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25.06.2014

07:43 Uhr

US-Notenbank

Fed-Vertreter rechnet Mitte 2015 mit Zinswende

Die US-Notenbank Federal Reserve wird wohl erst Mitte 2015 die Zins wieder erhöhen. Das ist zumindest die Einschätzung eines Führungsmitglieds der Fed. Noch hat die Zentralbank ihre Ziele nicht ganz erreicht.

Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Vor allem di Arbeitslosigkeit wollen die Notenbanker noch weiter senken. dpa

Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Vor allem di Arbeitslosigkeit wollen die Notenbanker noch weiter senken.

San JuanDie US-Notenbank Federal Reserve kann sich nach Ansicht eines einflussreichen Führungsmitglieds bis Mitte 2015 mit einer Zinserhöhung Zeit lassen. Am Markt werde erwartet, dass die Fed um die Mitte des kommenden Jahres mit der Zinswende beginne, sagte William Dudley am Dienstag in Puerto Rico, der als Chef des New Yorker Fed-Ablegers ein ständiges Stimmrecht im geldpolitischen Entscheidungsgremium der Notenbank hat. „Das hört sich für mich nach einer vernünftigen Prognose an.“ Die Fed habe ihre Ziele noch nicht ganz erreicht. Die Arbeitslosigkeit könne noch deutlich gesenkt werden, die Inflation bereite dabei weiterhin keine Probleme.

Die Fed hatte die monatlichen Konjunkturhilfen in der vorigen Woche um weitere zehn Milliarden Dollar gekürzt. Den Leitzins beließ sie bei dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Ein Großteil der Mitglieder im Offenmarktausschuss peilt aber eine Zinserhöhung für das kommende Jahr an.

Was die Federal Reserve vorhat

Was machte diese Zinssitzung der Fed so spannend?

Nicht so sehr die konkreten Entscheidungen nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses. Historische Beschlüsse wie zuletzt bei der EZB hatte niemand erwartet – und sie kamen auch nicht. Aber es sind die Aussagen zwischen den Zeilen, auf die Analysten weltweit gebannt achteten. Nur ein verdächtiges Wort kann die globalen Finanzmärkte in helle Aufregung versetzten und Turbulenzen verursachen.

Wie kann so etwas passieren?

Die Zentralbanker gaben etwa ihre Bewertung der wirtschaftlichen Zukunft zu Protokoll. Änderungen zu früheren Einschätzungen lassen erkennen, ob sie zwischenzeitlich optimistischer oder pessimistischer geworden sind. Das kann letztlich auch Auswirkungen auf ihre Geldpolitik haben. Sie ließen aber kaum Veränderungen erkennen – zwar reduzierten sie ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich, verbesserten aber zugleich die Erwartung für die Arbeitslosigkeit. Zudem erneuerten sie ihren Tipp, wie sich der Leitzins auf lange Sicht entwickelt.

Und? Steigen die Zinsen jetzt bald?

Dass die US-Notenbank den Leitzins nicht ewig bei fast null Prozent halten will, wo er seit Ende 2008 liegt, machte sie bereits klar. Ebenso gibt es aber auch für eine Anhebung vor Mitte 2015 keine Hinweise. Die Fed-Vertreter rechnen nun für nächstes Jahr durchschnittlich mit einem leicht höheren Zins als bisher. Das kann ein Zeichen sein. Aber auch die Fed-Vorsitzende Janet Yellen ließ bei ihrer Pressekonferenz zunächst nicht genau durchblicken, worauf sich die Märkte einstellen sollen. So blieben die Börsen erstmal ruhig.

Was hält die Fed von Zinserhöhungen ab?

Sie hat zwei Ziele: für Vollbeschäftigung sorgen und die Inflation im Zaum halten. Solange sie die Arbeitslosigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt für zu hoch hält und die Teuerungsrate unproblematisch ist, sieht sie keinen Anlass für Zinserhöhungen. Schließlich soll der niedrige Zins helfen, die Konjunktur zu stärken. Die jetzige Erwerbslosenquote von 6,3 Prozent ist im historischen Vergleich sehr hoch, zudem besteht ein Problem mit der Langzeitarbeitslosigkeit. Das Minus beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal war ebenfalls kein gutes Signal.

Warum rechnen einige Experten dennoch mit einer früheren Zinswende?

Ein Grund ist der deutliche Anstieg der Inflation. Im Mai ist die jährliche Teuerungsrate auf 2,1 Prozent geklettert – und damit erstmals seit Oktober 2012 über den Zielwert der Fed. Das erhöht den Druck auf ihre Mitglieder, über Zinserhöhungen nachzudenken. Zwar arbeitet die Zentralbank mit einem anderen Inflationswert, der meist etwas niedriger ausfällt, aber dennoch lässt sich ein schnellerer Preisauftrieb nicht von der Hand weisen. Auch ist die Arbeitslosenquote schneller gesunken, als es die Zentralbank bisher prognostizierte: Bei 5,5 Prozent gilt ihr Ziel quasi als erreicht.

Und was könnte bei einer Anhebung passieren?

Die größte Sorge ist, dass höhere Zinsen das Wachstum abwürgen könnten. Teurere Kredite für Firmen und Hauskäufer könnten Investitionen verhindern, ein stärkerer Dollar könnte Exporte schwächen. Auch an den Aktienmärkten dürfte das nicht spurlos vorbeigehen. Denn bislang wurde die Rally an den Börsen hauptsächlich vom billigen Geld der Notenbanken angetrieben. Auch könnten Investoren Kapital aus Schwellenländern abziehen, um es wieder einträglicher zu Hause anzulegen – gefährlich für Staaten, deren Wachstum von Liquidität aus dem Ausland abhängt. Der Internationale Währungsfonds riet der Fed daher jüngst, bei Zinserhöhungen lieber ganz vorsichtig zu sein.

Von

rtr

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