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17.03.2016

01:02 Uhr

US-Notenbank

Janet Yellens leise, verwirrende Töne

VonFrank Wiebe

Die Fed-Chefin hält die Tür für eine weitere Zinserhöhung im Sommer offen. Doch über den weiteren Kurs der US-Notenbank lässt sie die Märkte im Dunkeln. Die Hintergründe sind kompliziert.

Dicke Mappe, dünnes Signal: Fed-Chefin Janet Yellen nach der Pressekonferenz über die Prognosen der US-Notenbank. AP

Janet Yellen

Dicke Mappe, dünnes Signal: Fed-Chefin Janet Yellen nach der Pressekonferenz über die Prognosen der US-Notenbank.

New YorkBeinahe jeder hatte erwartet, dass die US-Notenbank (Fed) am Mittwoch die Zinsen beibehält. Aber viele Investoren hatten auf etwas deutlichere Hinweise gehofft, wie es weiter geht. Doch Fed-Chefin Janet Yellen ließ sich dazu nicht hinreißen. Die Kapitalmärkte reagierten darauf zunächst wie auf ein Signal „weicher“ Geldpolitik, also mit steigenden Aktienkursen und sinkendem Dollar, schlossen aber im Endeffekt wenig verändert.

Die meisten Ökonomen rechnen trotzdem mit der nächsten Zinserhöhung im Juni. Dann findet die nächste Sitzung statt, nach der eine Pressekonferenz geplant ist. Michael Feroli von JP Morgan glaubt allerdings, dass die US-Notenbank erst einen Monat später handeln wird - und zunächst abwartet, ob Großbritannien sich per Referendum aus der EU verabschiedet.

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Das deutlichste Signal kam nicht von der Fed-Chefin, sondern ergab sich aus den Prognosen der Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss. Im Mittel erwarten diese Fed-Gouverneure und -Präsidenten jetzt nur noch zwei Zinserhöhungen im Jahr 2016. Bei ihrer letzten Vorhersage im Dezember waren sie noch von vier Zinserhöhungen ausgegangen. Außerdem waren die Vorhersagen für das Wachstum und die Inflation etwas niedriger als beim letzten Mal.

Bemerkenswert war allerdings, dass Esther George, die Fed-Chefin von Kansas City, abweichend von der Mehrheit für eine sofortige Zinserhöhung gestimmt hat. Es gibt auch Spekulationen, dass Yellens Stellvertreter Stanley Fischer lieber einen etwas härteren Kurs fahren würde. Er hatte in letzter Zeit hin und wieder Vergleiche zu den 70er-Jahren gezogen, wo die Inflation stark angestiegen war. Fischer gilt als sehr einflussreich und prominent, gerade deswegen dürfte er aber nach Möglichkeit vermeiden, sich als Vize offen gegen die Fed-Chefin zu stellen.

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Yellen deutete in der Pressekonferenz an, einige Mitglieder sähen die Risiken und Chancen der wirtschaftlichen Entwicklung als gleich groß an, manche sähen aber auch mehr Risiken als Chancen. Das zeigt zusätzlich, dass in der Fed keineswegs eine einheitliche Meinung herrscht.

Die Fed hatte im Dezember zum ersten Mal seit der Finanzkrise ihre Leitzinsen von nahe Null um 0,25 Prozentpunkte auf 0,25 bis 0,5 Prozent erhöht. Damals hatte Yellen noch Mühe, alle davon zu überzeugen, für die Erhöhung zu stimmen. Beobachter gehen davon aus, dass ihre weiteren Zinsschritte ähnlich klein wie im Dezember ausfallen.

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