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11.09.2015

06:20 Uhr

Vermögensforscher im Interview (Teil I)

„Die Geissens sind Karikaturen von Reichtum“

VonJessica Schwarzer

Die Superreichen der Welt ticken anders als die Geissens, davon ist Thomas Druyen überzeugt. Überhaupt wird Reichtum oft falsch definiert. Der Vermögensforscher über Geld, Millionen-Boni und reiche Griechen.

Thomas Druyen ist Reichtums- und Vermögensforscher an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Thomas Druyen

Thomas Druyen ist Reichtums- und Vermögensforscher an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien.

Mit Geld kennt Thomas Druyen sich aus, ebenso mit Neid und Missgunst. Als Vermögensforscher hat er Dutzende Superreiche interviewt. Er warnt davor, die sogenannten Boni-Banker pauschal zu verurteilen und die superreichen Griechen vorzuverurteilen. Gefahr sieht er von den Kapitalmarktblasen ausgehen, die sich derzeit überall aufblähen. Ein noch viel größeres Problem sieht er aber in der Demographie.

Sind Sie reich?
Leider nein. Das interessiert mich gar nicht, auch wenn es arrogant klingen mag. Ich bin Hochschullehrer, deshalb gehöre ich wahrscheinlich vermögenstechnisch zur Mittelschicht. Auf materielle Werte war ich nie fokussiert.

Wie sind Sie dann zur Vermögensforschung gekommen?
Mich haben sehr früh die gesellschaftlichen Zusammenhänge interessiert.  Eigentlich sollte ich die Firma meiner Eltern, die Generalvertretung einer Brauerei, übernehmen. Doch die philosophische und wissenschaftliche Analyse hat mich immer schon fasziniert.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

Wie stark haben Ihre Unternehmer-Eltern Sie geprägt?
Meine Mutter war die Tochter des Unternehmens, mein Vater war Schauspieler. Er war Schüler von Gustav Gründgens und hat Gedichte geschrieben. Insofern schlugen immer schon zwei Herzen in meiner Brust. Die Nähe zu der Philosophie meines Vaters war immer signifikant. Auch deshalb hat mich der schnöde Mammon nie wirklich gereizt – und es gab durchaus Gelegenheiten in Vorständen Platz zu nehmen und keine Hochschulkarriere zu machen. Aber man muss sich entscheiden. Mein Weg ist ein Privileg und ein Geschenk, dafür tut man gerne eine Menge.

Wie definieren Sie Reichtum?
Es ist nicht meine Aufgabe, Reichtum zu definieren. Eigentlich müsste es eine institutionelle, weltweit geltende Definition geben. Doch die gibt es nicht.  Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beispielsweise ist eine Einzelperson reich, die über ein monatliches Einkommen von 3500 Euro verfügt. Bei einer Familie sind es 7000 Euro.

Dann sind aber sehr viele Menschen reich.
Diese Rechnung kann natürlich nicht funktionieren. Dramatisch ist vor diesem Hintergrund, dass die Reichenforschung sich seit Jahrzehnten an diesen staatlich definierten Größenordnungen orientiert hat. Das heißt für mich, dass Reichenforschung immer eher Mittelschichtsforschung war.

Kommentare (16)

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Herr Peter Westermann

11.09.2015, 07:31 Uhr

Was Herr Thomas Druyen da verzapft ist nichts Besonderes und dürfte jedem klar sein - außer vielleicht nicht den Leuten, die sich diesen Schwachsinn anschauen. Liebes HB, überlassen Sie solche Artkel lieber dem STERN oder der BUNTEN.

Herr Werner Wilhelm

11.09.2015, 07:40 Uhr

Die Geissens im Handelsblatt, ein Verhaltensforscher, Frau Jessica Schwarzer und Chefredakteur Oliver Stock im Hintergrund, der Herausgeber auf Traumreise.

Ich glaube ich habe verstanden: Die Welt ist verrückt und wir sinds auch.

Herr Privatier atHome

11.09.2015, 08:37 Uhr

"Sind Sie reich?
Leider nein. Das interessiert mich gar nicht, auch...."

Dieser Mensch widerspricht sich doch schon im ersten Satz! Mit siener Aussage: " Leider nein.Das interessiert mich nicht.."

Reichtum ist vor allem eine innere Einstellung. Sie hängt nicht vom absoluten Einkommen ab. Einfach gesagt:: verdiene ich mehr als ich brauche, bin ich im Prinzip reich!
Absolut gesehen: Vergleicht man das Einkommen eines Harz IV Empfängers in Deutschland mit dem Durchschnittseinkommen der Weltbevölkerung, gehört dieser zu den oberen 10%.
Der Harz IV Empfänger vergleicht sich jedoch nicht mit Der Welt, sondern mit seinem direkten Umfeld. Deshalb fühlt er sich arm.
Für die meisten Flüchtlinge, die es z.Z. nach Deutschland zieht, ist ein Harz IV Empfänger sehr wohlhabend! Deshalb zieht es die Meisten nach Deutschland,

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