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14.09.2015

09:05 Uhr

Vermögensforscher im Interview (Teil II)

„Unterschätzen Sie nicht die Kompetenz von Frau Hilton“

VonJessica Schwarzer

Das Leben der wirklich Superreichen können wir kaum beurteilen, ist Thomas Druyen überzeugt. Der Vermögensforscher hat Dutzende von ihnen interviewt. Ein Gespräch über reiche Erben, russische Oligarchen und Glück.

Er ist Reichtums- und Vermögensforscher an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien. Rudolf Wichert für Handelsblatt

Thomas Druyen

Er ist Reichtums- und Vermögensforscher an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien.

Reichtum verpflichtet, ist Thomas Druyen überzeugt. Der bekannte Vermögensforscher kennt sich aus in der Welt der Superreichen und weiß: Geld ist die Greencard für alles Materielle, aber Geld ist keinesfalls die Greencard für Glück, Gesundheit, Liebe und Freundschaft. Im ersten Teil dieses Interviews hatte er erklärt, weshalb die TV-Familie der Geissens eine Karikatur von Reichtum ist. Jetzt erklärt er, was Vermögende umtreibt und warum es nicht stimmt, dass die Deutschen immer ärmer werden.

Studien haben zuletzt wieder gezeigt, dass die Deutschen immer ärmer oder zumindest nicht reicher werden, weil sie renditearm anlegen. Gleichzeitig steigt das Pro-Kopf-Vermögen in Ländern mit höheren Aktienquoten.
Aber mit Verlaub, da wird doch ernsthaft behauptet, dass in Ländern wie Spanien oder Griechenland der Reichtum schneller wächst als hierzulande. Das ist absoluter Unsinn.

Aber der Vermögenszuwachs ist doch größer.
Prozentual mag das stimmen oder besser man kann auch so rechnen. Aber die Realität sieht, wie wir alle wissen, ganz anders aus. Denken Sie an die riesige Zahl arbeitsloser junger Menschen in diesen Ländern. Das sind absurde Vergleiche. Es gibt kaum ein Land, indem es überdurchschnittlich so vielen gut geht. Die Parole durchs Dorf zu jagen, die Deutschen verlieren im internationalen Vergleich, das ist eine Frechheit allen Bürgern gegenüber. Und auch all den Ländern gegenüber, denen es viel schlechter geht als uns.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. Von Januar bis März 2015 machte der Posten einen Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. Von Januar bis März 2015 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 37,4 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 ging die Quote auf 3,0 Prozent zurück.

Aktien und sonstige Anteilsrechte

Das in Aktien investierte Vermögen und der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen der deutschen Haushalte sind gestiegen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. Im ersten Quartal 2015 lag der Anteil bei 10,8 Prozent.

Aktienfonds

Die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit gewonnen. 9,4 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte von Januar bis März 2015 in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Trotzdem legen die Menschen in anderen Ländern scheinbar cleverer an.
Die Art und Weise, wie der deutsche Bürger investiert, holt offensichtlich nicht das Optimale heraus. Das ist für mich die Botschaft. Darüber sollte man diskutieren und nachdenken, ob wir in ökonomischer Hinsicht nicht Bildungsdefizite haben. Aber dass die Deutschen im Ranking zurzeit ärmer werden, halte ich für eine Absurdität.

Gibt es einen Unterschied zwischen erarbeitetem und geerbtem Vermögen?
Grundsätzlich ist das Phänomen Erben ein unsagbar spannendes Thema. Erben heißt für die meisten Leute, da kriegt jemand viel Geld, ohne etwas dafür zu tun und macht dann im Zweifelsfall nur noch Party.

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