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07.03.2011

11:50 Uhr

Vermögensverwalter im Interview

"Gold ist das ultimative Geld"

VonChristian Panster

Die Geldanleger-Welt ist im Wandel: Vermögensverwalter Peter Hollmann äußert sich im Interview über die neue Bedeutung des Goldes, Untergangspropheten und Eigenschaften, die einen guten Investor ausmachen.

Peter Hollmann ist Vorstandssprecher von Berlin & Co. Zuvor war er viele Jahre Partner bei Goldman Sachs Deutschland. Quelle: PR

Peter Hollmann ist Vorstandssprecher von Berlin & Co. Zuvor war er viele Jahre Partner bei Goldman Sachs Deutschland.

Herr Hollmann, was macht einen guten Investor aus?
Da gibt es sicherlich verschiedene Ansichten.

Und die Ihre?
Ein guter Investor geht offenen Auges durch die Welt, verfügt über eine gewisse Grundskepsis und vor allem Erfahrung; er ist gut informiert und bezieht keine Extrempositionen.

Was meinen Sie mit Extrempositionen?
Den Zerfall des Euros, die Kernschmelze des Finanzsystems, Hyperinflation – solche Standpunkte sind nicht unsere Sache.

Aber Sie sprachen von einer gewissen Grundskepsis …
Das stimmt. Die ist aber nicht gleichbedeutend mit der Sehnsucht nach der Katastrophe. Wir sind keine Untergangspropheten. Natürlich ist es immer einfach, sich mit derlei Thesen Gehör zu verschaffen. Das freut vor allem die Medien. Aber verraten Sie mir, wie oft ist die Welt in den letzten Jahren untergegangen? Und vor allem: wie wollen Sie sich als Investor auf den Weltuntergang vorbereiten, so der denn kommt?

Keine Ahnung!
Sehen Sie.

Was ist mit der Finanzkrise?
Wir sind keine Fantasten, wir laufen nicht mit verbundenen Augen durch die Welt; das meine ich übrigens mit Grundskepsis. Die Finanzkrise und ihre Folgen sind schlimm, zweifellos. Und sie wurden von vielen unterschätzt. Deswegen sind wir auch keine Freunde von sogenannten Risikomodellen, die die Krise eigentlich hätten vorhersagen sollen. Diese Modelle versagen meist dann, wenn man sie braucht. In wirklichen Krisenzeiten ist Risikomanagement eine Frage der subjektiven Einschätzung und nicht eine Sache für statistische Modelle So sind wir auch recht unbeschadet durch die Krise gekommen. Aber noch einmal zum Ausgangspunkt zurück: Es nützt niemandem, umher zu laufen und zu behaupten, die Welt stünde kurz vor dem Untergang.

Und die Inflation – bereitet die Ihnen keine Sorgen?
Wir sollten das Thema in aller Ruhe analysieren. Noch im vergangenen Herbst hatten viele Investoren Angst, die Welt könnte in eine Deflation rutschen, so wie Japan vor Jahren. Jetzt ist das alles beherrschende Thema die Inflation. Das zeigt, wie schnell sich die Diskussionen und die Ängste verändern. Aus heutiger Sicht sind wir überzeugt, dass es wahrscheinlicher ist, wir bekommen es in den kommenden Jahren mit einer inflationären denn einer deflationären Entwicklung zu tun. Vermutlich werden die Teuerungsraten künftig mit einer drei oder vier vor dem Komma beginnen. Historisch betrachtet wäre das immer noch sehr moderat. Inflationsraten von ein oder zwei Prozent, so wie wir es in den vergangenen Jahren hatten, sind eher die Ausnahme.

Kommentare (7)

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Oelblase

07.03.2011, 12:31 Uhr

Wenn die EZB den Leitzins stetig auf bis 3-4% anhebt, ist der Goldpreis bestenfalls halbiert - eher gedrittelt.

Alle Analysten die Gold predigen, verkennen, dass der Preisauftrieb vom Erdöl herkommt. Der Preisauftrieb beim Erdöl hat aber weniger monetäre, sondern vielmehr fundamentale Gründe (zurückliegendes Peak-Oil).


D.h. sollte das Erdöl tatsächlich durch die Decke gehen (und danach sieht es aus), dann gehen die Volkswirtschaften in die Knie - mit heftiger Deflation.

Account gelöscht!

08.03.2011, 18:34 Uhr

@ Oelblase :

Sie irren sich, Gold unterliegt nahezu den gleichen Bedingungen, wie Erdöl: Es vermehrt sich nicht mehr und die Förderkosten liegen inzwischen bei mehr, als 1000 USD/Unze. Gold bildet zur Zeit nur ca. 5% des Anlagevolumens und genießt bei der breiten Bevölkerung hohes Ansehen als "sicherer Hafen", die goldhungrige Weltbevölkerung wächst. Gold kann als solches nicht substituiert werden, Erdöl ist durch andere Energeiquellen ersetzbar und wird immer noch zur Stromerzeugung verbrannt. Doch Gold bleibt Gold und Preisrückschläge sind Kaufgelegenheiten. Alle anderen Anlageformen sind in ihrer Werthaltigkeit konjunktur- und technologieabhängig, sie können auch politschen Einflüssen unterliegen, Gold ist dem in vielfältiger Weise entzogen. Bemerkenswert: Der Goldpreis ist trotz gepredigtem Weltwirtschaftswachstum im letzen Jahr gestiegen. Hätten Sie recht, wäre er schon längst gefallen. Kein ernstzunehmender Vermögenverwalter kommt heutzutage um physisches Gold herum. Der Erdölpreis unterliegt der Spekulation. Deutschland hat über 80% des Benzins und der Schmierstoffe im 2. Weltkrieg aus Kohle gewonnen, das wird wieder so sein, wenn Öl zu teuer sein wird. Viele Plastartikel, die heute noch aus Erdölbestandteilen hergestellt werden, sind mit gering höheren Kosten aus nachwachsenden Rohstoffen oder Recyklingmaterialen herstellbar.

Patty

09.03.2011, 09:43 Uhr

Erdöl ist sehr wohl ein Rohstoff welcher sich weiter vermehrt. Die Enstehungsgeschichte des Erdöls welche uns propagandiert wurde ist ein Märchen !!!!!!
Das billige Fiat-Money und die Flucht der Spekulanten in Rohstoffe treiben den Oelpreis.
Wenn jetzt sehr bald die weltweite Krise richtig ausbricht, bekommen wir einen kurzen deflationären Einbruch beim Gold - danach einen kometenhaften Anstieg !
Meine beiden Vorredner - Note 6, setzen, weiterschlafen !

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