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17.09.2015

21:19 Uhr

US-Notenbank

Fed zögert die Zinswende weiter hinaus

Doch noch kein Ende der Nullzinsen: In den USA geht die seit der Finanzkrise 2008 andauernde Billiggeld-Ära weiter – vorerst. Jetzt warten die Finanzmärkte weiter gebannt auf neue Signale der Fed.

AFP

Fed

New York / WashingtonDie US-Notenbank spielt bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter auf Zeit. Der Leitzins bleibe vorerst unverändert auf dem Rekordtief zwischen null und 0,25 Prozent, teilte die Federal Reserve (Fed) am Donnerstag in Washington mit.

Auf diesem historisch niedrigen Niveau verharrt der Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, bereits seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008. Die US-Wirtschaft wachse zwar moderat, heißt es im Statement der Fed. Doch die Währungshüter hoben Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hervor - globale Entwicklungen könnten die Konjunktur dämpfen.

Ökonomen waren in ihren Erwartungen uneins - nur eine knappe Mehrheit hatte mit einer unveränderten Geldpolitik gerechnet. Die US-Konjunktur hat deutlich an Fahrt gewonnen, so dass die Stützung der Wirtschaft durch billiges Geld zunehmend umstritten ist.

Die Fed will ihre Zinsen erst erhöhen, wenn der Aufschwung in den USA wirklich stabil genug ist. Am Arbeitsmarkt herrscht aber nach Definition vieler Volkswirte bereits Vollbeschäftigung, deshalb zieht ein Hauptargument für die extrem niedrigen Zinsen kaum noch.

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In ihrem Statement räumte die Fed auch ein, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert habe. Die Finanzmärkte warten nun gespannt auf neue Hinweise auf einen Zeitpunkt für die Zinswende. Fed-Chefin Janet Yellen wollte sich bei einer Pressekonferenz äußern.

Die US-Geldpolitik ist für die gesamte Weltwirtschaft von hoher Bedeutung. Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, so zieht das internationales Finanzkapital an und lässt damit den Kurs des US-Dollar steigen.

Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld geflossen war. Zudem haben sich viele Unternehmen in aufstrebenden Volkswirtschaften stark in Dollar verschuldet. Sie würden deshalb unter einer weiteren Aufwertung der US-Währung leiden.

Die US-Börsen reagierten zunächst kaum auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed reagiert. Der Leitindex Dow Jones notierte zuletzt 0,33 Prozent höher bei 16795,64 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index gewann 0,42 Prozent auf 2003,79 Punkte und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 stand 0,56 Prozent höher bei 4408,15 Punkten.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hat das Festhalten der US-Notenbank an ihrer Nullzinspolitik als „enttäuschend und nicht konsequent“ kritisiert. Diese sei nicht mehr angebracht, da die US- Volkswirtschaft nicht mehr in der Krise stecke, erklärte Fratzscher am Donnerstagabend in Berlin. „Wachstum, Beschäftigung und Inflationserwartungen deuten alle auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung in den USA hin.“ Jede geldpolitische Entscheidung berge Risiken. „Den Risiken einer zu frühen Zinserhöhung und negativer Effekte für Schwellenländer steht das größere Risiko für die Finanzstabilität gegenüber.“

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