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05.01.2010

08:42 Uhr

US-Wirtschaft

Vorsicht regiert an der Wall Street

VonRolf Benders

Experten setzen in den Vereinigten Staaten auf eine Konjunkturerholung und erwarten 2010 leichtes Kursplus. Im Schnitt sagen die Großbanken ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent voraus. Vor allem ein Umsatzplus in zyklischen Branchen soll die Erholung befeuern.

Die Aussichten der Wall-Street für das kommende Jahr sind durchwachsen. ap

Die Aussichten der Wall-Street für das kommende Jahr sind durchwachsen.

NEW YORK. In Hoffnung auf eine weitere Erholung der US-Wirtschaft rechnen Experten für 2010 mit einer moderaten Fortsetzung der Kursgewinne an der Wall Street. Die neun größten Institute der New Yorker Finanzmeile gehen im Schnitt von einem Plus beim S&P-500 von 9,5 Prozent aus. Der von Fachleuten meist beachtete Aktienindex des Landes war 2009 um rund 25 Prozent gestiegen. "Die Kernfrage ist, ob der Verbraucher wieder zurück in die Geschäfte kommt", sagte Michael Farr, Fondsmanager bei Miller, Farr & Washington mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung. Die Konsumzurückhaltung in der Krise hatte die Rezession im vergangenen Jahr verschärft. Bislang gibt es nur vorsichtige Anzeichen, dass die Bürger wieder mehr Geld ausgeben.

Exporte und ein schwacher Dollar sollen es richten

Im Schnitt sagen die Großbanken ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent voraus. Die US-Konjunktur hatte erst im dritten Quartal 2009 mit einem Plus von 2,2 Prozent die schwerste Krise seit den 30er-Jahren beendet. "Der Zuwachs wird vor allem von einem Umsatzplus in zyklischen Branchen wie Technologie, Energie und dem produzierenden Gewerbe gestützt werden", urteilte Daniel Bianco, Analyst bei Bank Of America. Diese Sektoren profitierten auch dank des schwachen Dollars vor allem von ausländischer Nachfrage.

Zuletzt hatten viele US-Firmen noch Gewinne ausgewiesen, weil sie die Kosten stärker reduzierten als die Umsätze einbrachen. Dadurch verloren fast acht Millionen Menschen ihren Job. In diesem Jahr müssen aber nun die Umsätze wieder anziehen, damit die Gewinne weiter steigen können. Erwartet wird für die S&P-500-Firmen ein Gewinnplus von 20 bis 30 Prozent. Neben der höheren Auslandsnachfrage spielt vor allem der Lagerhaltungszyklus eine Rolle. Firmen bestücken derzeit die Läger neu. Der Effekt für die Konjunktur ist aber nur von Dauer, wenn die Produkte Käufer finden. Ob der Verbraucher seine Zurückhaltung aufgibt, ist aber fraglich. Die Finanzprobleme der Haushalte, deren Ausgaben für 70 Prozent der Wirtschaftsleistung stehen, könnten zu einer dauerhaften Veränderung des privaten Konsumverhaltens führen. "Es scheint, als gebe es eine Verschiebung des Verhaltens hin zu mehr Sparsamkeit und weg vom Konsum", sagte Bruce Bittles, Anlagestratege bei Robert Baird & Co. Es sei nicht auszuschließen, dass die Sparquote von derzeit rund vier Prozent demnächst Richtung zehn Prozent steige.

Sicherheitslage und Wahlen machen Analysten skeptisch

Kaum ein Ausblick kommt in diesem Jahr ohne Hinweis auf die wachsenden geopolitischen Spannungen aus. Eine Eskalation der Lage nach dem versuchten Terroranschlag von Weihnachten könnte Wirtschaft und Märkte heftig treffen. Ein anderes politisches Thema für die Märkte dürften die Parlamentswahlen im Herbst sein, bei denen die regierenden Demokraten ihre Mehrheit verlieren könnten. Wenn der Wahlkampf im Frühjahr beginne, dürften sich Anleger danach in Zurückhaltung üben, urteilte Citi-Analyst Tobias Levkovich. Unter dem Strich rechnen viele Experten daher damit, dass die Jahreshöchststände daher bereits im ersten Quartal erreicht werden. Denn die Verunsicherung sei weiter groß. "Marktteilnehmer werden schnell bereit sein, zu verkaufen und erst danach Fragen zu stellen", erklärte Baird-Experte Bittles.

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