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25.09.2012

22:31 Uhr

US-Notenbanker

„Wie lange wollen wir das Zeug kaufen?“

VonRolf Benders

US-Notenbanker Charles Plosser distanziert sich von der Geldpolitik von Fed-Chef Ben Bernanke. Die neuerlichen Gelddruckaktionen der USA sind ihm zu risikoreich.

Fed-Chef Ben Bernanke. dpa

Fed-Chef Ben Bernanke.

PhiladelphiaDie jüngste Entscheidung der US-Notenbank über weitere Anleihenkäufe haben die Gräben innerhalb der Fed offenbar größer werden lassen. Mit deutlichen Worten verurteilte Charles Plosser, Mitglied des obersten geldpolitischen Organs (FOMC) der USA am Dienstag die Maßnahmen.

„Was ist, wenn die Konjunktur nicht besser wird. Wie lange wollen wir das Zeug dann kaufen?“, sagte Plosser bei einer Rede in der Fed-Niederlassung in Philadelphia, die er leitet. Die Notenbank riskiere ihren Ruf und den Glauben der Märkte an ihre Einflussmöglichkeiten in so einer Situation. Gemessen an den aus seiner Sicht eher mageren positiven Effekten der Maßnahmen für die Konjunktur sei dies ein zu großes Risiko, fügte er hinzu. „Wir riskieren unsere hart erkämpfte Reputation“.

Das FOMC, das oberste geldpolitische Gremium der USA, hatte Mitte Dezember beschlossen, bis auf weiteres jeden Monat für 40 Milliarden Dollar Anleihen zu kaufen. Damit legte sie ihr drittes derartiges Programm (QE3) auf, durch das sie die Zinsen am Kapitalmarkt weiter senken will. Die Mehrheit des FOMC sieht darin eine geeignete Maßnahme, um die Arbeitslosigkeit zu senken, die in den USA weiterhin über acht Prozent verharrt.

Plosser bezweifelt, dass die neuerlichen Maßnahmen wirklich helfen. „Wir werden wohl kaum positive Effekte für Wachstum und Beschäftigung sehen“, sagte Plosser. Stattdessen erhöhe die Fed die Risiken für den Zeitpunkt, wenn sie ihre Bestände an Anleihen, die auf rund drei Billionen Dollar gestiegen sind, wieder abgebaut werden müssen. Er persönlich ist der Ansicht, dass dies „vor Mitte 2015“ bereits nötig sein könnte.

Der Bernanke-Kritiker warnte auch davor, dass die Fed gezwungen sein könnte, Verluste beim Verkauf der Papiere hinzunehmen. Eigentlich präferiere die Notenbank, die Anleihen irgendwann langsam auslaufen zu lassen, sagte er. Allerdings könne es eine Situation geben, in der man zur Inflationsbekämpfung gezwungen sein könnte, die Papiere mit Verlust zu verkaufen. „Dies könnte die Fed über Jahre daran hindern, Gewinne an die US-Regierung auszuschütten“, sagte er. Für 2011 hatte die Fed einen Rekordgewinn von rund 80 Milliarden Dollar ausgewiesen und fast die gesamte Summe an den US-Fiskus überwiesen.

Vehement wandte sich Plosser gegen Vorschläge von Kollegen, ein Ende der Anleihekäufe davon abhängig zu machen, dass die Arbeitslosenquote unter eine bestimmte Marke fällt. Es gebe zu viele Faktoren, die die Arbeitslosenquote beeinflussten, die außerhalb der Reichweite der Geldpolitik lägen, so Plosser. Zudem binde die Fed damit ihre Hände. „Wenn man sich dann entscheidet, sich nicht an diese Regel zu halten, dann muss man eine verdammt gute Begründung dafür haben, es ausnahmsweise nicht zu tun. Und man braucht eine verdammt gute Begründung, warum man danach wieder zu der Regel zurückkehrt.“ Anderenfalls riskiere die Fed ihren Ruf.

Kommentare (16)

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ColeWilliams

25.09.2012, 23:11 Uhr

Ohne die Fed wird es nicht gehen. Aber sie muss der Politik klare Vorgaben machen, und die Fortschritte monatlich, wenn nicht täglich prüfen, und ggf. das Ankaufprogramm aussetzten. Es ist an der Zeit a) Verantwortung zu übernehmen und b) Expertise anzuerkennen.

janzvolens

26.09.2012, 04:59 Uhr

Zwischen USA und Brasilien ist durch das "quantitative easing" der FED, nun endlich ein lauter Krawall ausgebrochen. USA erzielte 2011 einen Handelsueberschuss gegenueber Brasilien von $ 8+Millarden. Die USA durch den verbilligte US$ exportierte Industrieguete hat teilweise in den letzten Jahren zum Schrumpfen der Industrie in Brasilien beigetragen. Der brasilianische REAL wurde durch die Dollarflut in die konkurrenlaehmende Verteuerung getrieben. Das selbe Problem besteht auch zwischen Brasilien und China durch die Unterbewertung des RENMINBI/YUAN - aber gegenueber China erzielt Brasilien immer einen Handelsueberschuss durch Rohmaterialienexport. (Und China mischt sich nicht ein in die Politik Brasiliens und ist ein BRICS Partner!). Jetzt hat Brasilien eine Anzahl von Importartikel mit Zoll belastet und dagegen hat der U.S. Trade Representative Ron Kirk einen rueden und drohenden Brief an Brasiliens Ausenminister Antonio Patriota geschrieben, welcher als "unannehmbar" zurueck gewiesen wurde. Praesidentin Dilma Rousseff wird entsprechende Hinweise sprechen gegen das FED "quantitative easing" in der jetzt tagenden UN Vollversammunlng . Sie nennt es einen "finanziellen Tsunami" gegen die Entwicklungsnationen.

Account gelöscht!

26.09.2012, 05:51 Uhr

Man kann keine Arbeitsplaetze drucken und auch durch Geld eine Konzeptlosigkeit zu keinem Konzept werden lassen. Wenn man einen Hauch von Konzept erkennen wollte, dann ist es eine gewaltige Zwangsumverteilung - von Glaeubigern zu Schuldnern.

Bernanke und Obama sind voellig untragbar mit ihrer Politik der gigantischen Schulden, der gigantischen Bubbles und letztlich der gigantischen Enteignung unzaehliger Sparer. Fuer das was von diesen beiden angerichtet wurde, wird die Welt noch sehr teuer gezahlen. Irgendwann bricht dieses ganze gegen die Marktkraefte gerichtete Gebilde mit einem gewaltigen Knall zusammen. Obama und sein Bernanke werden dann schon von der Bildflaeche verschwunden sein und andere werden dafuer herhalten muessen.

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