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27.06.2013

17:07 Uhr

US-Geldpolitik

Bernankes Klartext stürzt Märkte in Tumult

Er wollte Klarheit an den Märkten schaffen und stiftete Verwirrung: Als Fed-Chef Bernanke ankündigte, eine strengere Geldpolitik zu fahren, erwischte das viele Investoren kalt. Sie stießen Wetten in Milliardenhöhe ab.

Fed-Chef Bernanke ließ die Märkte zittern: Am Mittwoch vergangener Woche kündigte er an, bei der lockeren Zinspolitik der Fed  aufs Gaspedal zu treten, vorausgesetzt die US-Wirtschaft erhole sich. ap

Fed-Chef Bernanke ließ die Märkte zittern: Am Mittwoch vergangener Woche kündigte er an, bei der lockeren Zinspolitik der Fed aufs Gaspedal zu treten, vorausgesetzt die US-Wirtschaft erhole sich.

New YorkIhre Wette ging nicht auf: Futures-Händler hatten in der vergangenen Woche ihre Wetten auf steigende Dollar-Kurse so stark gesenkt wie seit sieben Jahren nicht mehr und mehr als 14 Milliarden Dollar an Wetten abgestoßen. Als Fed-Chef Ben Bernanke am nächsten Tag andeutete, eine strengere Geldpolitik zu fahren, erlebte der Dollar-Index allerdings seinen größten Sprung nach vorne in nahezu einem Jahr. Die Marktteilnehmer hat Bernankes Äußerung kalt erwischt: Sie alle gingen davon aus, dass wegen verlangsamten Inflation und steigender Anleihe-Renditen die Fed ihre lockere Geldpolitik bis ins nächste Jahr aufrechterhalten wird. Die Entwicklung, die den Dollar erfahrungsgemäß unter Druck gesetzt hätte.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Bernanke hatte am vergangenen Mittwoch angekündigt, Fed werde noch in diesem Jahr damit beginnen, das Volumen ihrer Bondkäufe zu reduzieren. Bereits Mitte 2014 könne das neue Programm abgeschlossen werden. Voraussetzung: Die Wirtschaft der USA erholt sich in dem Maße, in dem Fed es gerne möchte. Und es sieht ganz danach aus, als entwickele sich die weltgrößte Volkswirtschaft in die gewünschte Richtung: Am Dienstag war das US-Verbrauchervertrauen im Juni überraschend stark auf das höchste Niveau seit Januar 2008 gestiegen. Auch der Eigenheimabsatz legte im Mai stärker zu als prognostiziert. Bei den Händlern verstärkte das nun die Spekulationen auf ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik.
Die Äußerungen Bernankes brachten in der vergangenen Woche nahezu alle Märkte ins Taumeln: Währungen, Bonds und Aktien bis hin zu Rohstoffen. Die Händler traf das unvorbereitet: Ölspekulanten etwa hatten ihre Netto-Kauf-Positionen - Wetten auf einen Anstieg des Preises von Öl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) - erhöht und damit auf das falsche Pferd gesetzt. Nur einen Tag vor dem Fed-Kommentar hatte das WTI-Öl hatte einen höchsten Stand seit neun Monaten erreicht. Dann jedoch verzeichnete er mit einem Minus von insgesamt 4,8 Prozent den stärksten Einbruch über drei Tage seit April.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

27.06.2013, 17:13 Uhr

wenn man gesetze "biegende" geheimseilschaften... genauso jagen würde wie Informanten die die Demokratische Öffentlichkeit informieren über Dinge die im grauen wachsen....... müste man viel seltener die Märkte beruhigen..^^

OleLakshmiMuellerSchabrunski

27.06.2013, 19:03 Uhr

Oh Mann !!!

Hätte ich nur auf Genosse Chefredakteur gehört und mein EM als das angesehen was es ist: TOTES KAPITAL !!!

Ich zittere schon am ganzen Leib weil ich ja ALLES VERLIEREN werde!!1

Oh bitte bitte liebe Finanzwirtschaft, ich suche ganz ganz dringend ein innovatives Finanzprodukt um die schröcklychen Verluste mit dem ollen Brachialrelikt zu decken !!111

Bitte bitte, wenn es auch noch steuerlich von "Vorteil" ist werde ich mich auch gerne verschulden, schon wegen der SUPER ZINSEN

Oj wej oj wej was soll ich nur tun ...

leser

27.06.2013, 20:06 Uhr

"Bernankes Klartext stürzt Märkte in Tumult"
______________________________

Und in was für einen Tumult aber auch: in neues Einpreisen.
Fürwahr: wenn schon nix los ist, muss wenigstens die saure Gurke herhalten für ganz kolossal daherkomende Neuigkeiten.

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