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28.10.2015

19:32 Uhr

US-Notenbank Fed

Die Zinswende lässt weiter auf sich warten

Die US-Notenbank Fed ändert vorerst nichts an ihrer Zinspolitik: Die Zinsen bleiben auf dem historisch niedrigen Niveau nahe null. Nun wird über eine Zinswende im Dezember spekuliert.

Die Zinswende kommt – wenn überhaupt – frühestens im Dezember. dpa

US-Notenbank Federal Reserve

Die Zinswende kommt – wenn überhaupt – frühestens im Dezember.

WashingtonDie US-Notenbank Fed lässt die Tür für eine Zinserhöhung im Dezember offen. Sie beließ den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch zwar bei null bis 0,25 Prozent. Im Kommunique ließ die Zentralbank allerdings eine Passage weg, mit der sie noch im September die aus dem Ausland drohenden Gefahren für die US-Wirtschaft beschrieben hatte. An den Märkten herrscht Unsicherheit, ob US-Zentralbankchefin Janet Yellen die Zinswende im Dezember wagen oder die Entscheidung auf nächstes Jahr verschieben will. Sie hält die Zinsen seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau nahe null. Die Fed-Entscheidung, daran nichts zu ändern, fiel mit neun zu eins Stimmen.

Fragen und Antworten zur US-Geldpolitik

Warum zögert die Fed solange mit einer Anhebung der Leitzinsen?

In der Tat sind viele Ökonomen der Auffassung, das ein Zinsschritt der US-Notenbank längst fällig ist. Zentralbank-Chefin Janet Yellen hatte angekündigt, noch 2016 den Weg zu einer Normalisierung einschlagen zu wollen. Dann kam die Krise an den Aktienmärkten Chinas dazwischen, viele andere Schwellenländer schwächeln ebenfalls. Auch in den USA mehren sich die Anzeichen, dass der Aufschwung nicht mehr selbsttragend sein könnte und weiter Stimulanz aus der Geldpolitik braucht, wie etwa der Ökonom Gerald O'Discroll vom Cato-Institut schreibt.

Wer wären die Verlierer einer Zinswende in den USA?

Am meisten dürften hochverschuldete Schwellenländer wie Brasilien oder auch die Türkei darunter leiden. Sowohl die Staaten, als auch private Unternehmen haben ihre Schulden in US-Dollar aufgenommen. Eine Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten würde den Dollar im Vergleich zu anderen Währungen weiter stärken, die Schuldenlast in Relation zur Landeswährung stiege automatisch. Einfuhren, die oft in US-Dollar gehandelt werden, würden teurer. Außerdem würden Investoren ihr Kapital tendenziell wieder eher in den USA anlegen, weil dort die Zinsen steigen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds mahnen aus Sorge um Schwellenländer deshalb zur Vorsicht.

Warum muss die Fed überhaupt einen Zinsschritt ins Auge fassen?

Die Notenbank hat ihre Zinsen zum letzten Mal 2006 erhöht. Im Herbst 2008 senkte sie die Zinsen auf praktisch Null und ließ sie seitdem dort. Zusätzlich wurden Billionen Dollar als zusätzliche Stimulanz über die sogenannte Quantitative Lockerung in die Märkte gepumpt - de facto ein Gelddrucken der Zentralbank. Dieser ungeheuren Geldschwemme müssen die Währungswächter irgendwann wieder Einhalt gebieten. Ansonsten droht auf Dauer eine Geldentwertung. Zudem steigt durch allzu billiges Geld die Gefahr von ungewollten Effekten wie etwa Preisblasen auf dem Immobilienmarkt.

Wann hat die US-Notenbank erneut die Chance zu einer Anhebung?

Die nächsten Sitzungen des für den Leitzins zuständigen Offenmarktausschusses sind im Dezember 2015 und dann wieder im März 2016. Experten in den USA gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen in kleinen Schritten anheben wird, beginnend mit einer Steigerung um 0,25 Prozentpunkte. Dies hätte zunächst mehr Signal- als tatsächliche Wirkung und man könnte die Auswirkungen rund um den Globus zunächst einmal ganz vorsichtig ausbalancieren.

Was bedeutet eine Zinsanhebung für Deutschland?

Die Zinsen in Deutschland bleiben zunächst unangetastet. Die Europäische Geldpolitik hinkt zeitlich rund zweieinhalb Jahre hinter der US-amerikanischen her. Die Europäische Zentralbank hat ihre Politik gerade erst gelockert und pumpt monatlich bis zu 60 Milliarden Euro frisches Geld in die Märkte. Allerdings dürfte im Falle einer Anhebung in den US der Euro im Vergleich zum Dollar noch schwächer werden, könnte sogar unter die Paritätsgrenze fallen. Dies würde die Ausfuhren im Exportland Deutschland weiter verbilligen und exportierenden Unternehmen Vorteile bringen. Importe in US-Dollar würden dagegen teurer.

Der Euro gab unmittelbar nach der Fed-Mitteilung deutlich mehr als einen Cent nach auf 1,0935 Dollar. US-Aktien verloren einen Teil ihrer im frühen Handel erzielten Gewinne. So verlor der Dow Jones-Index binnen weniger Minuten fast 100 Punkte und lag mit 17.604 Stellen nur noch 0,1 Prozent im Plus. Ähnlich war das Bild beim S&P-500 und der Nasdaq.

Von

rtr

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