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01.03.2016

15:01 Uhr

US-Geldpolitik

Zurückhaltende Töne von Notenbankern

William Dudley, Chef der New Yorker Notenbank, erwartet nur langsame Leitzinserhöhungen in den USA. Er sieht die Konjunkturaussichten negativer als bisher. Auch Finanzexperten haben ihre Meinung geändert.

Der Präsident der New Yorker Notenbank sieht die Aussichten für die US-Konjunktur weniger positiv als bisher. Dudley gilt als enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen. AP

William Dudley

Der Präsident der New Yorker Notenbank sieht die Aussichten für die US-Konjunktur weniger positiv als bisher. Dudley gilt als enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen.

HangzhouDer einflussreiche US-Währungshüter William Dudley hat eine langsame Gangart bei weiteren Zinsschritten der Notenbank Fed signalisiert. Auf einer Konferenz im chinesischen Hangzhou äußerte er sich am Dienstag eher skeptisch zu den Aussichten für das Wachstum und die Inflation in den USA.

Er erwarte zwar weiterhin, dass die Wirtschaft dieses Jahr um rund zwei Prozent zulegen werde und der brummende Arbeitsmarkt die Fed dem Inflationsziel von zwei Prozent näher bringe. „Doch in der Abwägung bin ich etwas weniger zuversichtlich als früher“, betonte der Präsident der Notenbank von New York, der als enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen gilt.

Die US-Währungshüter hatten im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen erhöht – auf ein Niveau von 0,25 bis 0,5 Prozent. Angesichts der Konjunkturabkühlung in China, Finanzmarktturbulenzen und dem rasanten Verfall des Ölpreises hielten sie jedoch im Januar still und signalisierten Vorsicht bei künftigen Zinserhöhungen.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Viele Experten rechnen daher nur noch mit zwei geldpolitischen Schritten nach oben in diesem Jahr statt der zunächst von der Fed signalisierten vier Erhöhungen. Dudley dürfte Analysten in der Einschätzung bestärken, dass es die Fed nicht eilig hat. Er äußerte insbesondere Sorge darüber, dass US-Verbraucher ihre Erwartungen an die Preisentwicklung zurückschraubten.

Zwar seien diese Entwicklungen noch nicht gefährlich, sagte der US-Währungshüter. Doch falls sich der Trend fortsetzen sollte, könnte dies der Fed das Erreichen ihres Inflationsziels erschweren. Sie trifft sich Mitte März zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung. Die meisten Fachleute erwarten, dass die Zentralbank dabei das Zinsniveau beibehalten wird.

Von

rtr

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