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19.10.2011

11:55 Uhr

US-Notenbank

„Vielleicht können wir das kranke System nicht heilen“

VonRolf Benders

ExklusivFed-Gouverneur Plosser sieht das Vertrauen in Haushalt und Geldpolitik der USA gefährdet. Im Interview warnt er, die Notenbank könne nicht den Krisenretter spielen - die Geldpolitik sei am Ende ihrer Weisheit angelangt.

US-Notenbanker Charles Irving Posser tritt für eine zurückhaltende Geldpolitik ein. Gerhard Holubowics für Handelsblatt

US-Notenbanker Charles Irving Posser tritt für eine zurückhaltende Geldpolitik ein.

PhiladelphiaHandelsblatt: Gibt es irgendetwas, was die US-Regierung oder die Federal Reserve tun kann, um schnell die Konjunktur anzukurbeln und die Arbeitslosenquote zu senken?

Charles Plosser: Es gibt leider keine schnelle Lösung. Wenn man Unternehmer fragt, warum sie niemanden einstellen, verweisen sie auf die herrschende Unsicherheit. Sie machen sich Sorgen wegen Europa, wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten, der Fiskalsituation hier in den USA, der Regulierung und wegen vieler anderer Sachen.

Was kann die Regierung tun?

Das Beste wäre es, jetzt die Unsicherheit zu reduzieren. Die Regierung muss der Öffentlichkeit das Gefühl vermitteln, dass wir in den USA die Haushaltssituation in den Griff bekommen können.

Glauben Sie, dass der derzeitige Kongress dazu in der Lage ist?

Ich weiß es nicht. Der Präsident hat vor zwei Jahren eine Kommission einberufen, die verschiedene Vorschläge gemacht hat. Es ging darum, die Steuergesetze zu vereinfachen, die Bemessungsgrundlage zu verbreitern und Abschreibungsmöglichkeiten abzuschaffen - um so die Effizienz unseres Steuersystems zu verbessern. Außerdem ging es darum, wie wir wieder auf den Weg haushaltspolitischer Nachhaltigkeit einschwenken könnten. Man sollte diese Vorschläge als Grundlage für eine Einigung nutzen.

Die Fed versucht schon lange, die Konjunktur mit billigem Geld anzukurbeln. Aber das scheint nicht zu funktionieren. Sind Sie nicht frustriert?

Wir würden gerne sehen, dass all die geldpolitische Lockerung, die wir herbeigeführt haben, mehr bewirkt hätte. Aber das scheint nicht der Fall zu sein, und daher gibt es in der Tat ein gewisses Maß an Frustration.

Woran liegt es?

Möglicherweise besitzen wir nicht die richtigen geldpolitischen Instrumente, um die Erkrankungen zu heilen, an denen das System leidet. Wir müssen nicht nur begreifen, was Geldpolitik tun kann - sondern auch, was sie nicht tun kann. Wenn ein Arzt bei der Diagnose einen Fehler macht, kann er die Lage des Patienten verschlimmern.

Innerhalb der Fed scheint man sich über die Diagnose nicht einig zu sein. Chairman Ben Bernanke sagt, die Erholung stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Sie dagegen sprechen von drei Prozent Wachstum im nächsten Jahr. Wo soll das herkommen?

Es kommt von den normalen Erholungsmechanismen. Die ersten beiden Quartale in diesem Jahr lagen unter den Erwartungen, sicher. Aber es gab dafür ziemlich sicher zu identifizierende Ursachen. Wir hatten Schneestürme an der Ostküste, die Naturkatastrophe in Japan, wir hatten die Aufstände im Nahen Osten mit dem Anstieg bei den Ölpreisen. Dann kehrte die Krise in Europa zurück.

Und jetzt?

Man muss sich fragen, was die Konjunktur tut, wenn solche Schocks ausbleiben. Ich denke, dass unsere Wirtschaft dann 2012 zu einem Wachstum von 2,5 bis drei Prozent zurückkehren wird.

Kommentare (15)

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19.10.2011, 12:18 Uhr

Da sitzt einer der FED-Viren und sagt "Vielleicht koennen wir das kranke System nicht heilen". Ich bezweifle auch, dass die FED ihre eigene, kranke Politik selber heilen kann, sonst waere sie schon laengst zurueckgetreten. Aber so blaesst sie weiter Luft in Bubbles und ist auch noch stolz darauf - irgendwo voellig krankhaft.

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19.10.2011, 12:47 Uhr

Die Menschen in Greichenland dürfen ihr Leben für etwas weniger Illusion verarbeiten denn Da wird bald privatisiert,geraubt was es vorher mit Steuern und Abgaben bezahlt hat.Ich geh angeln!

Hoffnung

19.10.2011, 12:48 Uhr

Wieso kommt nur sehr langsam Ehrlichkeit von Politik und der FED? Die Verschuldungsorgien scheinen nun doch unser aller System zu überfordern. Wer mag und kann das denn alles zurückzahlen? Wieso geht denn keiner zurück an die Wurzeln? Diese Probleme sind ja nicht von jetzt auf gleich entstanden. Momentan wird nur, wie in der Medizin auch so oft, an den Symptomen „herumgebastelt“. Doch was soll das bringen? Ursachenforschung ist angesagt. Wieso weitet sich die Verschuldung für uns alle immer weiter aus - trotz „angeblicher“ Sparmaßnahmen? Die Antwort ist ebenso offensichtlich wie prägnant. Das liegt am Zins. Der Zins sorgt für Schuldenausweitung, das merken Sie schon, wenn Sie ein Auto finanzieren müssen, denn die rückzahlbare Geldmenge ist viel höher als der ursprüngliche Kreditbetrag...Zu diesen Themen gibt es mittlerweile mannigfaltig Literatur z. B. von Prof. Bernd Senf oder dem Buchautoren Stefan Groß. Groß geht sogar noch weiter und stellt ein komplett neues Wirtschaftssystem vor, welches durch Transparenz für Ehrlichkeit und fairen Wettbewerb sorgt. Wir profitieren alle davon. Ohne Zinsen gibt es keine Schuldenausweitung und keine weitere Vermögensverlagerung von Arm nach Reich. Das ist nachgewiesen. Doch hören wir auf über die jetzt bekannten Probleme nachzudenken. Konstruktive Lösungen sind jetzt wichtig, damit es zum jetzigen Wirtschaftssystem eine Alternative gibt.

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