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09.10.2015

04:12 Uhr

US-Notenbank

Schwächelnde Konjunktur bremst Zinswende aus

Die US-Währungshüter sorgen sich um die konjunkturelle Abkühlung in China - und wollen mit der Zinswende warten. Laut dem aktuellen Notenbank-Protokoll rechnen aber viele Fed-Mitglieder mit einer Anhebung in diesem Jahr.

Die US-Notenbank will mit der Zinswende weiter warten. ap

Janet Yellen

Die US-Notenbank will mit der Zinswende weiter warten.

WashingtonDie US-Notenbank (Fed) will laut Protokoll ihrer jüngsten Sitzung die Zinswende noch 2015 angehen. Die meisten Führungsmitglieder erwarteten, dass die Bedingungen für die erste Erhöhung seit fast zehn Jahren bis zum Jahresende gegeben seien, heißt es in den am Donnerstag veröffentlichten Mitschriften vom Treffen des Fed-Offenmarktausschusses Mitte September. Nach überraschend schwach ausgefallenen Daten vom Arbeitsmarkt waren jüngst Zweifel aufgekommen, ob die Notenbank sich tatsächlich noch 2015 zu dem Schritt durchringen kann.

Manche Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Entscheidung wohl nicht mehr im Dezember fallen und Notenbankchefin Janet Yellen die Anhebung auf März 2016 verschieben wird. Wie aus den Protokollen hervorgeht, sieht die Fed die US-Wirtschaft jedoch weitgehend auf Kurs. Auch die Anzeichen für eine globale Konjunkturabkühlung hätten an den positiven Aussichten nichts grundlegend geändert.

Angst vor Verlust der Glaubwürdigkeit

Doch im Führungskreis der Notenbank gibt es auch einige Mitglieder, die vor einer vorschnellen Zinserhöhung warnen. So könne die Fed ihre Glaubwürdigkeit riskieren, wenn die Inflation niedrig bleiben sollte.

Laut Experten der kanadischen Scotiabank unterstreicht das Protokoll, dass eine Zinswende nicht allzu bald zu erwarten ist. „Wenn es für die Fed bei dem Treffen im September Sinn gemacht hat, weitere Daten abzuwarten, dann macht es jetzt umso mehr Sinn, weiter abzuwarten“, hieß es in einer ersten Reaktion der Bank. Die Notenbank soll mit ihrer Geldpolitik Vollbeschäftigung und stabile Preise fördern. Zuletzt blieb die Inflationsrate aber unter dem Ziel der Fed von zwei Prozent.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

Sie hält den Leitzins seit dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Bei einer geldpolitischen Straffung könnten Anleger verstärkt ihr Geld in den USA anlegen und aus Schwellenländern wie China, Brasilien oder der Türkei abziehen. Angesichts der Konjunkturabkühlung in China waren Befürchtungen aufgekommen, die Fed könnte mit einer raschen Zinserhöhung die Probleme der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verschärfen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ohnehin eine Abkühlung der Weltwirtschaft - auch wegen Chinas momentaner Schwächephase. Lob erhielt Fed-Chefin Janet Yellen daher von IWF-Chefin Christine Lagarde. Yellen habe damit richtig gelegen, die Zinsen im September nicht zu erhöhen, sagte die Französin am Vorabend der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Lima.

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