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19.04.2014

12:24 Uhr

Vermögensverwalterin im Interview

„Frauen haben oft ein besseres Händchen“

VonJessica Schwarzer

Wo kommt die Rendite her? Diese Frage treibt konservative Anleger und ihre Berater um. Vermögensverwalterin Anja Welz erklärt, welche Investments jetzt infrage kommen und was Frauen bei der Geldanlage anders machen.

Frauen gehen anders an die Altersvorsorger heran als Männer. Getty Images

Frauen gehen anders an die Altersvorsorger heran als Männer.

Anja Welz ist Vorstand bei der Laureus Privat Finanz, einer Tochter der genossenschaftlichen Sparda Bank West. Im Interview erklärt sie, was Vermögensverwalterinnen anders machen als ihre männlichen Kollegen.

Frau Welz, Sie sind eine der ganz wenigen weiblichen Vermögensverwalterinnen. Finden Frauen Geld unsexy?

Auf keinen Fall! Dass Banker und Vermögensverwalter überwiegend Männer sind, ist historisch gewachsen. Wie in vielen anderen Branchen auch. Aber wir holen auf, zumal Frauen ja auch oft ein besseres Händchen haben, wenn es um Geld geht.

Anja Welz ist Vorstand bei Laureus Privat Finanz

Anja Welz ist Vorstand bei Laureus Privat Finanz

Was machen Frauen denn anders bei der Geldanlage?

Sie agieren vorsichtiger, haben mehr Geduld, können Risiken oft besser einschätzen und liefern nicht selten auch höhere Renditen ab. Das gilt übrigens nicht nur für Profis, sondern auch für Privatanlegerinnen, wie Auswertungen von Onlinebrokern gezeigt haben.

Lassen sich Männer gerne von Frauen beraten?
Ich bin als Vermögensberaterin nie komisch angeschaut worden. Im Gegenteil: Eine Frau als Gegenüber wird in der Regel als angenehm empfunden. Die Reaktionen sind sehr positiv. Wahrscheinlich auch, weil wir anders an das Thema Geldanlage herangehen als Männer.

Das müssen Sie erklären.
Frauen sehen den ganzen Menschen. Wir fragen, was einen Menschen bewegt, welche Ziele er hat und richten die Geldanlage darauf aus. Nicht die verschiedenen Märkte, Anlageklassen und deren Renditen stehen im Vordergrund.

Wo das Geld der Deutschen liegt

Geldvermögen gesamt

2010: 4.645,4 Milliarden Euro

2011: 4.710,2 Milliarden Euro

2012: 4.939,0 Milliarden Euro

Quelle: Deutsche Bundesbank, 03.05.2013

Bargeld und Sichteinlagen

2010: 914,1 Milliarden Euro

2011: 953,3 Milliarden Euro

2012: 1.056,9 Milliarden Euro

Termingelder

2010: 262,6 Milliarden Euro

2011: 280,5 Milliarden Euro

2012: 274,4 Milliarden Euro

Spareinlagen

2010: 609,1 Milliarden Euro

2011: 608,2 Milliarden Euro

2012: 608,0 Milliarden Euro

Sparbriefe

2010: 75,0 Milliarden Euro

2011: 85,4 Milliarden Euro

2012: 75,5 Milliarden Euro

Festverzinsliche Wertpapiere

2010: 254,1 Milliarden Euro

2011: 247,1 Milliarden Euro

2012: 238,2 Milliarden Euro

Aktien

2010: 243,5 Milliarden Euro

2011: 221,5 Milliarden Euro

2012: 259,1 Milliarden Euro

Sonstige Beteiligungen

2010: 179,1 Milliarden Euro

2011: 185,2 Milliarden Euro

2012: 193,4 Milliarden Euro

Investmentzertifikate

2010: 435,4 Milliarden Euro

2011: 394,9 Milliarden Euro

2012: 420,1 Milliarden Euro

Ansprüche gegenüber Versicherungen

2010: 1.358,1 Milliarden Euro

2011: 1.400,2 Milliarden Euro

2012: 1.468,9 Milliarden Euro

Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

2010: 284,3 Milliarden Euro

2011: 295,4 Milliarden Euro

2012: 306,6 Milliarden Euro

Sonstige Forderungen

2010: 39,0 Milliarden Euro

2011: 38,4 Milliarden Euro

2012: 37,9 Milliarden Euro

Häufig heißt es, vor allem die Männer würden sich um die Familien-Finanzen kümmern. Stimmt das noch?
Da hat sich einiges getan. Früher waren es tatsächlich die Männer, aber das hat sich geändert. Heute kommen in der Regel beide Ehepartner. Frauen haben erkannt, dass es auch um ihr Geld und um ihre finanzielle Zukunft geht. Sie wollen informiert sein, Entscheidungen mittreffen und abgesichert sein.

Gerade wenn es um die Altersvorsorge geht, kann es gefährlich werden. Vor allem im Falle einer Scheidung.
Das ist natürlich ein Thema. Auch deshalb wollen Frauen mitreden. Allerdings haben das in der Bankenwelt noch nicht alle Kollegen mitbekommen. Häufig konzentrieren sich die Berater leider noch immer vor allem auf den Mann. Aber auch das wird sich langsam ändern.

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