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24.03.2016

16:41 Uhr

US-Notenbanker Bullard

Zinserhöhung „womöglich nicht weit entfernt“

Die meisten US-Notenbanker wählen ihre Worte weise. So auch James Bullard. Für den Fed-Chef von St. Louis ist eine Zinserhöhung „womöglich nicht weit weg“ – vorausgesetzt, die Wirtschaft entwickle sich wie erwartet.

James Bullard ist als Fed-Chef von St. Louis in diesem Jahr stimmberechtigt im Offenmarktausschuss der Fed. Reuters

Entscheider

James Bullard ist als Fed-Chef von St. Louis in diesem Jahr stimmberechtigt im Offenmarktausschuss der Fed.

New YorkEine weitere Zinserhöhung in den USA ist nach Ansicht eines führenden Notenbankers wohl nur noch eine Frage der Zeit. Ein solcher Schritt sei „womöglich nicht weit weg“, sagte der Chef der Federal Reserve von St. Louis, James Bullard, am Donnerstag. Er verwies darauf, dass die obersten Währungshüter der US-Notenbank Fed ihre Konjunkturprognosen zuletzt nur leicht zurückgeschraubt hätten. Eine baldige Zinserhöhung sei daher möglich, „vorausgesetzt die Wirtschaft entwickelt sich wie erwartet“, fügte das Fed-Führungsmitglied hinzu. Bullard ist dieses Jahr im Offenmarktausschuss stimmberechtigt, der über die Zinspolitik entscheidet.

Die Fed hatte im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren ihre Geldpolitik gestrafft, danach aber pausiert. Fed-Chefin Janet Yellen hat nach dem jüngsten Zinsbeschluss signalisiert, dass die Notenbank die geldpolitischen Zügel nur behutsam anziehen wird. Derzeit hält sie die Leitzinsen in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Viele Beobachter rechnen nur mit zwei kleinen Schritten nach oben in diesem Jahr. Als ein geeigneter Zeitpunkt für die nächste Anhebung gilt der Juni, aber auch eine Erhöhung im April scheint nicht vom Tisch zu sein.

Gewinner und Verlierer der Fed-Zinswende

Die Entscheidung

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers.

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden.

Verschuldung in Dollar wird zum Bumerang

Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben. Das könnte eine zusätzliche Belastung sein es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer geraten unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten. 

Kaum noch Impulse für die Wall Street

Experten fürchten, dass die Wall Street kaum noch Luft nach oben habe. Dazu sind die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Deutsche Banken bleiben gelassen

Die deutschen Privatbanken erwarten keine direkten Auswirkungen der Fed-Entscheidung auf ihre Geschäfte. „Die Ertragsunterschiede zwischen US-Banken und deutschen Instituten sind nicht auf die Geldpolitik in beiden Ländern zurückzuführen”, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. Die Hauptgründe für die geringere Profitabilität der hiesigen Häuser sieht er im harten Wettbewerb und in der schwächeren Konjunktur in Europa. Die Fed sei beim Ankurbeln der Wirtschaft erfolgreicher gewesen.

Rückenwind für die Versicherer

Für Versicherer ist die US-Zinswende positiv. Denn nach Einschätzung des neuen Chefvolkswirts des Branchenverbandes GDV, Klaus Wiener, werden nun die Renditen der US-Anleihen moderat steigen. Tendenziell würden auch die Zinsen der Bundesanleihen anziehen. Für Assekuranzen bedeute das mehr Anlagechancen. Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos zehrten allerdings einen Teil des Zinsvorteils wieder auf.

Von

rtr

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