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17.08.2016

20:43 Uhr

US-Notenbank

Steht die Fed vor einer Zinserhöhung?

Nach den Äußerungen zweier Notenbanker haben die Spekulationen über die Zinspolitik der Fed wieder zugenommen. Schon im September könnte die US-Zentralbank – nach der Zinswende im Dezember 2015 – erneut handeln.

Es gibt immer mehr Zweifel am ökonomischen Modell der US-Notenbank. AP

Fed-Chefin Janet Yellen

Es gibt immer mehr Zweifel am ökonomischen Modell der US-Notenbank.

New YorkIn der US-Notenbank Fed herrscht weiter keine Einigkeit in der Frage einer baldigen Fortsetzung der Zinswende in den USA. Nach wie vor gebe es unterschiedliche Einschätzungen über die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Entwicklung der Verbraucherpreise, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll zur Sitzung des geldpolitischen Ausschusses vom 26. bis 27. Juli. Der Arbeitsmarkt und die Preisentwicklung spielen eine wichtige Rolle bei geldpolitischen Entscheidungen der Fed.

Wie bereits bei Zinsentscheidungen zuvor hielten es die Fed-Mitglieder erneut für ratsam, vor einer neuen geldpolitischen Straffung weitere Konjunkturdaten abzuwarten. Dies sei notwendig, um die Dynamik der Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Konjunktur allgemein abschätzen zu können, hieß es weiter.

Zunehmende Spekulationen auf eine Zinserhöhung in den USA hatten die europäischen Börsen am Mittwoch zuvor ausgebremst. Der deutsche Leitindex Dax fiel zwischenzeitlich um mehr als ein Prozent auf 10.545 Punkte. Der EuroStoxx50 notierte 0,8 Prozent schwächer bei 2993 Zählern. „Die Sommer-Rally legt eine Pause ein“, sagte LBBW-Stratege Wolfgang Albrecht. Die Anleger seien wegen der Debatte um eine baldige Anhebung der US-Zinsen in Wartestellung.

Der US-Währungshüter William Dudley hatte eine Zinserhöhung im September ins Gespräch gebracht. „Ich denke, dass es möglich ist“, sagte der Chef des US-Notenbankablegers in New York am Dienstag dem Fernsehsender Fox Business Network: „Wir nähern uns dem Zeitpunkt, zu dem es aus meiner Sicht angemessen ist, die Zinsen anzuheben.“ An den Terminmärkten habe sich unter den Investoren eine zu große Gelassenheit mit Blick auf eine Straffung der Geldpolitik breitgemacht, warnte Dudley. Der Präsident der Fed von Atlanta, Dennis Lockhart, betonte, die US-Wirtschaft sei stark genug für mindestens zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr.

Fed-Entscheidung: Eine Spur Optimismus

Fed-Entscheidung

Eine Spur Optimismus

Die Fed lässt den Leitzins unverändert, aber hält die Tür offen für eine Anhebung in den kommenden Monaten. Ihr Spielraum ist vor allem durch Einflüsse von außen eingeschränkt.

Auch der führende US-Notenbanker James Bullard plädiert für eine Zinsanhebung in absehbarer Zukunft. Ein einziger Schritt reiche angesichts des niedrigen Wirtschaftswachstums für längere Zeit aus, bekräftigte der Chef der Federal Reserve von St. Louis am Mittwoch seine bisherige Haltung. Der Währungshüter ist dieses Jahr im Offenmarktausschuss stimmberechtigt, der über die Zinspolitik entscheidet.

Seit der Zinswende vom Dezember 2015 hält die US-Zentralbank Federal Reserve den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Viele Fed-Beobachter rechnen zum Jahresende mit einem weiteren Schritt nach oben – wenn das Rennen um das Weiße Haus gelaufen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im September schätzten die Händler am Dienstag immerhin auf 18 Prozent ein und damit doppelt so hoch wie vor den Äußerungen Dudleys.

Dudley sagte, die US-Wahl spiele für die Geldpolitik keine Rolle. Die Wirtschaft werde sich im zweiten Halbjahr voraussichtlich besser entwickeln. Als positives Omen gelten die aktuellen Produktionsdaten aus den USA: Die Unternehmen haben den Ausstoß im Juli überraschend kräftig gesteigert. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten 0,7 Prozent mehr her als im Vormonat – der höchste Anstieg seit November 2014.

Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Die Auslastung der Maschinen und Anlagen lag mit 75,9 Prozent ebenfalls höher als von Experten erwartet. „Der industrielle Gegenwind für die Konjunktur dürfte abflauen und könnte zum Ende des Jahres eine Zinsanhebung ermöglichen“, sagte Ökonom Bernd Krampen von der NordLB.

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