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23.03.2016

13:50 Uhr

US-Zinswende

Fed-Führungsmitglied plädiert für Erhöhung im April

US-Währungshüter haben jüngst deutlich gemacht, dass sie ihre Geldpolitik nur behutsam straffen wollen. Grund dafür sind die globale Konjunkturabkühlung und Turbulenzen an den Geldmärkten. Doch das passt nicht allen.

Derzeit hält die Fed den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. dpa

Debatte über Zinsanhebung

Derzeit hält die Fed den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

New YorkerEin Führungsmitglied der US-Notenbank Fed spricht sich für eine Zinserhöhung im April aus. Es gebe starke Argumente dafür, nach der Zinswende vom Dezember nachzulegen, sagte der Chef des Fed-Ablegers in Philadelphia, Patrick Harker, am Dienstag: „Ich denke, wir sollten weitermachen.“ 2016 sollte die Zentralbank nach seiner Ansicht mindestens drei Mal die geldpolitischen Zügel anziehen. Harker ist in dem über die Zinspolitik entscheidenden Fed-Gremium dieses Jahr jedoch nicht stimmberechtigt.

Die Währungshüter hatten in ihrer jüngsten Zins-Prognose deutlich gemacht, dass sie angesichts der globalen Konjunkturabkühlung und der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten die Geldpolitik nur behutsam straffen wollen. Es werden daher nur zwei kleine Schritte nach oben in diesem Jahr erwartet.

Dreht die Fed an der Zinsschraube?

Warum denkt die Fed über höhere Leitzinsen nach?

In Europa hat die Europäische Zentralbank die Zinsen gerade gesenkt, die US-Notenbank denkt über eine weitere Anhebung nach - wie passt das zusammen? Die Federal Reserve (Fed) hat zwar auch die Weltwirtschaft im Auge, muss sich bei ihren Entscheidungen aber zunächst einmal am wirtschaftlichen Geschehen in den USA orientieren. Die Lage am Arbeitsmarkt und die Inflation sind bestimmende Indikatoren, beiden hängen zusammen. Die USA haben sich schneller als andere aus der Finanzkrise gearbeitet, die Arbeitslosenquote liegt bei fast idealen 4,9 Prozent - auch wenn dort viele Teilzeit- und Niedriglohnjobs versteckt sind. Die niedrige Inflation war lange Zeit das Haupthindernis für eine Zinsanhebung. Jetzt gibt es vorsichtige Zeichen für ein Anziehen, wie Fed-Vize Fischer kürzlich kundtat.

Quelle: dpa

Warum glauben dann die meisten Volkswirte, dass die Fed derzeit noch nicht an der Zinsschraube dreht?

Die Fed muss vorsichtig sein. In der globalisierten Wirtschaft hängt alles mit allem zusammen, eine reine Binnensicht ist auch in den USA nicht möglich. Eine Zinsanhebung verteuert potenziell etwa die Exporte, Kunden amerikanischer Produkte in konjunkturell schwachen Ländern könnten auf Käufe verzichten. Im schwächelnden China könnten die USA wichtige Marktanteile verlieren, wenn sie jetzt zu schnell handeln.

Quelle: dpa

Wer drückt beim Thema Zinsanhebung aufs Tempo, wer auf die Bremse?

Die Banken hätten gerne höhere Leitzinsen, weil sie dann mittelfristig mehr Geld für Kredite und andere Leistungen verlangen könnten. Sie orientieren sich mit ihren Geschäftszinsen an den Vorgaben der Fed. Notenbanker wie Fed-Gouverneurin Lael Brainard sind vorsichtiger. Brainard sprach zuletzt von „weltweiten Strudeln“, die die USA erfassen könnten. „Es gibt weltweit wenig Zeichen für eine robuste Nachfrage“, sagte sie. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der sich vor allem um notleidende Volkswirtschaften kümmert, hält nach wie vor Vorsicht für geboten.

Quelle: dpa

Gibt es ein Zeitproblem?

Ja. Die Fed muss das richtige Timing erwischen. Wartet sie zu lange mit einer Zinsanhebung, könnte die Inflation plötzlich galoppieren. Dies müsste maßgeblich der kleine Mann tragen, außerdem würden die Risiken für unerwünschte Entwicklungen wie erneute Immobilienblasen steigen. Agiert die Fed zu hastig, würgt sie die Wirtschaft ab.

Quelle: dpa

Welche Auswirkungen hätte eine Zinsanhebung auf Deutschland und Europa?

Unmittelbar wäre diese zunächst einmal gering. Die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik gerade noch einmal gelockert. Nach Einschätzung von Volkswirten wird eine Zinswende in Europa mit einer Verspätung gegenüber den USA von mindestens zweieinhalb bis drei Jahren eintreten. Eine Zinsanhebung könnte jedoch den Dollar gegenüber dem Euro weiter stärken - was gut für deutsche und europäische Exporteure wäre. Die Waren würden für Käufer, die in Dollar bezahlen, billiger. Urlaub in den USA würde hingegen noch teurer.

Quelle: dpa

Viele Experten rechnen erst im Juni mit der nächsten Anhebung. Derzeit hält die Fed den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent.

Von

rtr

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