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10.11.2016

19:39 Uhr

US-Geldpolitik

Wohin steuert die Fed unter Trump?

VonJan Mallien

Im Wahlkampf hat Donald Trump die US-Notenbank Fed und ihre Chefin Janet Yellen mit Kritik überzogen. Eine schnelle Änderung des Kurses erscheint jedoch eher unwahrscheinlich.

Fed-Chefin Janet Yellen: Sie wurde im Wahlkampf von Donald Trump hart attackiert. AP

Janet Yellen

Fed-Chefin Janet Yellen: Sie wurde im Wahlkampf von Donald Trump hart attackiert.

FrankfurtIm Wahlkampf hat Donald Trump aus seiner Abneigung gegenüber US-Notenbankchefin Janet Yellen keinen Hehl gemacht. Trump warf ihr vor, unter der Fuchtel von US-Präsident Obama zu stehen und den Leitzins künstlich niedrig zu halten: „Er bleibt bei null, weil sie offensichtlich politisch agiert und das tut, was Obama von ihr will.“ Yellen solle sich dafür Version: „schämen“, was sie dem Land antue.

Trotz dieser Tiraden von Seiten Trumps rechnen Ökonomen eher nicht mit einem schnellen Kurswechsel der amerikanischen Notenbank. „Kurzfristig erwarte ich keine große Änderung am Kurs der Fed“, sagt Bernd Weidensteiner, US-Experte bei der Commerzbank. Bundesbank-Chef Jens Weidmann mahnte angesichts der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zur Ruhe. „Hier würde ich zunächst zu etwas Besonnenheit und Gelassenheit raten“, sagte er am Donnerstagabend in einer Rede anlässlich des 100 jährigen Jubiläums des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB). Nach seinem Wahlsieg habe sich Trump für eine faire Partnerschaft mit anderen Ländern ausgesprochen. Hier solle man ihn beim Wort nehmen.

Vor den Wahlen deutete vieles darauf hin, dass die Fed im Dezember den Leitzins anhebt. Im Oktober hatte die US-Wirtschaft außerhalb der Landwirtschaft 161.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Die Arbeitslosigkeit sank ganz leicht auf 4,9 Prozent. Zudem stieg der Stundenlohn in der Privatwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent – der stärkste Zuwachs seit Juni 2009.

Nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps hatten dann Analysten angedeutet, dass die US-Notenbank ihre für Dezember anvisierte Zinserhöhung verschieben könnte. Nun mehren sich aber Stimmen, die darauf schließen lassen, dass die Fed an ihren Plänen festhält. Als einer der ersten meldete sich am Mittwoch der Präsident des Fed-Ablegers von San Francisco, John Williams, zu Wort. „Die Debatte über sukzessive Zinsanhebungen ist meiner Ansicht nach weiter sinnvoll“, sagte er. Entscheidend seien für ihn weiter die Konjunkturdaten. Williams betonte zugleich die politische Neutralität der Fed. „Diese Unabhängigkeit zu haben, ist sehr wichtig.“

Zentralbanken und Negativzinsen

Japan

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,1 Prozent

Schweiz

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,75 Prozent (15.01.2016)

Einlagenzinssatz für Banken: gestaffelt -0,75 Prozent

Dänemark

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,05 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,65 Prozent

Schweden

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): -0,5 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,5 Prozent

Euro-Zone

Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins): 0,0 Prozent

Einlagenzinssatz für Banken: -0,4 Prozent

Die Fed hat eine baldige Erhöhung des seit Dezember 2015 in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent liegenden Leitzinses signalisiert, falls die Wirtschaft auf Kurs bleibt. Auch Commerzbank-Ökonom Weidensteiner geht nicht davon aus, dass die Fed wegen Trumps Wahlsieg von ihrem Kurs abweicht. „Derzeit spricht alles dafür, dass sie im Dezember die Zinsen erhöht“, sagt er.

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