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16.03.2016

21:28 Uhr

US-Geldpolitik

US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

Die US-Notenbank Federal Reserve lässt ihren Leitzins unverändert auf einem Niveau zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Doch noch im Laufe des Jahres soll die Geldpolitik wieder gestrafft werden – der Zins wird wieder steigen.

Janet Yellen und die Fed lassen den US-Leitzins unverändert. dpa

Zunächst keine Veränderung

Janet Yellen und die Fed lassen den US-Leitzins unverändert.

WashingtonNach den weltweiten Erschütterungen an den Finanzmärkten will die US-Notenbank Fed die Zinszügel vorerst nur behutsam straffen. Die Währungshüter signalisierten am Mittwoch, dass sie nach der historischen Zinswende vom Dezember im laufenden Jahr nur noch zwei Mal nachlegen wollen. Noch Ende 2015 hatten sie doppelt so viele Schritte auf dem Zettel. „Vorsicht ist angebracht“, betonte Fed-Präsidentin Janet Yellen nach dem Zinsbeschluss, bei dem sie den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent hielt.

Zum Jahresbeginn waren die Finanzmärkte wegen der starken Konjunkturabkühlung in China und des Verfalls der Ölpreise in Aufruhr. Aber auch jetzt gingen von der Weltwirtschaft und den Kapitalmärkten Risiken aus, warnte Yellen. Sie rudert bei ihren Plänen zur Straffung der Zinsen just zu einem Zeitpunkt zurück, an dem andernorts geldpolitisch aus allen Rohren gefeuert wird. So hat EZB-Chef Mario Draghi zuletzt den Strafzins für Banken in der Euro-Zone verschärft, wenn diese Gelder über Nacht bei der Notenbank parken. Zudem wird das in Deutschland umstrittene Anleihen-Kaufprogramm ausgeweitet und um Firmenanleihen ergänzt. Auch in Japan, das den USA ebenfalls konjunkturell hinterherhinkt, sind Zinserhöhungen kein Thema.

Durch die zunehmend lockere Geldpolitik in Frankfurt und Tokio hat die US-Währung im Verhältnis zum Euro und zum Yen zuletzt die Muskeln spielen lassen, was den US-Exporteuren beim Verkauf ihrer Güter auf den Auslandsmärkten das Leben schwermacht. Der „sehr starke Dollar“ dämpft nach Ansicht von DIW-Chef Marcel Fratzscher die Bereitschaft der Notenbanker, kräftiger an der Zinsschraube zu drehen. Nach der geldpolitischen Entscheidung in Washington machte aber nun der Euro einen Sprung nach oben: Er legte um ein Prozent auf über 1,12 Dollar zu. Auch die Wall Street zeigte sich von der Aussicht auf langsamer steigende Zinsen angetan und drehte nach dem Beschluss ins Plus.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Die US-Notenbanker sehen die heimische Wirtschaft noch immer als anfällig für Störfeuer von außen. In China war die Wirtschaft 2015 so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Und der Preisverfall beim Öl setzt viele Firmen der Branche massiv unter Druck. Yellen sagte, sie erwarte ein leicht schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft. Auch nach der jüngsten Stabilisierung rechne sie nicht damit, dass die Ölpreise auf das frühere Niveau zurückkehren werden.

Angesichts dieser Risiken ist für die US-Währungshüter die Zeit noch nicht reif für eine weitere Zinserhöhung: Mit Esther George von der Fed aus Kansas City votierte nur ein Mitglied des Offenmarktausschusses für eine Straffung. Manche Experten hatten darauf gesetzt, dass die Fed ein Signal für eine baldige Erhöhung geben würde - wie sie es vor der Wende im Dezember getan hatte, als die Zinsen erstmals seit fast zehn Jahren wieder stiegen. Damals hatte die Fed die momentanen Risiken als „fast ausgeglichen“ bezeichnet. Jetzt verzichtete die Zentralbank aber auf eine Bewertung der Gefahren.

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Dennoch ist eine Anhebung bereits im April nicht vom Tisch, wie Yellen betonte. „Das ist eine reguläre Sitzung.“ Ökonom Harm Bandholz von der Großbank UniCredit rechnet jedoch damit, dass es erst im Juni soweit sein wird und die Fed doch stärker nachlegen wird als derzeit signalisiert: „Nach dem Juni hätte sie noch jede Menge Zeit, zwei weitere Schritte in diesem Jahr folgen zu lassen.“

Die US-Notenbank soll Vollbeschäftigung fördern und für stabile Preise sorgen. Die erste Aufgabe gilt mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,9 Prozent als weitgehend abgehakt. Die Inflation nähert sich zumindest dem von der Zentralbank angestrebten Wert von 2,0 Prozent. Doch die Fed will zunächst abwarten, ob sich der Trend verfestigt. Sie hat neben der Inflationsrate auch die Lohnentwicklung genau im Auge. Das Kalkül dahinter: Mit anziehenden Gehältern könnten die Preise stärker steigen, da die Amerikaner mehr Geld für den Konsum in der Tasche haben. Doch hier hapert es noch: Die Stundenlöhne sanken im Februar überraschend sogar zum Vormonat. „Es muss sich noch zeigen, ob das Wachstum bei den Löhnen nachhaltig ist“, sagte die Fed-Präsidentin.

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