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04.05.2014

22:06 Uhr

US-Geldpolitik

Notenbanker erwartet baldiges Ende der Anleihenkäufe

Ein US-Notenbanker geht davon aus, dass die Fed ab Herbst ihre Geldpolitik ändern und keine Anleihen mehr aufkaufen wird. Wann die Zinsen wieder steigen, sei aber weiter unklar, so Richard Fisher.

Richard Fisher, Mitglied im Offenmarktausschuss der Fed und Chef der regionalen Notenbank von Dallas. Reuters

Richard Fisher, Mitglied im Offenmarktausschuss der Fed und Chef der regionalen Notenbank von Dallas.

DallasDer US-Notenbanker Richard Fisher geht davon aus, dass die Fed ihr konjunkturstützendes Programm zum Aufkauf von Anleihen im Oktober beendet. Er erwarte zudem, dass die Notenbank (Fed) erst danach über eine mögliche US-Zinsanhebung debattiere, sagte Fisher am Sonntag dem Sender Fox News. „Ich persönlich gehe davon aus, dass wir das Programm im Oktober auslaufen lassen. Und dann werden wir uns anschauen müssen, wie es der Wirtschaft geht, wo wir stehen, inklusive auch der breiteren Betrachtung des Arbeitsmarktes, bevor wir darüber reden können, wie wir mit den kurzfristigen Zinsen umgehen sollten.“ Derzeit könne noch nicht gesagt werden, wann die Wirtschaft wieder für höhere Zinsen bereit sei. „Lassen sie es mich so sagen: Irgendwann in den nächsten 100 Jahren werden die Zinsen wieder steigen“, sagte Fisher scherzhaft.

Die US-Notenbank pumpt zur Stützung der Konjunktur seit Jahren viel Geld in den Wirtschaftskreislauf. Anfangs waren es 85 Milliarden Dollar pro Monat. Damit wurden auch die Kurse an den weltweiten Börsen gestützt. Seit dem wirtschaftlichen Aufschwung zum Jahreswechsel werden die Geldspritzen Schritt für Schritt zurückgefahren. Sorgen mancher Anleger, dass damit auch die Börsen-Kurse unter Druck geraten, haben sich als unbegründet erwiesen.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Am Finanzmarkt gibt es die Erwartung, dass das Fed-Aufkauf-Programm im Herbst endet. Auch wird darüber spekuliert, wann die Zinsen angehoben werden. Im März hatte die neue Fed-Chefin Janet Yellen dies etwas überraschend bereits für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt. Inzwischen erwarten Händler aber, dass der Schritt nicht vor Juli nächsten Jahres kommt.

Fisher ist in diesem Jahr stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss der Fed, der über die US-Zinspolitik entscheidet. Der Chef der regionalen Notenbank von Dallas hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, die Anleihen-Aufkäufe eher früher als später zu beenden. Zudem hatte er gewarnt, sehr niedrige Zinsen über einen sehr langen Zeitraum könnten zu einer gefährlichen Aufblähung an den Finanzmärkten führen. Der US-Leitzins liegt seit Jahren ultraniedrig bei Null bis 0,25 Prozent.

Auch im Euro-Raum liegt der Leitzins auf einem Rekord-Tief von 0,25 Prozent. Hier steht aber eine Anhebung der Zinsen aktuell nicht zur Debatte. Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt klargemacht, bei einer Verschärfung der Deflationsgefahren die Geldpolitik noch weiter lockern zu können, auch durch den Ankauf von Wertpapieren.



Von

rtr

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