hatte er guten US-Arbeitsmarktzahlen zu verdanken.

Das hat dazu geführt, dass der Arbeitsmarkt sich trotz sehr mäßigen Wachstums gut erholt, aber es begrenzt auch die Wachstumsaussichten und damit den Gleichgewichtszins. Diese Faktoren können sich zum Teil in den nächsten Jahren noch ändern. Aber so lange das nicht passiert, ist zumindest nach der Rechnung des einflussreichen Chefs der Fed New York tatsächlich nicht viel Raum für Zinserhöhungen der Fed.

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