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13.03.2012

16:55 Uhr

Verbrauchervertrauen

In Deutschland regiert der Optimismus

VonHans Christian Müller-Dröge, Ulf Sommer

Der Blick in die Zukunft fällt bei den meisten Deutschen ziemlich optimistisch aus. Die Dauerkrise der europäischen Schuldenländer beunruhigt die Konsumenten nicht mehr, die sich in Sicherheit wiegen.

Die Mehrheit der Deutschen rechnet laut GfK mit einem steigenden Einkommen in den nächsten Monaten. dpa

Die Mehrheit der Deutschen rechnet laut GfK mit einem steigenden Einkommen in den nächsten Monaten.

DüsseldorfDeutschland steht derzeit in Europa wie eine Insel da, auf der lauter Optimisten leben. Obwohl die Konjunktur im Herbst und Winter schwächelte, schauen die Bundesbürger außerordentlich optimistisch in die Zukunft. Dagegen überwiegt in den Nachbarstaaten derzeit die Angst vor dem Jobverlust oder sinkenden Einkommen.

Nach den jüngsten Ergebnissen, die die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der EU-Kommission erhebt, rechnet eine Mehrheit der Deutschen damit, dass ihr persönliches Einkommen in den nächsten Monaten wächst. Damit sind die Befragten sogar noch etwas zuversichtlicher als im Vorjahr. Seit August 2011 ist der GfK-Konsumklimaindex kontinuierlich auf 5,9 Zähler gestiegen – den höchsten Stand seit April 2011. In den anderen großen Euro-Ländern Frankreich, Großbritannien oder Italien gehen dagegen weit weniger Bürger davon aus, dass sie in diesem Jahr mehr Geld zur Verfügung haben werden als im Vorjahr.

„In Deutschland sind die wirtschaftlichen Daten vergleichsweise gut“, sagt Marie-Luise Sebralla von der Unternehmensberatung Nielsen, die regelmäßig Tausende Konsumenten weltweit über ihre Zukunftsaussichten befragt. Die Deutschen seien zwar besorgt wegen der Krise im übrigen Europa. „Doch sie rechnen nicht damit, dass es sie in naher Zukunft ebenfalls trifft.“ Dementsprechend ist nicht nur die Einkommenserwartung gestiegen: Eine Mehrheit der Befragten geht zudem davon aus, dass sich ihre Berufsaussichten demnächst verbessern.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Das Geld wollen die Bundesbürger künftig verstärkt in die Läden tragen: So blieb die Zahl derjenigen, die den Kauf langfristiger Güter erwägen, zuletzt auf konstant hohem Niveau – während sie in den Nachbarländern immer weiter fiel. Und anders als noch 2011, als der private Konsum in Deutschland schwächer wuchs als die Gesamtkonjunktur, werde der Konsum in diesem Jahr zur Lokomotive für die Konjunktur werden, erwartet die GfK. „Galten die Deutschen früher als Angstsparer, sind sie mittlerweile die Konsumoptimisten Europas“, sagte GfK-Chef Matthias Hartmann bei Vorstellung der neuen Zahlen.

Hartmann erwartet, dass die Deutschen verstärkt in diejenigen Güter investieren, die sich Konsumenten nur dann kaufen, wenn sie optimistisch in die Zukunft schauen – Autos und Immobilien. Bestätigt wird das vom Verband Deutscher Architekten (VDA): „Beim Wohnungsneubau rechnen wir mit einem weiteren Aufwärtstrend“, sagt Geschäftsführer Thomas Welter. Darüber hinaus gehe er von steigenden Auftragszahlen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung aus. Diese steht bei vielen deutschen Konsumenten derzeit weit oben auf der To-do-Liste, wie die Konsumentenbefragung der EU bestätigt.

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Auf dem Aktienmarkt verhalten sich die Privatanleger derzeit allerdings noch eher verhalten – trotz des Dax–Hochs. Zu diesem Schluss kommen die Marktforscher von Sentix, Europas größtem Anbieter von Stimmungsindizes und verhaltensorientierten Daten, in ihrer wöchentlichen Befragung unter Profis und Kleinanlegern. Doch ein Problem sehen die Experten darin nicht, im Gegenteil sei die Situation „prinzipiell positiv zu werten“.

Der Grund: Wer vorsichtig oder pessimistisch gestimmt ist, hat wenig oder keine Aktien gekauft – und ist deshalb ein potenzieller Käufer, wenn die Skepsis nachlässt. Umgekehrt sind Optimisten potenzielle Verkäufer – weil sie bereits in Aktien investiert haben. Insofern könnten sich die traditionell vorsichtigen deutschen Anleger bald auch verstärkt an den Börsen engagieren. Die Folge: Die Kurse würden weiter steigen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.03.2012, 17:07 Uhr

"In Deutschland regiert der Optimismus" LOOOOOOOL JA genau :D Haben ja auch allen Grund dazu! Habt vergessen das Wort Rekord zu benutzen wie bei allem Quatsch.

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