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30.04.2015

07:42 Uhr

US-Notenbank Fed

Yellen befeuert Spekulationen um die Zinswende

VonAstrid Dörner

Janet Yellen lässt sich alle Optionen für eine mögliche Zinserhöhung offen. Eine Vorentscheidung darüber dürfte am 8. Mai fallen. Die Fed-Chefin testet derweil neue Kommunikationswege.

Markus Koch exklusiv

US-Notenbank: Wann kommt die Zinswende?

Markus Koch exklusiv: US-Notenbank: Wann kommt die Zinswende?

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WashingtonAm Tag nach der Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank blicken Anleger gespannt auf die Märkte. Der Leitindex Dow Jones hatte kaum auf die Nachrichten der Federal Reserve reagiert und nach einem schwachen Tag leicht im Minus geschlossen. Zwar hält die Fed nach wie vor daran fest, die Zinsen in den nächsten Monaten zu erhöhen. Doch der Zeitpunkt ist nach wie vor ungewiss.

Nach schwachen wirtschaftlichen Daten, die am Mittwoch kurz vor dem Statement der Fed veröffentlicht wurden, könnte die Notenbank nun noch etwas länger als ursprünglich geplant an der Nullzinspolitik festhalten. Beobachter hatten zunächst mit einer Anhebung der Zinsen für Juni gerechnet. Nun könnte es nach den Schätzungen der Experten wohl eher September oder Dezember werden. „Ich denke, die Fed wird die Zinsen ein Mal in diesem Jahr anheben“, sagte der frühere Pimco-Starmanager Bill Gross dem Börsensender CNBC. Gross ist nun Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Janus und tippt darauf, dass die Zinswende im September kommen könnte.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Die Fed räumte ein, dass sich das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten verlangsamt hatte. Kurz vor dem Statement der Fed war auch das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal veröffentlicht worden, was zusätzlich für Unruhe sorgte. Die US-Wirtschaft war von Januar bis März auf das Jahr betrachtet nur um 0,2 Prozent gewachsen und blieb damit deutlich unter den Erwartungen zurück.

Zwar geht die Fed davon aus, dass einige der Faktoren vorübergehend auf der Wirtschaft lasten. Der Winter war ungewöhnlich hart. Zudem gab es langwierige Hafenstreiks im Bundesstaat Kalifornien. Doch wann sich der schwache Ölpreis wieder erholen wird, ist unklar. Die amerikanischen Verbraucher jedenfalls hielten sich zuletzt beim Konsum zurück, obwohl sie durch die niedrigeren Spritreise mehr Einkommen zur Verfügung hätten. Der in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Dollar drückt zudem auf die amerikanischen Exporte.

Kommentare (3)

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Herr Peter Noack

30.04.2015, 08:40 Uhr

Yellen verunsichert die Investoren, Zinsspekulanten.
Falls die Fed noch die Zahlen für das 2. Quartal abwartet, kommt die erste Zinsanhebung frühestens im September. Ist diese Zinsanhebung schneller als erwartet? Darüber haben wir doch vorige Woche spekuliert, oder? Schafft es die Fed überhaupt bis Ende 2017, die 2 Prozentmarke zu erreichen?
Dazu müsste die Fed den Zins in jedem Quartal um 0,25 Prozent anheben. Wie wahrscheinlich ist das? Sollten jedoch jeweils 6 Monate nach jeder Zinsanhebung vergehen, dann schafft Frau Yellen bis Ende 2017 gerade einmal ein oder 1,25 Prozent. Wer also eine schnellere Zinsanhebung erwartet hatte und deshalb auf einen steigenden Dollar wettetet, muss nun enttäuscht sein. Ist das der Grund für die Eurostärke? Die nächsten Tage werden es zeigen. Werden dabei auch Pensionsfonds wieder viel Geld verlieren? Wie werden sich nun die Investitionen in die Realwirtschaft der USA entwickeln? Wann liegen denn die Ergebnisse der Investitionen in das Fracking vor? Wird das Ergebnis ebenfalls enttäuschend sein? Dann werden wenigstens die Rohstoffpreise, besonders Öl und Gas wieder stark steigen., weil die Nachfrage durch das starke Wirtschaftswachstum angekurbelt wird.
Was immer die Fed nun entscheiden wird, es wird immer einen Teil der Investoren enttäuschen und die Verunsicherung steigern. Verunsicherung haben Investoren besonders gern.

Herr peter Spirat

30.04.2015, 09:03 Uhr

Was immer die FED nun entscheiden wird, es wird immer einen Teil der Investoren enttäuschen und die Verunsicherung steigern. Verunsicherung haben Investoren besonders gern.
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Genau darum wird die FED extrem vorsichtig agieren uind alles vermeiden, um iwi sanft auf eine andere Bahn zu lenken. so massiv abhängig, wie die Ami-Wirtschaft von den QE geworden ist, kann man vermuten, dass ein ähnliches Programm angedacht wird.

Die Entzugserscheinungen von QE sind offensichtlich so schlimm, dass schon der Entzug zu unerwarteten Auswirkungen geführt hat. Von Zins-Erhöhungen ganz zu schweigen.

aber was auch immer kommen mag, KERINE Notenbank der Welt wird es zulassen, dass ausgerechnet die eigene Volkswirtschaft abkippt.

Herr Moritz J. Mueller

30.04.2015, 10:48 Uhr

Man kann sich eigentlich täglich nur über die Menschlich Dummheit wundern.
Die erste Finanzkrise wurde durch, auf Gier (der Besitzenden) beruhende, Kreditexpansion (bei gleichzeitiger nicht vorhandener Lohnanpassung und damit gleichgewichtiger Geldverteilung) und damit ungleichgewichtiger Umverteilung des zirkulierenden Kapitals, hervor gerufen. Konsequenz; Häuser wurden mit Schulden gekauft, die die Schuldner nie zurück zahlen konnten.
Oder anders; wenn ich jemanden Geld leihe im aber gleichzeitig immer weniger Geld für die Rückzahlung zur Verfügung stelle, ist es nur logisch dass es dazu kommt dass er seine Schulden nicht begleichen kann.
Die Ursache von dieser Fehlentwicklung ist in dem von der Menschlichen Psyche diktierten Verlangen (Gier) zu suchen durch Geld immer mehr Geld zu generieren, ohne freilich irgend eine konstruktive Leistung dafür zu erbringen.
Und was passiert danach oder besser; was sind die Maßnahmen der Entscheidungsträger in Politik und Bankenwesen weltweit, um aus dieser, durch Schuldenexpansion hervorgerufenen, Krise raus zu kommen?
Die Politik versucht die Altschulden zu sanieren indem sie dem gemeinen Volk noch mehr Geldmittel, durch immer höhere Steuern, nimmt und damit einen Aufschwung im Keime erstickt.
Die Zentralbanken pumpen immer mehr Geld, wieder in Form von Krediten, die
wie schon vorher nie zurück gezahlt werden können und dies natürlich immer weniger, in den Kreislauf und glauben doch tatsächlich mit noch mehr Schulden die verheerenden Altschulden in den Griff zu bekommen.
Dies wäre zu vergleichen mit dem Versuch ein brennendes Haus mit Benzin zu löschen.

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