Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2015

17:31 Uhr

Vermögensverwalter

Wie Blackrock & Co. Flugtickets verteuern

VonMark Fehr
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Großinvestoren verhindern, dass sich ihre Unternehmen Gewinne abgraben. Den Preis dafür zahlen die Kunden, wie Wissenschaftler jetzt am Beispiel von US-Fluggesellschaften nachgewiesen haben.

An der Universität Michigan haben Forscher herausgefunden, dass die Beteiligungen großer Vermögensverwalter oder Fonds wie BlackRock an mehreren Unternehmen einer bestimmten Branche den Wettbewerb zwischen ihren Portfoliogesellschaften einschränken können. Reuters

BlackRock

An der Universität Michigan haben Forscher herausgefunden, dass die Beteiligungen großer Vermögensverwalter oder Fonds wie BlackRock an mehreren Unternehmen einer bestimmten Branche den Wettbewerb zwischen ihren Portfoliogesellschaften einschränken können.

DüsseldorfDer Name Blackrock ist ein Nimbus. Der 4,7 Billionen Dollar schwere Vermögensverwalter aus den USA ist riesig und steckt Geld in Unternehmen und Anlageobjekte überall auf der Welt. Gleichzeitig gibt sich der Finanzgigant öffentlichkeitsscheu. Auftritte von BlackRocks Chef Larry Fink, wie bei einer Investorenkonferenz in New York vergangene Woche, sind sparsam dosiert. Kein Wunder, diesmal musste Fink mit anhören, wie Finanzprodukte seines Unternehmens als „extrem gefährlich“ beschimpft wurden. Die Kritik kam immerhin von Investorenlegende und Ebay-Großaktionär Carl Icahn.

Weniger plakativ, dafür wissenschaftlich umso fundierter, ist die Kritik an den Folgen von BlackRocks Investitionsverhalten, die eine viel beachtete neue Studie aus den USA nahelegt. Deren Ergebnisse dürften vor allem Wettbewerbshüter hellhörig machen. Der an der Universität Michigan forschende deutsche Ökonom Martin Schmalz und seine Co-Autoren José Azar und Isabel Tecu haben herausgefunden, dass die Beteiligungen großer Vermögensverwalter oder Fonds wie BlackRock, aber auch Fidelity oder State Street an mehreren Unternehmen einer bestimmten Branche den Wettbewerb zwischen ihren Portfoliogesellschaften einschränken können.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

Das Trio hat dies am Beispiel amerikanischer Fluggesellschaften untersucht. Das Fazit: „Die Preise für Tickets liegen je nach Flugroute etwa um drei bis zehn Prozent höher als bei getrennter Eigentümerschaft.“

Auch in Deutschland hat die Studie Aufmerksamkeit erregt. Wissenschaftler Schmalz wurde dafür Ende Juni mit dem Young Innovators-Award der Frankfurter Goethe-Universität und des Kasseler Finanzdienstleisters Plansecur ausgezeichnet. Anders als Fusionen und Übernahmen lösen Simultanbeteiligungen in den meisten Ländern keine Prüfungen durch die Wettbewerbsbehörden aus. Der Düsseldorfer Wettbewerbsexperte Justus Haucap weist allerdings darauf hin, dass in Deutschland zumindest Minderheitsbeteiligungen vom Bundeskartellamt geprüft werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×