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15.01.2014

11:21 Uhr

Vermögensverwalter im Interview

Sachwerte? Weg mit dem Plunder!

VonJörg Hackhausen

Gold, Wein, Oldtimer - seit der Finanzkrise investieren viele Anleger lieber in „schöne Dinge“ statt in Aktien oder Anleihen. Doch davon hält der Vermögensverwalter Uwe Zimmer gar nichts. Er setzt auf andere Werte.

Uwe Zimmer, Chef der Meridio Vermögensverwaltung, investiert am liebsten in Aktien. PR

Uwe Zimmer, Chef der Meridio Vermögensverwaltung, investiert am liebsten in Aktien.

Herr Zimmer, Sie halten nicht viel von Sachwerte wie Gold, Wein oder Oldtimern. Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?
Das Problem ist, dass niemand den wahren Wert von einem Gemälde bestimmen kann. Warum eine mit Farbe versehene Leinwand um ein Millionenfaches mehr wert ist als eine andere, ist nur aus der Begeisterung für eine künstlerische Leistung zu verstehen, die aber auch wieder abebben kann. Ich denke, dass so etwas kein sicherer Aufbewahrungsort für das Vermögen ist. 

Das sehen viele Anleger genau andersherum.

Schöne Dinge wie Uhren, Schmuck oder alles was sich Sammlerstück nennt, sind nicht zum Geldverdienen gedacht. Es sind Gegenstände, die ihren Wert ausschließlich aus der gemeinsamen Übereinkunft beziehen, dass sie schön, erstrebenswert und wertvoll sind. 

Das klingt doch nicht schlecht. Kaufen Sie persönlich keine schönen Dinge?
Anfang der 1990er-Jahre habe ich französische Weine auf Grund von Empfehlung eines Weinkenners eingekauft. Diese waren zu dem Zeitpunkt sehr günstig. Der Verkauf hat sich gelohnt. Jetzt würde ich sagen: Weg mit dem Plunder! Nein, im Ernst, man kann all diese Dinge genießen und sich daran erfreuen. Das Geldverdienen ist damit nie planbar, sondern immer nur ein Zufall.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Was ist denn mit Gold?
Gold hat keinen produktiven Nutzen. Nur weil es so schön glänzt und nicht so häufig vorkommt, wird es so hoch geschätzt. 

Immerhin ist es ein Zahlungsmittel seit Jahrtausenden.
Von mir aus kann man sich Gold kaufen, wenn man meint, dass man unbedingt eine Versicherung gegen Katastrophen braucht. Aber bitte nicht mehr als fünf Prozent des Vermögens. Ich habe vor etwas mehr als einem Jahr gesagt, dass die Rally beim Goldpreis vorbei ist. Dafür bin ich damals angefeindet worden. Damals stand Gold bei 1750 Dollar, jetzt bei 1200 Dollar. Und übrigens – Gold ist kein offizielles  Zahlungsmittel. 

Denken Sie, dass der Goldpreis weiter fällt?
Ich kann mir vorstellen, dass es in Richtung 1000 Dollar geht. Die Menschen haben weniger Angst, deshalb kaufen sie weniger Gold.

 

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

15.01.2014, 11:42 Uhr


Weg mit dem Plunder, richtig, rechtzeitig raus aus Aktien.

HB Empfehlungstäter sollte sich lieber mit "Asiatischer Goldfilosofie" beschäftgen, bevor er seinen Aktienweltenbrand einläutet.

Account gelöscht!

15.01.2014, 11:47 Uhr

Ich empfehle Prokon Genußscheine! Seit tausenden von Jahren als Store of Value bewährt!

RumpelstilzchenA

15.01.2014, 11:49 Uhr

Fallen Sie nicht auf diesen Scharlatan rein!

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