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18.11.2015

11:18 Uhr

Vermögensverwalter zur Ceinex-Eröffnung

„Ein wichtiges Signal für die Öffnung des Marktes“

VonKatharina Schneider

Der Münchener Vermögensverwalter und erklärter China-Fan Andreas Grünewald spricht im Interview über den neuen Handelsplatz Ceinex und die jüngsten Turbulenzen beim Yuan.

MünchenAndreas Grünewald ist Vorstand der Vermögensverwaltung FIVV und erklärter China-Fan. Seit mehr als zwölf Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Markt.

Herr Grünewald, ist das neue Angebot der Ceinex für Privatanleger geeignet?
Durch den Handelsplatz soll es einfacher und kostengünstiger sein, chinesische Wertpapiere zu handeln. Diese Möglichkeit ist auch für Privatanleger interessant, da sie ihr Depot damit noch besser diversifizieren können.

Noch steckt das Angebot in den Kinderschuhen, was versprechen Sie sich davon?
Ich sehe es als wichtiges Signal für eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes. Vor zehn Jahren war es noch kaum möglich, von außerhalb am chinesischen Finanzmarkt zu agieren. Ein wichtiger Schritt wurde schon 2011 gemacht. Seitdem können auch Anleger ohne chinesischen Wohnsitz ein Festgeldkonto in China eröffnen. Das habe ich damals sofort genutzt und bin nach Schanghai gereist, um ein Konto zu eröffnen.

Andreas Grünewald, Vorsitzender des Verband unabhängiger Vermögensverwalter Presse

Vermögensverwalter Grünewald

„China bleibt auf Wachstumskurs.“

Inzwischen hat die Bank of China auch Filialen in Deutschland.
Ja, das erleichtert die Sache. Außerdem ist die deutsche Niederlassung Mitglied im deutschen Einlagensicherungsfonds. Ich persönlich halte den daraus resultierenden Schutz zwar für etwas überbewertet, aber vielen Anlegern ist das wichtig.

Sorgen bereitete Anlegern zuletzt auch der Yuan. Die Intervention der Notenbank im August hat sie regelrecht schockiert.
Ich verstehe die Aufregung nicht. Es ist ganz normal, dass ein Land seine Geldpolitik nutzt, um die Wirtschaft zu stützen. Europa und die USA machen das ständig. Außerdem war die Abwertung mit rund fünf Prozent zum Dollar keinesfalls dramatisch und hat sich schon wieder abgeschwächt. Man muss sich auch mal die langfristige Entwicklung anschauen.

Vor zehn Jahren kostete ein Yuan noch zwölf US-Cent, heute sind es knapp 16 Cent.
Das ist eine deutliche Aufwertung. Nachdem die feste Kopplung an den Dollar 2005 aufgegeben worden war, hatte alle Welt eine Aufwertung gefordert. Seit 2014 steuert die Regierung wieder gegen, damit sich die Exporte nicht zu sehr verteuern. Trotzdem ist der Yuan eine feste Währung.

Anleger fürchten auch eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.
Mit jährlich sieben Prozent befinden wir uns auf einem sehr hohen Niveau, aber ich wäre auch mit fünf oder vier Prozent zufrieden. China ist sehr gut darin, sein Wachstum stabil zu halten.

Auch der Index CSI 300 ist in diesem Sommer eingebrochen. Ist die Blase geplatzt?
So würde ich das nicht bezeichnen. Es war ein Crash, aber wenn die Märkte innerhalb eines Jahres weit mehr als 50 Prozent zugelegt haben, nehmen Anleger auch gerne Gewinne mit. Trotzdem liegt der Markt 2015 noch deutlich im Plus. Es gibt eine starke Wertentwicklung, aber man muss auch mit einer hohen Volatilität umgehen können.

Wer China-Aktien in Yuan kauft, hat zugleich ein Kurs- und ein Wechselkursrisiko.
Das ist beides nicht ungewöhnlich. Das Gleiche gilt, wenn ich eine Apple-Aktie kaufe, die in Dollar notiert ist. Daraus ergeben sich auch Chancen.

Kennt Ihr China-Optimismus gar keine Grenzen?
In den vergangenen Monaten wird häufig zu negativ über China berichtet. Natürlich sehe auch ich noch Verbesserungsbedarf. Aber insgesamt bleibt das Land auf Wachstumskurs. Das Ziel ist klar: die Nummer eins unter den Wirtschaftsmächten werden. Inzwischen bezweifelt niemand mehr, dass es dazu kommt. Umstritten ist nur, wann es so weit ist, 2030 oder früher. Positiv dürften sich auch die neue Seidenstraße und die Aufgabe der Ein-Kind-Politik auswirken.

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