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31.08.2012

10:27 Uhr

Vermögensverwalter

„Nur die Hälfte ist überlebensfähig“

VonIngo Narat

Das Misstrauen gegenüber den Banken stärkt die Vermögensverwalter. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht etwas trister aus. Experten schätzen, dass viele kleine Anbieter bald unter Druck geraten werden.

Frank Lingohr könnte von der Branchen-Konsolidierung profitieren. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Lingohr könnte von der Branchen-Konsolidierung profitieren.

FrankfurtDer Markt für unabhängige Vermögensverwalter spaltet sich. Größere Anbieter gewinnen mehr Kunden. Doch diese Erfolgsgeschichten verdecken die Existenznöte vieler kleiner Verwalter. "Die kleinen Verwalter können die Kosten der wachsenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen, insbesondere durch die ständig zunehmenden Formalien, kaum mehr tragen", sagt Nero Knapp, Justiziar beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Er ist überzeugt: "Kleinere werden sich zusammenschließen oder bei einem der Mittelgroßen einsteigen."

Anlagetipps: So vermeiden Sie Pleiten

1. Streuen

Streuen Sie Geldanlagen breit, packen Sie nie mehr als ein Drittel der Anlagesumme in ein Einzelinvestment.

2. Vorsicht vor Krediten

Verkauft der Anbieter einer Immobilie oder eines Finanzprodukts den Kredit gleich mit, sollte vorher ein Anwalt das Angebot prüfen.

3. Weitere Meinungen

Ziehen Sie eine weitere Meinung von einem Profi hinzu, den Sie beauftragen.

4. Lesen Sie Verträge

Lesen Sie Verträge. Nur das gilt, nicht das, was Vermittler im Gespräch erzählen.

5. Risiko

Präsentiert der Verkäufer Rechenbeispiele, in denen sich die Anlage von selbst finanziert, lassen Sie die Finger davon. Wer viel verdienen will, trägt viel Risiko.

6. Vor Ort prüfen

Bevor Sie sich an Immobilien beteiligen, prüfen Sie vor Ort, wie sie vermietet sind

7. Baulicher Zustand

Besichtigen Sie Immobilien und lassen Sie den baulichen Zustand begutachten.

8. Spezialisierter Anwalt

Fragen Sie im Zweifel einen spezialisierten Anwalt. Ein Steuerberater bestätigt, dass der Steuervorteil greift, ein Anwalt kennt die Fallstricke der Anlage.

9. Vorausschau

Schauen Sie zuerst auf das Risiko und dann auf die mögliche Rendite. Legen Sie fest, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen.

10. Kein Zeitdruck

Lassen Sie sich eine Chance entgehen, statt unter Zeitdruck zu unterschreiben.

11. Produkte, die Sie verstehen

Kaufen Sie nur Produkte, die Sie verstehen. Das klingt banal, passiert aber viel zu selten.

12. Beratungsprotokoll

Lassen Sie sich immer das Beratungsprotokoll aushändigen. Prüfen Sie, ob der Inhalt stimmt.

13. Schriftliche Bestätigung

Sagt der Berater, ein Produkt sei sicher, verlangen Sie die schriftliche Bestätigung der Aussage. Gibt er sie nicht, lassen Sie die Finger vom Geschäft.

14. Prospekte

Lassen Sie sich den Prospekt aushändigen, und lesen Sie ihn vor Unterzeichnung des Vertrages gründlich. Suchen Sie im Prospekt nach Risikohinweisen.

15. Keine Telefonangebote

Legen Sie auf, wenn Sie unverlangt ein Angebot per Telefon bekommen.

Der Markt der unabhängigen Vermögensverwalter wird statistisch nicht erfasst. Der VuV schätzt aber das verwaltete Kundenvermögen allein seiner derzeit 222 Mitglieder auf rund 60 Milliarden Euro. Das ist viel, aber zusammen weniger als die Hälfte dessen, was etwa ein abhängiger Verwalter wie die Deutsche-Bank-Tochter DWS allein in ihren Fonds für Privatkunden betreut. VuV-Mann Knapp sieht eine Dreiteilung des insgesamt wachsenden Marktes für unabhängige Berater.

An der Spitze sieht er Namen mit vielen Milliarden Kundenvermögen. Dazu gehören die "alten Hasen" wie Jens Ehrhardt mit der DJE Kapital AG, Frank Lingohr, Eckhard Sauren oder Hendrik Leber. Sie führen ihr eigenes mittelständisches Unternehmen. Viele sind auf Einzeldepotverwaltung, auf Aktien- und Mischfonds ausgerichtet. Sie haben trotz der Börsenturbulenzen in der Zeit der Finanzkrise an verwaltetem Kapital gewonnen. Die stärksten Zuwächse in den Krisenjahren unter den größeren Anbietern verbuchten jedoch Firmen, die nicht nur gute Wertentwicklungen liefern, sondern auch die großen institutionellen Investoren überzeugen und ihnen die gefragten risikoarmen Strategien bereitstellen. "Das Privatkundengeschäft ist unter Druck, aber das institutionelle Segment wächst", bestätigt Ralf Lochmüller, Partner bei Lupus Alpha.

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Zu diesen aufstrebenden Anbietern zählen Assénagon, Flossbach von Storch oder Main First. Assénagon ist zwar eine luxemburgische Anlagegesellschaft, hat allerdings deutsche Gründer und starkes Geschäft in Deutschland. "Das Gründungs-Timing war äußerst unglücklich, wir gingen Ende 2007 live - dann begann die Finanzkrise", erinnert sich Martin Weithofer, Leiter der deutschen Niederlassung.

Kommentare (2)

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Kronecker

31.08.2012, 13:30 Uhr

Was heisst eigentlich "Streuen", oder nicht mehr als 1/3 in ein Einzelinvestment packen? Wenn Sie heute den S&P500 kaufen, ist das genug gestreut? Nach Markowitz sollten 20 ausreichen. Was ist besser gestreut: 20 weltweit ausgewählt oder 500 vom S&P?

N-euro

31.08.2012, 14:15 Uhr

Heute ist das ohnehin egal, denn genau diese rivalisierenden Platzhirsche machen die Kurse und ihre oft abrupten Bewegungen über Computerbasierte Programme! Diese Programme drücken Privatanleger ganz nach hinten, diese haben die höchsten Verluste oder niedrigsten Gewinne nach Verkauf, zuerst immer die Institutionell-computerbasierten Akteure. Wenn man es unbedingt braucht, weil GIER, dann Nestle, Coca-Cola, Zigaretten GB, Novo Nodisk Dänemark..

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