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08.03.2017

18:32 Uhr

Vermögensverwalter

Blackrock findet Regulierung teilweise überzogen

Blackrock ist mit fünf Billionen Dollar der weltgrößte Vermögensverwalter. Seine Einschätzungen zählen. Jetzt skizzierte Friedrich Merz, Aufsichtsratschef der deutschen Tochter, wo man sich zukünftig einmischen will.

Der Aufsichtsratschef des US-Vermögensverwalters will nicht mehr ganz so leise auftreten. dpa

Friedrich Merz

Der Aufsichtsratschef des US-Vermögensverwalters will nicht mehr ganz so leise auftreten.

FrankfurtDer mächtige und diskret auftretende US-amerikanische Vermögensverwalter Blackrock hält die Welle an neuen Vorschriften und Auflagen seit der Finanzkrise 2008 zumindest teilweise für überzogen. Man müsse eine Diskussion führen, ob die regulatorischen Auflagen mittlerweile zu viel geworden sind, sagte der Aufsichtsratschef der deutschen Tochter, Friedrich Merz, am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Er plädierte dafür, in der Regulierung einen „vernünftigen Mittelweg“ zu finden, es fehle derzeit die Balance. US-Präsident Donald Trump hat mehrfach angekündigt, dass er die Gesetze in Amerika wieder entschärfen will. Branchenbeobachter glauben, dass dann die europäischen und deutschen Institute im internationalen Wettbewerb zurückfallen könnten.

Für sein eigenes Haus kündigte der frühere CDU-Politiker eine stärkere öffentliche Einmischung in aktuelle Finanzthemen an, gemäß seines Verständnisses von der Rolle eines „Active Chairman“ bei der deutschen Blackrock AG. In Einzelfällen könne er sich vorstellen, dass Blackrock seine Meinung künftig stärker öffentlich kundtun werde, darüber gebe es aber intern noch Abstimmungsbedarf. Blackrock hält an vielen börsennotierten Unternehmen in Deutschland zwischen zwei und sechs Prozent der Anteile. Hauptgrund hierfür ist die starke Stellung der Gesellschaft im Geschäft mit passiven Indexfonds (ETF). Blackrock verwaltet die Mittel treuhänderisch für Kunden.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

Anders als etwa die Aktionärsvertreter von der Deka und der Union Investment, den Fondsgesellschaften der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, hält sich Blackrock auf Hauptversammlungen zurück. „Wir gehen natürlich hin und stimmen ab, aber wir machen keinen Rabatz“, sagte Merz. Die Art, wie die stundenlangen deutschen Aktionärstreffen ablaufen, sei nicht unbedingt ein Vorbild für die Welt, sagte der Wirtschaftsexperte. Es gebe stattdessen Gespräche von Blackrock mit den jeweiligen Top-Managern hinter den Kulissen. „Die Unternehmen, die Vorstände und wenn nötig die Aufsichtsräte kennen unsere Meinung.“

Ein mögliches Feld für mehr Engagement seitens Blackrock seien die Gehaltsdiskussionen bei Vorständen. „Zumindest werden die Beispiele bei uns diskutiert“, sagte Merz. „Vergütungsexzesse sind Einzelfälle, aber sie zerstören die Marktwirtschaft von innen“, meinte der frühere stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Eine Patentlösung für das Problem habe er nicht. Abstimmungen über Vorstandsgehälter auf Hauptversammlungen oder gesetzliche Deckelungen seien seiner Meinung nach jedenfalls nicht der richtige Weg. Auf einer Hauptversammlung könnten nur die Aktionäre abstimmen – wenn der Aufsichtsrat entscheide, hätten auch die Vertreter der Arbeitnehmer ein Mitspracherecht.

Von

pk

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