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29.10.2015

01:43 Uhr

US-Notenbank

Die Fed lenkt den Fokus auf Dezember

VonAstrid Dörner

Die US-Notenbank sieht eine Verbesserung im Wirtschaftsklima. Sie verschiebt die Zinswende zwar wie erwartet, doch sie signalisiert: Bei der nächsten Sitzung dürften die Zinsen steigen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält sich ihre geldpolitischen Optionen weiter offen. dpa

Dollarscheine

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält sich ihre geldpolitischen Optionen weiter offen.

New YorkDie amerikanische Notenbank hält sich weiter alle Optionen offen. Die Zinswende wurde nach der Sitzung des Offenmarktausschusses am Mittwoch wie erwartet verschoben. Die Federal Reserve hält den Leitzins weiter auf einem Rekord-Tief von null bis 0,25 Prozent.

Doch die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen erwähnen in ihrem Statement explizit die nächste Sitzung im Dezember als eine Möglichkeit, um die Zinsen anzuheben. Das sorgt unter Marktteilnehmern für neue Spekulationen. “Die Fed denkt ernsthaft über eine Anhebung im Dezember nach”, interpretiert Harm Bandholz, Amerika-Chefvolkswirt bei der Unicredit, die Entscheidung vom Mittwoch. Es wäre die erste Erhöhung seit gut neun Jahren.

Fragen und Antworten zur US-Geldpolitik

Warum zögert die Fed solange mit einer Anhebung der Leitzinsen?

In der Tat sind viele Ökonomen der Auffassung, das ein Zinsschritt der US-Notenbank längst fällig ist. Zentralbank-Chefin Janet Yellen hatte angekündigt, noch 2016 den Weg zu einer Normalisierung einschlagen zu wollen. Dann kam die Krise an den Aktienmärkten Chinas dazwischen, viele andere Schwellenländer schwächeln ebenfalls. Auch in den USA mehren sich die Anzeichen, dass der Aufschwung nicht mehr selbsttragend sein könnte und weiter Stimulanz aus der Geldpolitik braucht, wie etwa der Ökonom Gerald O'Discroll vom Cato-Institut schreibt.

Wer wären die Verlierer einer Zinswende in den USA?

Am meisten dürften hochverschuldete Schwellenländer wie Brasilien oder auch die Türkei darunter leiden. Sowohl die Staaten, als auch private Unternehmen haben ihre Schulden in US-Dollar aufgenommen. Eine Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten würde den Dollar im Vergleich zu anderen Währungen weiter stärken, die Schuldenlast in Relation zur Landeswährung stiege automatisch. Einfuhren, die oft in US-Dollar gehandelt werden, würden teurer. Außerdem würden Investoren ihr Kapital tendenziell wieder eher in den USA anlegen, weil dort die Zinsen steigen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds mahnen aus Sorge um Schwellenländer deshalb zur Vorsicht.

Warum muss die Fed überhaupt einen Zinsschritt ins Auge fassen?

Die Notenbank hat ihre Zinsen zum letzten Mal 2006 erhöht. Im Herbst 2008 senkte sie die Zinsen auf praktisch Null und ließ sie seitdem dort. Zusätzlich wurden Billionen Dollar als zusätzliche Stimulanz über die sogenannte Quantitative Lockerung in die Märkte gepumpt - de facto ein Gelddrucken der Zentralbank. Dieser ungeheuren Geldschwemme müssen die Währungswächter irgendwann wieder Einhalt gebieten. Ansonsten droht auf Dauer eine Geldentwertung. Zudem steigt durch allzu billiges Geld die Gefahr von ungewollten Effekten wie etwa Preisblasen auf dem Immobilienmarkt.

Wann hat die US-Notenbank erneut die Chance zu einer Anhebung?

Die nächsten Sitzungen des für den Leitzins zuständigen Offenmarktausschusses sind im Dezember 2015 und dann wieder im März 2016. Experten in den USA gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen in kleinen Schritten anheben wird, beginnend mit einer Steigerung um 0,25 Prozentpunkte. Dies hätte zunächst mehr Signal- als tatsächliche Wirkung und man könnte die Auswirkungen rund um den Globus zunächst einmal ganz vorsichtig ausbalancieren.

Was bedeutet eine Zinsanhebung für Deutschland?

Die Zinsen in Deutschland bleiben zunächst unangetastet. Die Europäische Geldpolitik hinkt zeitlich rund zweieinhalb Jahre hinter der US-amerikanischen her. Die Europäische Zentralbank hat ihre Politik gerade erst gelockert und pumpt monatlich bis zu 60 Milliarden Euro frisches Geld in die Märkte. Allerdings dürfte im Falle einer Anhebung in den US der Euro im Vergleich zum Dollar noch schwächer werden, könnte sogar unter die Paritätsgrenze fallen. Dies würde die Ausfuhren im Exportland Deutschland weiter verbilligen und exportierenden Unternehmen Vorteile bringen. Importe in US-Dollar würden dagegen teurer.

Das Klima habe sich seit der vergangenen Sitzung im September verbessert, teilte die Fed mit. Zwar werde die Zentralbank „Entwicklungen in der globalen Wirtschaft und auf den Märkten weiter beobachten“, heißt es in dem Statement. Gestrichen wurde jedoch eine Formulierung, wonach die internationalen Entwicklungen auch Rückkopplungen auf die US-Wirtschaft haben könnte.

Die volatile Phase hat sich etwas beruhigt. Der Leitindex Dow Jones hat seit der vergangenen Sitzung um rund fünf Prozent zugelegt. Die Fed hatte damals die Zinswende auch aufgrund von Turbulenzen auf den asiatischen Märkten verschoben.

Die US-Wirtschaft zeigt ein gemischtes Bild. Die Haushaltsausgaben und die Unternehmensinvestitionen seien „solide“, sagte die Fed. Zuletzt gab es jedoch schwächere Daten vom Arbeitsmarkt. Die Job-Zuwächse im September waren geringer als erwartet. Zudem wurden die Zahlen für Juli und August nach unten revidiert – ein Zeichen, dass der Gegenwind auf dem Arbeitsmarkt zunimmt.

Viele US-Unternehmen leiden unter dem anhaltend starken Dollar und der schwächeren Nachfrage aus Übersee. Doch die Situation, signalisiert die Fed, könnte immer noch stabil genug sein, um einen Zinsanstieg zu rechtfertigen.

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