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15.07.2016

11:31 Uhr

Verbraucherpreise

Inflation bleibt im Juni auf Mini-Niveau

Die Preise in der Euro-Zone steigen wieder leicht. Trotz des Anstiegs ist die Europäische Zentralbank noch weit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt.

Die Verbraucherpreise im Juni sind minimal gestiegen. dpa

Im Supermarkt

Die Verbraucherpreise im Juni sind minimal gestiegen.

BrüsselDie Jahresteuerung lag im Juni bei 0,1 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Damit wurde ein vorläufiger Wert bestätigt. In den vier vorangegangenen Monaten waren die Preise jeweils gefallen oder stabil geblieben. Trotz des Anstiegs im Juni ist die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt. Diese gilt als ideal für die Wirtschaftsentwicklung.

Im Kampf gegen eine Deflation - also einen für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall auf breiter Front - hat die EZB im März die Geldschleusen weiter geöffnet: Der Leitzins wurde auf null gesetzt, die Strafgebühren für die bei ihr deponierten Einlagen der Banken erhöht und das Wertpapier-Ankaufprogramm ausgeweitet.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die Käufe sollen die Renditen der Titel drücken, wodurch sie als Investment für Banken weniger attraktiv werden. Die Institute sollen stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben, was die Konjunktur stützen und somit auch die Verbraucherpreise anheizen würde. Der EZB-Rat kommt nächste Woche zu seiner nächsten Sitzung zusammen und wird dabei entscheiden, ob es beim derzeitigen monatlichen Umfang von Wertpapierkäufen im Volumen von 80 Milliarden Euro bleibt.

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm der EZB die Inflation ankurbelt. Zu diesem Schluss kamen jedenfalls die Autoren eines Monatsberichts der Bundesbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwirbt seit März 2015 in großem Stil Staatsanleihen der Euro-Länder. Das Programm ist inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegt.

Bundesbank-Bericht: EZB-Geldflut sorgt für mehr Inflation

Bundesbank-Bericht

EZB-Geldflut sorgt für mehr Inflation

Die Draghi-Strategie könnte aufgehen: Nach Angaben der Bundesbank sorgt die laxe Geldpolitik für steigende Inflation in der Zukunft. In Zeiten großer Sorge vor Deflationsszenarien eine gute Nachricht.

Die Währungshüter hatten im Dezember beschlossen, die Käufe um ein halbes Jahr bis Ende März 2017 zu verlängern. Laut Bundesbank-Berechnungen wird dies von 2016 bis 2018 etwa 0,1 bis 1,0 Prozentpunkte mehr Inflation pro Jahr bringen. Die Effekte der nochmaligen Ausweitung des Programms im März dieses Jahres seien geringer.

Von

rtr

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