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19.03.2014

21:25 Uhr

US-Notenbank

Yellen dämmt die Geldflut weiter ein

Jetzt sind es „nur“ noch 55 Milliarden Dollar pro Monat: Die US-Zentralbank fährt ihre monatlichen Anleihekäufe um weitere zehn Milliarden Dollar zurück – und verändert die Leitlinie für eine künftige Zinserhöhung.

Fed-Chefin Janet Yellen. dpa

Fed-Chefin Janet Yellen.

WashingtonDie US-Notenbank wird voraussichtlich nächstes Jahr ihre Politik des extrem billigen Geldes beenden. Die Federal Reserve (Fed) kündigte am Mittwoch an, ihre monatlichen Geldspritzen zur Stärkung der Wirtschaft um weitere zehn auf 55 Milliarden Dollar zu verringern. Die große Mehrheit der Notenbanker rechnet zudem 2015 mit ersten Zinserhöhungen. Diese dürften auch kräftiger ausfallen als zuletzt noch gedacht. An den Aktienmärkten sorgte dies für Kursverluste. Der Dollar stieg dagegen deutlich zum Euro.

Den Leitzins beließ die Fed auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als sich weltweit die schwere Finanzkrise ausbreitete. Zugleich gab sie den Märkten eine neue Orientierungshilfe, wie lange dies noch so bleiben soll. Sie werde erst an eine Erhöhung denken, wenn sich die Inflationsrate in Richtung ihres Zielwertes bewege und es Fortschritte Richtung Vollbeschäftigung gebe.

Quantitative Lockerung in den USA

Konzept

In der Finanzkrise hat die Fed die Zinsen auf 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Da sie damit an ihre Grenze stößt, ist sie dazu übergegangen Anleihen und Vermögenswerte zu kaufen.

Ziel

Mit dem Leitzins kann die Fed vor allem die kurzfristigen Zinsen beeinflussen. Wichtiger für Investitionen sind jedoch die langfristigen Zinsen. Durch Anleihekäufe will die Fed diese drücken.

QE I

Der damalige Fed-Chef Bernanke kündigt im März 2009 an, dass die US-Notenbank Anleihen und Wertpapiere im Volumen von einer Billion US-Dollar kauft.

QE II

Im November 2010 legt die Fed ein zweites Programm auf. Bis zum zweiten Quartal 2011 will sie für weitere 600 Milliarden US-Dollar US-Staatsanleihen kaufen.

Operation Twist

Im September 2011 entschließt sich die Fed, kurzläufige Staatsanleihen (bis drei Jahre Laufzeit) im Volumen von 400 Milliarden US-Dollar zu verkaufen. Im Gegenzug will sie das Geld in langläufige Staatsanleihen investieren.

QE III

Im September 2012 beschließt die Fed ein drittes Anleihekaufprogramm. Pro Monat will sie für 40 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen. Im Dezember 2012 erhöht sie den Wert auf 85 Milliarden US-Dollar.

Tapering

Inzwischen hat die neue Fed-Chefin Janet Yellen damit begonnen, das monatliche Volumen der Anleihekäufe herunterzufahren. Am 29. Oktober hat sie beschlossen, die Anleihekäufe auf Null zu senken..

Allerdings änderte die Fed eine wichtige Leitlinie für eine künftige Zinserhöhung. In ihrer Erklärung verzichtete sie erstmals seit langem auf die Nennung einer konkreten Arbeitslosenquote, die bisher als Voraussetzung für die Anhebung gedient hatte. Die Zentralbank hatte stets versprochen, den extremen Niedrigzins erst zu erhöhen, wenn die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent falle. Die Zahl ist nun gestrichen.

Die Quote lag im Februar bei 6,7 Prozent. Die Fed-Notenbanker rechnen mehrheitlich damit, dass die Zinsen nächstes Jahr steigen werden – und wohl auch stärker als bisher gedacht.

Die neue Notenbankchefin Janet Yellen bekräftigt stets, dass man nicht nur auf die Arbeitslosigkeit schauen dürfe, sondern auch auf andere ökonomischen Daten. Yellen betonte bei ihrer ersten Pressekonferenz seit dem Amtsantritt im Februar mehrfach, dass sich die Politik der Bank durch die Anpassung nicht ändere. Die Zinsen würden frühestens angehoben, wenn die Arbeitslosigkeit ausreichend gesunken sei und die Inflation den Zielwert von zwei Prozent überschritten habe. „Es hängt von den Bedingungen ab“, sagte sie.

Zu einem weiteren ökonomischen Faktor mit geopolitischem Zündstoff könnte sich laut Yellen auch der Krim-Konflikt entwickeln. „Wir haben ein Auge darauf“, betonte sie auf der Pressekonferenz als Präsidentin der Federal Reserve. Der für die Zinsen zuständige Offenmarktausschuss habe das Thema erörtert. Zwar habe der Konflikt derzeit keine bedeutenden Folgen für die US-Konjunktur und es seien auch keine größeren Rückwirkungen auf die globale Finanzwirtschaft absehbar. Doch ganz offensichtlich gebe es geopolitische Gefahren: „Für den Fall einer Eskalation haben wir das auf dem Radarschirm.“

Kommentare (3)

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19.03.2014, 20:30 Uhr

Worüber sich, für Außenstehende jedenfalls, kaum je jemand irgendeinen Gedanken gemacht zu haben scheint: wohin eigentlich mit dem ganzen in der Vergangenheit angehäuften
Geldtsunami der die Welt, in Kiew gar?, zu beglücken hat.

Account gelöscht!

19.03.2014, 20:35 Uhr

Das Ziel der EU ist es, den EURO um jeden Preis zu erhalten. Länder mit den früheren Währungen, die periodisch abwerteten, können das nur dadurch verkraften, dass eine landesinnere Abwertung erfolgt. Die Kaufkraft schwindet, da die Löhne gekürzt werden, Opfer verlangt werden usw. Unterdessen will SUPER MARIO mit seiner horrenden Geldpolitik den EURO um jeden Preis stark halten, damit vor allem die Deutschen bei den Europawahlen nicht desertieren. Eins ist todsicher: Der EURO ist für die Peripherieländer überbewertet.

Account gelöscht!

19.03.2014, 20:50 Uhr

Wir sollte und bei der EZB bedanken, dass die Aktien- und Immobilienblase noch nicht größer geworden ist ;-)

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